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Full text of "Hermann Böse - Volkslieder für Heim und Wanderung. Im Auftrage der Zentralstelle für die Arbeitende Jugend Deutschlands, Buchhandlung Vorwärts Paul Singer, Berlin, 1914"

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VOLKSLIEDER 



FÜR HEIM UND WANDERUNG 

IM AUFTRAGE DER ZENTRALSTELLE FÜR 
DIE ARBEITENDE JUGEND DEUTSCHLANDS 

HERAUSGEGEBEN VON 

HERMANN BÖSE 




BERLIN 1914 

VERLAG: BUCHHANDLUNG VORWÄRTS 
PAUL SINGER G. M. B. H., BERLIN S.W. 68 
(HANS WEBER, BERLIN) 



1 1" 

VORWORT. 



Einen blühenden Strauß frischer und unverwelklicher Volks- 
lieder überreicht die Zentralstelle für die arbeitende Jugend mit 
diesem Büchlein der deutschen Arbeiterklasse, besonders den 
jungen Arbeitern und Arbeiterinnen. 

Über den Zweck des Buches und die beste Art es zu be- 
nutzen, schreibt der Herausgeber: „Zu den Kennzeichen des 
Volksliedes gehört seine weite Verbreitung in der großen sanges- 
frohen Masse des Volkes. In diesem Sinne sind alle 300 Lieder 
unseres Buches Volkslieder. Neben den ursprünglichen Volks- 
liedern, von denen oft weder Dichter noch Komponist bekannt 
ist, stehen Lieder, die zwar ihrer Entstehung nach Kunstlieder 
sind, aber sie unterscheiden sich in Inhalt und Form manchmal 
kaum vom Volksliede und werden auch im Volke viel gesungen, 
oft mit einigen volksmäßigen Abänderungen. Viel Wertvolles und 
Schönes mußte leider unberücksichtigt bleiben, wenn das Buch 
nicht zu umfangreich werden sollte. 

Die Kunstgesänge bringen wir meist in der Original-Tonart 
und in Text und Melodie unverändert, auch mit den durch Begleit- 
instrumente auszufüllenden Pausen, die man im unbegleiteten 
Gesänge weglassen möge. Worte und Weisen sind in allen 
Liedern möglichst nach den ältesten erreichbaren Aufzeichnungen 
wiedergegeben, aber mit Berücksichtigung von Abänderungen, 
die sich allmählich im Volke durchgesetzt haben. Wem ein Lied 
in anderer Fassung geläufiger und lieber ist, der singe es, wie 
er es gewohnt ist. Das echte Volkslied ist noch in stets leben- 
diger Bewegung und kann auch nicht durch Drucklegung in eine 
letzte, feste Form gezwängt werden. Doch möge man vorurteilsfrei 
die gewohnte Melodie mit der in diesem Buche niedergelegten 
Form vergleichen und dann die schönere singen. 

Zur leichteren Auffindung der Lieder sind sie nach dem Inhalt 
in zehn Abteilungen gruppiert und in jeder Abteilung alphabetisch 



VORWORT 



geordnet worden. Über und unter den Liedern befinden sich An- 
gaben über Dichter und Komponisten, über die Zeit der Abfassung 
und über die Quellen, in denen die Lieder zuerst auftauchen. 

Die in jedem Liede vorkommenden kurzen senkrechten Striche 
tuf der obersten Notenlinie sind Atemzeichen. Zur Erzielung 
eines natürlichen Gesanges und schönen Vortrages ist ein ruhiges 
Atmen durchaus nötig. Es kann in den Pausen und bei den an- 
gegebenen Zeichen geatmet werden. 

Dynamische Zeichen (/= forte = laut; «|f = mezzof orte = halb- 
laut ; P = piano = leise ; < = crescendo, sprich kreschendo ! = an 
Tonstärke zunehmend; > = decrescendo = abnehmend) sind nur 
ausnahmsweise angegeben, vornehmlich in Kunstliedern, die einer 
feineren Schattierung bedürfen. Man singe laut und leise, je nach 
der Stimmung des Textes und behandle das Forte besonders vor- 
sichtig. Forte singen heißt durchaus nicht schreien und brüllen! 

Von den 300 Liedern sind 100 mit Akkordbezeichnung ver- 
sehen worden, natürlich durchweg mit einfachsten Harmonie- 
gängen. Klavier- und Lautenspielern wird diese Einrichtung 
dienlich sein. Sollte sie Anklang finden, so kann sie bei einer 
zweiten Auflage auf alle Lieder ausgedehnt werden. Es ist immer 
nur der Akkordwechsel angegeben worden. Jeder Akkord gilt 
also bis zu einem neubezeichneten. Eine Erklärung der Akkord- 
buchstaben enthält der Artikel über Lautenbegleitung." 

Und nun nehmt das Buch, junge Arbeiter und Arbeiterinnen, 
und singt eure Lieder, die des Volkes Wesen, das ist euer Wesen, 
widerspiegeln! Und nötigt auch die Alten mitzusingen! Singt 
die Lieder, die meist schon die hundert Jahre überdauert haben, 
ohne zu welken, ohne „unmodern" geworden zu sein! Singt die 
Lieder, die nicht ausgeklügelt, nicht mühsam ersonnen, sondern 
schlicht erlebt sind! Vielleicht gelingt es euch dann und wann, 
sie wieder zu erleben. 

Berlin, im Juni 1914. 

Die Zentralstelle 
für die arbeitende Jugend Deutschlands. 



ETWAS ÜBER LAUTENBEGLEITUNG. 

(Erklärung- der in den Liedern vorkommenden Zeichen.) 

Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, schriftlich Lauten- 
unterricht zu erteilen. Man wende sich an einen tüchtigen Lau- 
tenlehrer, der nicht nur die Griffe der linken Hand, die Akkorde 
zeigt, sondern vor allen Dingen auch den Anschlag der rechten 
Hand, womit das wirklich schöne Spiel erst beginnt. Laute und 
Gitarre (sprich nicht Guitarre!) unterscheiden sich voneinander 
in der Bauart und darum auch im Klang. Der Körper der Gitarre 
hat meist die Form einer 8. Boden und Decke liegen parallel 
zueinander. Das Schalloch ist ganz offen. Der Körper der Laute 
ist meist birnenförmig. Ihr Boden ist gewölbt und aus vielen 
schmalen Stücken zusammengefügt. Das Schalloch ist von einer 
durchbrochenen Rosette verdeckt. Die Griffweise ist bei beiden 
Instrumenten dieselbe. Hier die Lage der Töne: 



-eis=f- 

-his=c— 

-gis=as- 

-dis=es- 

-ais=b— 

-eis=f- 



-fis=ges- 
-cis=des- 



-fis=ges- 



-ais- b- 
-eis=f— 
-his=c- 
-g- 



-gis=as- 
-dis=es— 
— h=ces 
-fis=ges 
-cis=des 
-gis=as- 



Die Griffe der in den Liedern bezeichneten Akkorde mögen 
Anfänger sich nach dem unten folgenden System suchen. Die 
Ziffern hinter den Noten bezeichnen die Finger der linken Hand. 
0 = leere Saite, D = Daumen, 1 = Zeigefinger, 2 = Mittelfinger, 
3 = Goldfinger, 4 = kleiner Finger. In den Liedern bedeuten 
große Buchstaben Dur-Akkorde, kleine Buchstaben Moll-Akkorde, 
z. B. G = G-dur = g h d; g = G-moll = g b d. Steht unter den 
Akkordbuchstaben noch ein zweiter, so soll dieser unterster Ton 
des Akkords sein, z. B.: ^ = dgh; Jj I = hdg. Eine 7 hinter 
einem Akkordbuchstaben bedeutet, daß zu dem Dur- Dreiklang 



VI 1 ETWAS ÜBER LAUTENBEGLEITUNG | * 

(Grundton, Terz und Quinte) die Septime (d. h. siebenter Ton) 
hinzutritt, z. B. Gi == g h d f. In dem nachfolgenden System steht 
zwischen zwei gleichnamigen Dur- und Molldreiklängen der zu 
beiden gehörende Septakkord der fünften Stufe (Oberdominant- 
Septakkord), der besonders als Überleitung nach dem Dreiklang der 
ersten Stufe (Tonika-Dreiklang) gebraucht wird, z. B. G? C = g h d f 
— c e g. Genauere theoretische Erläuterungen sind hier schriftlich 
schwer zu geben. Man wende sich an einen tüchtigen Musiklehrer! 
Jeder Lautenspieler sollte das Wesen der Akkorde und Akkord- 
verbindungen kennen lernen, damit er über das mechanische, 
plan- und sinnlose Begleiten hinauskommt. 



l. 2. 3. 



C-dur 
(ohne Vor- 
zeichen). 




1. 2. 3. 



h f 

0, § 


— I-l 

-0 














-— 0 


— h-2- 




Lg-3-J 




J # 





1. 2. 3. 4. 5. 



c-moll 
3> 



G-dur 





— 0 


















-0 












-h-2 — 












Lg-3 





i 



ETWAS ÜBER LAUTENBEGLEITUNG 



VII 



-c-l- 



l. 2 
fis-3- 



-a-2- 



i 



g-moll 
2 \> d 



1. 2. 3. 

g-1 



-d-1- 
-b-1- 



-g-D- 



1. 2. 3. 









pfis-2— 


— d-3 — 




D-dur 






— a-l — 






2# d 























1. 2. 3. 











r-g-4— 




A7 






—eis 2— 
-a-l 


E H= 


a 




-0 


— e-1 — 




j -ö- 



1. 2. 3. 

PPP in 



A-dur 
3» 





r-0 1 












— cis-3- 
— a-2 




















— e-2 








-0 








ETWAS ÜBER LAUTENBEGLEITUNG I * 



1. 2. 3. 



e - 

C7 

f-moll 


— c-1 

1 

-i — M 1 

— c-1 — 
— as-1 — 


— e-2 


—b-4 — 
— c-3 


E 4=^= 

s_ 


4 > 

B-dur 


JLf-D — 1 


1. 


-©- 

2. 3. 






d-4— 
-b-3*- 




21» 


--b-1 — 




— f-3*- 





* oder 4! 



1. 2. 3. 4. 




1. 2. 3. 



» I INHALT I XI 



INHALT. 



Seite 

Vorwort III 

Lautenbegleitung V 

I. Jugend und Liebe 1 

IL Natur und Wandern 78 

III. Heimat und Abschied 135 

IV. Handwerker- und Jägerlieder 147 

V. Soldatenlieder 176 

VI. Freiheitslieder 192 

VII. Balladen : . . 208 

VIII. Ernste Weisen 227 

IX. Plattdeutsche Lieder 236 

X. Allerhand Heiteres, Scherz und Spott 246 

Liederverzeichnis 273 



JUGEND UND LIEBE 



L JUGEND UND LIEBE 



i 



Fr. Silcher, 1789—1860. 



t. Ach, du klar -blau - er Him-mel, und wie 



9=* 



i 



SA 



schön bist du heut! Möcht' ans Herz gleich dich 

m 



V 



drük - ken vor Ju - bei und Freud'. 



ber 



5= 



's geht doch nicht an, denn du bist mir zu weit, und mit 













a 


11 mei-ner 


Freud', was 


ff iJ 

fang' ich doch 


an, und mit 



ffi c c c i jj 1 



all mei - ner Freud', was fang' ich doch an? 

2. Ach, du licht-grüne Welt, und wie strahlst du voll Lust! 
Und ich möcht' mich gleich werfen dir vor Lieb' an die Brust. 
Aber 's geht doch nicht an, und das ist ja mein Leid, und mit 
all meiner Freud', was fang' ich doch an? 

3. Und da sah ich mein Lieb unterm Lindenbaum stehn, war 
so klar wie der Himmel, wie die Erde so schön, und wir küßten 
uns beid' und wir sangen vor Lust, und da hab' ich gewußt, 

wohin mit der Freud'. 1850. Robert Reinick, 1805-1852. 



TL 



JUGEND UND LIEBE 



TU 



# 



1817. K. A. Groos, 1789—1861. 



3E 



dt 



- ( Ach Gott, wie weh tut Schei-den! Hat 
\ so trab' ich ü-ber die Hei - den und 



# 



mir mein Herz ver - wund't; \ 
traur' zu al - 1er Stund'. / 



Der Stun - den 



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m 



der sind all - zu - viel, mein Herz trägt heim - lieh 



fe 



ÜB 



1 U 



Lei - den, wie -wohl ich oft frön - lieh bin. 

2. HaU* mir ein Gärtlein bauet von Veil und grünem Klee, 
ist mir zu früh erfroren, tut meinem Herzen weh; ist mir er- 
fror'n bei Sonnenschein ein Kraut Jelängerjelieber, ein Blüm- 
lein Vergißnichtmein. 

3. Das Blümlein, das ich meine, das ist von edler Art, ist aller 
Tugend reine; ihr Mündlein, das ist zart; ihr Äuglein, die sind 
hübsch und fein; wann ich an sie gedenke, so wollt' ich gern 
bei ihr sein! 

4. Sollt' ich mein's Buhl'n erwegen, als oft ein andrer tut, 
sollt' führ'n ein fröhlich's Leben, darzu ein leichten Mut? Das 
kann und mag doch nit gesein: Geseg'n dich Gott im Herzen! 
Es muß geschieden sein. 

Volkslied aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh., von G. Forster 1549 aufgezeichnet. 



Neuere Volksweise nach Fr. Kückens Komp. v. J. 1827. 1810—1882. 



L Ach, wie ist's mög-lich dann, daß ich dich 



* 1 JUGEND UND LIEBE | ~3 



, U Ii = *t 






-f-C C 1 


las-sen kann! Hat 


dich von 


Her-zen lieb, 


| ! ^ 1 

das glau-be 











mir. Du hast die See - le mein so ganz ge-nommen ein, 





— * — I 








daß ich kein 


and - r 


e lieb' 


als dich al - 


1 


ein. 



2. Blau blüht ein Blümelein, das heißt Vergißnichtmein; dies 
Blümlein leg* ans Herz und denke mein! Stirbt Blum' und Hoff- 
nung gleich, wir sind an Liebe reich; denn die stirbt nie bei 
mir, das glaube mir! 

3. War' ich ein Vögelein, wollt' ich bald bei dir sein, scheut' 
Falk und Habicht nicht, flog' schnell zu dir. Schoß mich ein 
Jäger tot, fiel ich in deinen Schoß; sähst du mich traurig an, 
gern stürb' ich dann. 

1824. Helmine von Chezy, 1783—1856, nach einem Volksliede von 1750. 



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Volksweise 1848. 



t A - de zur gu - ten Nacht, jetzt wird der 
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Schluß ge - macht, daß ich muß schei - den. 



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A7 e>~ 



Im Som-mer wächst der Klee, im Win - ter 







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A 7 


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schneit's den Schnee, da komm' ich wie - der 



2. Es trauern Berg und Tal, wo ich viel tausendmal bin 
drüber gangen; das hat deine Schönheit gemacht, hat mich 
zum Lieben gebracht mit großem Verlangen. 

3. Das Brünnlein rinnt und rauscht wohl unterm Holder- 
strauch, wo wir gesessen. Wie manchen Glockenschlag da 
Herz bei Herzen lag, das hat vergessen. \i\ 

4. Die Mädchen in der Welt sind falscher als das Geld mit 
ihrem Lieben. Ade, zur guten Nacht, jetzt wird der Schluß 
gemacht, daß ich muß scheiden. Volkslied aus Sachsen. 




1825. Friedrich Silcher, 1789—1860. 



I 



/ Änn-chen von Tha-rau ist, die mir ge - fällt, 
*• \ Änn-chen von Tha-rau hat wie - der ihr Herz 



sie ist mein Le - ben, mein Gut und mein Geld, 
auf mich ge - rieh - tet in Lieb' und in Schmerz. 




1—3. Ann - chen von Tha - rau, mein Reich - tum, mein 




Gut! Dumei-ne See- le, mein Fleisch und mein Blut! 



2. Käm* alles Wetter gleich auf uns zu schiahn, wir sind 
gesinnt, beieinander zu stahn. Krankheit, Verfolgung, Betrübnis 
und Pein soll unsrer Liebe Verknotigung sein. 



JUGEND UND LIEBE 



3. Recht als ein Palmenbaum über sich steigt, hat ihn erst 
Regen und Sturmwind gebeugt: so wird die Lieb' in uns mächtig 
und groß nach manchem Leiden und traurigem Los. 

4. Würdest du gleich einmal von mir getrennt, lebtest da, wo 
man die Sonne kaum kennt: Ich will dir folgen durch Wälder, 
durch Meer, Eisen und Kerker und feindliches Heer. Ännchen 
von Tharau, mein Licht, meine SonnM Mein Leben schließt sich 

um deines herum. 1637. Simon Dach, 1605—1659. 

1778 von Herder, 1744—1803, 
aus dem samländischen Dialekt ins Hochdeutsche übertragen. 





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1 — h*! 


4« 


Weise von der 


Bergstraße, 
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L Aus, aus, aus ist's mit mir, und mein Haus, Haus, 



Haus hat kein' Tür, und mein' Tür, Tür, Tür hat kein 



Schloß, und mein Schatz bin ich los, und mein 



A 

An eis D A7 D 

Tür hat kein Schloß, und mein Schatz bin ich los. 

2. Aus, aus, aus ist's mit dir in dem ganzen, ganzen Revier. 
Wenn die Elbe, Elbe austrocknet, dann heiraten wir. 

3. Die, die trocknet nicht aus und bleibt allweil, alleweil naß, 
und ich muß, muß, muß mich umschaun nach ein'm anderen 
Schatz. 

1845. Berth. Auerbach, 1812—1882, nach dem „Wunderhorn" 1808. 



JUGEND UND LIEBE 



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Schnadahüpferl vor 1830. 
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J* r. p I C J ^ 



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1. Bald gras' ich am Nek - kar, bald gras* ich am 
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Rhein, bald hab* ich ein Schät-zel, bald bin ich al - lein. 

2. Was hilft mir das Grasen, wann die Sichel nicht schneid't, 
was hilft mir ein Schatzel, wenn's bei mir nicht bleibt? 

3. Und soll ich denn grasen am Neckar, am Rhein, so werf 
ich mein goldiges Ringlein hinein. 

4. Es fließet im Neckar und fließet im Rhein, soll schwimmen 
hinunter ins tiefe Meer 'nein. 

5. Und schwimmt es, das Ringlein, so frißt es ein Fisch, 
das Fischlein soll kommen aufs Königs sein Tisch. 

6. Der König tat fragen, wem 's Ringlein soll sein? Da tat 
mein Schatz sagen: das Ringlein g'hört mein. 

7. Mein Schätzlein tat springen bergauf und bergein, tat mir 
wied'rum bringen das Goldringlein fein. 

8. Kannst grasen am Neckar, kannst grasen am Rhein, wirf 
du mir nur immer dein Ringlein hinein! 

1808. Aus „Des Knaben Wunderhorn". 



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Fabricius* Liederbuch 1603. 



1. Bis du des Goldschmieds Töchter- lein, bin ich des 




Bau- ren Sohn, ja Sohn, so zeug dein be -ste Klei-der an, 



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und sprich, du wilt zum Tan-ze gahn, und zeuch mit 



JUGEND UND LIEBE 

































1 — ; 


i» — 




• 




























mir da - von, und zeuch mit mir da - von! 



2. Über ein 1 breite Wiesen, über ein* schmalen Steg", und hast 
du mich von Herzen lieb, dein treues Herz mir Glauben gibt, 
und zieh auch mit mir weg. 

3. Darum du zart's Jungfräulein, zieh du mit mir davon! „Ich 
will zuvor mein Mutter frag'n, rät sie mir das, so will ich's wag'n, 
und ziehn mit dir davon." Altes Volkslied. 



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1802. 


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Fr. Zelter, 1758-183 
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2. 










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1. Da dro - ben auf je - nem Ber - ge, da 



steh' ich tau -send- mal an mei-nem Sta-be ge- 
bo - gen und schau - e hin - ab in das Tal. 



2. Dann folg' ich der weidenden Herde, mein Hündchen be- 
wahret mir sie; ich bin heruntergekommen, und weiß doch selber 
nicht wie. 

3. Da stehet von schönen Blumen die ganze Wiese so voll: 
ich breche sie, ohne zu wissen, wem ich sie geben soll. 

4. Und Regen, Sturm und Gewitter verpaß' ich unter dem 
Baum. Die Türe dort bleibet verschlossen, doch alles ist leider 
ein Traum! 

5. Es stehet ein Regenbogen wohl über jenem Haus! Sie aber 
ist weggezogen und weit in das Land hinaus. 

6. Hinaus in das Land und weiter, vielleicht gar über die See! 
Vorüber, ihr Schafe, vorüber! dem Schäfer ist gar so weh! 

1801. Goethe, 1749—1832. 



8 | JUGEND UND LIEBE [ * 



10 


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Volksweise 

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bei Wilh. Ehlers, 1804. 

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1. Da 


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m wohl al - le Früh- 




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mor - gen drei schö-ne Jung-frau - en her - aus. 



2. Da unten in jenem Tale, da treibt das Wasser ein Rad, das 
treibet nichts als Liebe vom Abend bis wieder an Tag. Das Rad, 
das ist gebrochen, die Liebe, die hat ein End', und wenn zwei 
Liebende scheiden, sie reichen einander die Händ\ 

3. Und soll ich einstmals scheiden, wo begräbt man mich dann 
hin? In meines Feinsliebchens Garten, wo rote Röslein blühn. 
Und sind es keine Röslein, so ist's Muskatenkraut, du hast mir 
die Treu* versprochen, so bist du meine Braut. 

4. Ach Scheiden, ach bitteres Scheiden, wer hat doch das 
Scheiden erdacht? Das hat mein jungfrisch Herzelein so früh- 
zeitig traurig gemacht. Dies Liedlein hat hier ein Ende, es hat's 
wohl ein Müller erdacht, den hat des Ritters Töchterlein vom 
Lieben zum Scheiden gebracht. Volkslied aus dem 18. Jahrh. 

U Volksweise, zuerst bei Silcher. 





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1. Das Lie-ben bringt groß' Freud', es wissen's al - le 



G Dt 

y °^ J l r r r rt\b r r r'& 

Leut', weiß mir ein schö-nes Schät - ze - le, mit 



JUGEND UND LIEBE 



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zwei schwarz - brau - nen 



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ge - le, die 



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mir, 


die 


mir, 


s=^* — 1 

die 


mir 


mein Herz er - 


freut. 



2. Ein Brief le schrieb sie mir, ich soll treu bleiben ihr; drauf 
schick* ich ihr ein Sträugele, schön Rosmarin und Nägele, sie 
soll, sie soll, sie soll mein eige sein! 

3. Mein eige soll sie sein, kein andre mehr als mein! So leben 
wir in Freud* und Leid, bis uns Gott der Herr auseinanderscheid't. 
Ade, ade, ade mein Schatz, ade! Schwäbisches Volkslied. 



12 Sehr langsam. 



Franz Schubert, 1797—1828. 



1. Das Meer er - glänz - te weit hin - aus im 

2. Ich sah sie fal - len auf dei - ne Hand und 



1. letz - ten A - bend - schei - ne, wir sa - gen am 

2. bin aufs Knie ge - sun - ken, ich hab' von 



L ein - sa - men Fi - scher-haus, wir sa-gen stumm und al- 
2. dei - ner wei - gen Hand die Trä-nen fort - ge- 



f. lei - ne. 
2. trun- ken. 



Der Ne - bei stieg, 
Seit je - ner Stun - de 



10 



JUGEND UND LIEBE 



TZ 




1. das Was - ser schwoll, die Mo - ve flog hin und 

2. ver- zehrt sich mein Leib, die See - le stirbt vor 



1. wie - der, 

2. Seh - nen, 



aus dei-nen Au - gen lie - be- 



h voll fie - len die Trä-nen nie - der. 





— 1 v_ 








— d* — J 







2. mich hat das un-glück-sel'-ge Weib ver- 

















2. gif - tet mi 


t ih - ren 


Trä 






nen. 



13 



Volksweise, vielleicht von Zuccalmaglio, 1803—1869. 



y^ic- C r'lC * 



F. Dort in den Weiden steht ein Haus, steht ein Haus, 

— « 



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steht ein Haus; da schaut die Maid zum Fenster 'naus, zum 



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JUGEND UND LIEBE 



11 



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en - ster 


'naus. 


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Luf, sie 


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schaut stromab: „Ist noch nicht da mein Herzensknab', der 







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— • — i • — 

schönste Bursch am 




an-zen Rhein, den 


^ ■ 

nenn' ic 


- 

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mein!" 



2. Des Morgens fährt er auf dem Flug und singt herüber 
seinen Grug; des Abends, wenn 's Glühwürmchen fliegt, sein 
Nachen an das Ufer wiegt, da kann ich mit dem Burschen mein 
beisammen sein! 

3. Die Nachtigall im Fliederstrauch, was sie da singt, versteh' 
ich auch; sie saget: übers Jahr ist Fest, hab' ich, mein Lieber, 
auch ein Nest, wo ich dann mit dem Burschen mein die Frohst' 



am Rhein! 



Zuccalmaglio, nach einem Volkslied. 



Bei Forster 1540. 



1. Drei Laub 


auf ei - ner 


Lin - den 










-3. ^ • 




m— 






p m 



i 



blü - hen al 



so 



wohl, 



so wohl; 



tat viel tai 


u-send ! 


3prün-ge, 


ihr Herz^ 


va 


rfreuden- 






— f- 




E 





voll, . 



ich gönn's dem Maid - lein wohl. 



12 



JUGEND UND LIEBE 



2. Das Maidlein, das ich meine, das ist hübsch und fein, so 
fein; wenn ich es nur anblicke, sich freut das Herze mein; des 
eigen will ich sein! 

3. Sie hat ein rotes Mündlein und zwei Äuglein klar, so klar, 
auch lilienweiße Hände, dazu goldfarbig' Haar, das zieret sie 
fürwahr! Frühlingsreigen, 1540 von Georg Forster aufgezeichnet. 



16 



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[.Volksweise „Es blies ein Jäger*. 
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brach sie ab. Ju - vi - hei- ras - sa - sa - sa - sa - sa - sa- 











sa, ju - vi - 


va - le - ra - le - ra - le 


5 - ra - le - 


ra! Da 



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kam ein stol - zer Rei - ter und brach sie ab. 

2. Ach Reitersmann, ach Reitersmann, laß doch die Lilien 
Stenn, die soll ja mein Feinsliebchen noch einmal sehn. 

3. Was schert mich denn dein Liebchen, was schert mich denn 
dein Grab; ich bin ein stolzer Reiter und brech' sie ab. 



JUGEND UND LIEBE 



13 



4. Und sterbe ich noch heute, so bin ich morgen tot; dann 
begraben mich die Leute ums Morgenrot. 

5. Ums Morgenrot, ums Morgenrot, will ich begraben sein, da 
schläft ja mein Feinsliebchen so ganz allein. 

Aus alten Fragmenten etwa 1830 entstanden. 



16 


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Aus dem SchwarzwalJ. 

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1. Durchs Wie-se - tal 


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t nä, brechlau-ter Ba- 



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ten-ke dort ä. Ba - ten - ke muß i breche, schön's 
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Strauß- le drauß ma-che, aus lau-ter Ba - ten-ke und 
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Klee; i han ja koin Schät - ze - le mehl 

2. Und wenn i koin Schätzele meh hab, warum liegt's denn 
net in seinem Grab? — Tat zum G/ab ja mit Klagen schön's 
Sträußele tragen aus lauter Batenke und Klee; i han ja koin 
Schätzele meh. 

3. Ach, 's lebt ja und ist mir net treu, und i weiß, jetzt ist 
alles vorbei. Und die Rosen und die Nelken müssen traurig 
verwelken, verwelken Batenke und Klee; i han ja koin Schätzele 

men - Str. 1 Volkslied. 

Str. 2 und 3 von Seminarist Fischer für Silcher gedichtet. 



14 



JUGEND UND LIEBE 



17 



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Volksweise vor 1820. 

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- f Ein Schä-fer - mäd- chen wei-de-te, zwei Läm-mer 
*\ auf ei-ner Flur von fet-tem Klee, wo Gän - se- 



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blZ-chenSSJ:} Dah ör-te sie wohl in dem Hain den 
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f=ir J 1 ^ f l fj t r 1 i l < s 



Vo - gel Kuk-kuck lu - stig schrein: Kuk- kuck! Kuk- 
mf Di p ntf G p P p 



t-t-t \ r I r 



kuck! Kuk-kuck! Kuk-kuck! Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck! 

2. Sie setzte sich ins hohe Gras und sprach gedankenvoll: 
„Ich will doch einmal sehn zum Spaß, wie lang ich leben soll!" 
Wohl bis an hundert zählte sie, indes der Kuckuck immer schrie: 
Kuckuck! 

3. Da ward das Schäfermädchen toll, sprang auf aus grünem 
Gras, nahm ihren Stab und lief voll Groll hin, wo der Kuckuck 
saß. Der Kuckuck merkt's und zog zum Glück sich schreiend 
in den Wald zurück: Kuckuck! 

4. Sie lief weit in den Wald hinein, da ward sie müd' und 
sprach: „Ja, meinetwegen magst du schrein, ich lauf nicht länger 
nach!" Sie will zurück, da springt hervor ihr Schäfer und ruft 
ihr ins Ohr: Kuckuck! Anfang des 19. Jahrhunderts. 



18 



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Erk, 1807—1883. Nach der Mel. „Es fuhr ein Fuhrknecht". 

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Öl 



1. Es fiel ein Reif in der Früh - lings- nacht, 



JUGEND UND LIEBE 



15 



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er fiel auf die zar - ten Blau - blü - me- 

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lein: sie sind ver - wel - ket, ver - dor - ret. 

2. Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb, sie flohen gar heim- 
lich von Hause fort, es wufrten's nicht Vater noch Mutter. 

3. Sie sind gewandert hin und her, sie haben gehabt weder 
Glück noch Stern, sie sind verdorben, gestorben. 

Volkslied 1825, vielleicht von W. v. Zuccalmaglio, 1803—1869. 



19 Volkstümliche Weise von Luise Reichardt, 1815. 1778—1826. 



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um das Haus, das Maid - lein war be- 



hen - de, es 


lugt 


zum La - dei 


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aus. 



2. Der eine war ein Reiter, der andre ein Edelmann, der dritte 
ein stolzer Schreiber, denselben wollt' es han. 

3. Er tut dem Maidlein kaufen von Seiden ein Haarschnur; 
er gab's demselben Maidlein: „Bind du dein Haar mit zu!" 

4. Ich will mein Haar nit binden, ich will es hangen lan, ich 
will wohl diesen Sommer lang fröhlich zum Tanze gan. 

Altes Volkslied. 



JUGEND UND LIEBE 



20 Voiksweise, zuerst in den „Grafjliedlin", Frankfurt a. M. 1535. 

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1. Es ist ein Schnee ge - fal - len, und es ist 



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och nit 

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Zeit; man 


wirft mich mit den 




2. 



Bai - len, der Weg" ist mir ver - schneit, schneit. 



2. Mein Haus hat keinen Giebel, es ist mir worden alt, zer- 
brochen sind die Riegel, mein Stüblein ist mir kalt. 

3. Ach Lieb, laß dich's erbarmen, dag ich so elend bin, und 
schleuß mich in dein* Arme! So fährt der Winter hin. 

Volkslied, zuerst in einer Münchener Handschrift von 1467. 



21 



Volksweise aus dem Anf. des 18. Jahrh., 1774 aufgezeichnet. 

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Es rit - ten dreiRei-ter zum To-re hin- aus, a- 
Feins- lieb- chen, das schau-te zum Fen-ster hin- aus, a- 

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de 
de 



j j Und wenn es denn soll ge-schie-den sein, so 



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reich mir dein gol - de-nes Rin - ge-lein! A - de, a 



JUGEND UND LIEBE 



17 



aii D7 . G D G Ü7 g 



de, a-de! Ja, Schei-den und Mei - den tut weh. 

2. Und der uns scheidet, das ist der Tod, ade! Er scheidet 
so manches Mündlein rot, ade! Er scheidet so manchen Mann 
vom Weib, die konnten sich machen viel Zeitvertreib. Ade . . . 

3. Er scheidet das Kindlein wohl in der Wiegen, ade! Wann 
werd' ich mein schwarzbrauns Mädel doch krieg'n? ade! Und 
ist es nicht morgen , ach, war' es doch heut, es macht uns 
allbeiden gar große Freud'! Ade . . . 

Altes Volkslied, 2. Strophe schon in Volksliedern des 16. Jahrh., 
vollständig zuerst in Friedr. Nicolais „Feynem kleynen Almanach" 1777 aufgezeichnet. 



22 



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Um 1800. Aus Thüringen. 



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Es soll sich der Mensch nicht mit der 
denn die Lieb' hat ver - gif - tet schon 



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»»eil«».!«; KS } 68 tal ■"i'm.inTrm-sch.ldi. 



Treu' ab - ge - sagt, das sei euch ge - klagt. 

2. Ich hatt' nu mei Trutschel ins Herz nei geschlosse, sie 
hat mir geschwore, sie wöll mich net losse, da reit mir der 
Teufel dem Schulzen sei Hans, der führt sie zum Tanz. 

3. So geht's, wenn die Mädcher zum Tanzboden gehn, da 
muß man bald immer in Sorgen bei stehn, daß sie sich ver- 
liebe in andere Knecht, so Mädcher sin schlecht. 

4. Es schmeckt mer kei Esse, es schmeckt mer kei Trinke, 
unn wenn ich soll arbeit', so möcht' ich versinke; kurz, wenn ich 
mei Trutschel net bald wiederseh', so muß ich vergeh'. 



in 



JUGEND UND LIEBE 



5. Unn wenn ich gestorbe, ich laß mich begrabe unn laß 
mer vom Schreiner sechs Brettche abschabe unn laß mer zwei 
feurige Herzer druff male, ich kann's ja bezahle. 

6. Unn laß mer anstimme die Sterbegesänge: Da leit nu der 
Esel die Quer unn die Länge, der allzeit gesteckt hat in Liebes- 
affär'n, ZU Dreck muß er wer'n. Volkslied aus dem 18. Jahrh. 



23 



1781. Nach einer Mel. von J. Fr. Reichardt, 1752—1814. 
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Ii Es steht ein Baum im O 
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den - wald, der 



hat viel grü - ne Äst\ da bin ich schon viel- 
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tau -send -mal .bei mei-nem Schatz ge - west. 

2. Da sitzt ein kleiner Vogel drauf, der pfeift gar wunderschön, 
ich und mein Feinslieb horchen auf, wenn wir mit'nander gehn. 

3. Der Vogel sitzt in seiner Ruh', wohl auf dem höchsten 
Zweig, und schauen wir dem Vogel zu, so pfeift er allsogleich. 

4. Der Vogel sitzt in seinem Nest, wohl auf dem grünen Baum, 
ach Schatz, bin ich bei dir gewest, oder ist es nur ein Traum? 

5. Und als ich wieder kam zu ihr, verdorret war der Baum, 
ein andrer Liebster stand bei ihr, jawohl es war ein Traum! 

6. Der Baum, der steht im Odenwald, und ich bin in der 
Schweiz; da liegt der Schnee so kalt, so kalt, das Herz es mir 

zerreißt! Aus „Des Knaben Wunderhorn" 1808. 



24 



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Neuere Volksweise. 



1. Es war ein Kna - be ge - zo - gen wohl 



JUGEND UND LIEBE 



19 



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in die Welt hin- aus. Und ob ihm die Maid noch ge- 
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wo - gen, das Glück, das Glück war aus. Und er 
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wan-der-te weit zur Som-mers- zeit, wenn am Wal-de die 
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Ro - sen blühn, wenn am Wal-de die Ro-sen blühn. 

2. Das Mägdlein barg seine Klagen im stillen Kämmerlein, 
und durfte sie's keinem sagen, sie wartet jahraus, jahrein, sah 
über die Heid* in Sommerszeit. . . . 

3. Ein Reiter kam geflogen, seine Locken wehten im Wind: 
„Und bist du mir noch gewogen, herzallerliebstes Kind, vergiß 
das Leid in Sommerszeit." . . . 

4. Er hielt sie in seinen Armen, ihr Herz in Wonne schlug; 
und hatte die Welt kein Erbarmen, die Liebe war stark genug; 
und sie küßten sich beid' in Sommerszeit. . . . Altes Volkslied. 



25 



Volksweise aus Oberhessen. 



1. Es wel-ken al - le Blät - ter, es fal-len al-le 




ab; denn mein Schatz hat mich ver - las - sen, denn mein 



20 



JUGEND UND LIEBE 



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Schatz hat mich ver 



krän-ket mich so sehr. 



2. Ins Kloster wollt' sie ziehen, wollt 1 werden eine Nonn'. Ei, 
so wi 1 ich die Welt durchreisen, bis dag ich zu ihr komm». 

ö. Im Kloster angekommen, ganz leise klopft' ich an: „Gebt 
heraus die jüngste Nonne, die zuletzt ins Kloster kam!" 

4. „Ist keine angekommen, wir geben keine heraus; denn wer 
drin ist, der muß drin bleiben im schönen Gotteshaus." 
iu o rt stand sie in de r Ecken, schneeweiß war sie gekleid't. 
Ihr Haar war abgeschnitten, zur Nonn' war sie bereit. 

6. Was trug sie unter der Schürze? Zwei volle Flaschen Wein: 
„üebt sie hin mei'm Allerliebsten, dies soll der Abschied sein!" 

Nach einer alten Ballade. Ursprung vielleicht 16. Jahrh. 



A. W. F. Zuccalmaglio 1803—1869. Nach einer Volksweise? 
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1. Feins-lieb-chen, du sollst mir nicht bar-fuß gehn, du zer- 
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trittst dir die zar - ten Füg -lein schön, tra- la - la - la, 
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tra - la - la - la! Du zer-trittst dir die zar-ten Füg-lein schön. 

2. Wie sollte ich denn nicht barfuß gehn, hab' keine Schuh' 
ja anzuziehn. 

3. Feinsliebchen, willst du mein eigen sein, so kaufe ich dir 
ein Paar Schühlein fein. 

4. Wie könnte ich euer eigen sein, ich bin ein armes Mägdelein. 

5. Und bist du auch arm, so nehm' ich dich doch, du hast ia 
Ehr' und Treue noch. 



JUGEND UND LIEBE 



21 



6. Die Ehr' und Treue mir keiner nahm; ich bin, wie ich von 
der Mutter kam. 

7. Was zog- er aus seiner Taschen fein? Von lauterem Gold 
ein Ringelein. Volkslied. 



27 



Niels Sörnsen, geb. 1884.*) 
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1. Frau Min-ne ritt durch die wei - te 
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Welt, ließ mun-ter ihr Roß- lein sprin-gen; sie 

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itt hin - ein in den grü - ner 



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grü - nen Wald, da be- 
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gan-nen die Vög-lein zu sin - gen, da be- 



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gan - nen die Vög - lein zu sin - gen. 



t *) Mit freundlicher Genehmigung des Komponisten den „Alten und neuen 
Liedern zur Laute - , Verlag Hofmeister, entnommen. 



Volkslieder 



2 



22 | JUGEND UND LIEBE | ~ 

2. Sie ritt hinaus auf das weite Feld, da begannen die Ähren 
zu rauschen. Sie ritt entlang- an dem murmelnden Bach, da be- 
gannen die Fischlein zu lauschen. 

3. Sie ritt hinein in die ragende Stadt, da begannen die Men- 
schen zu singen. Sie ritt vorbei an dem ragenden Dom, da be- 
gannen die Glocken zu klingen. 

5. Und so reitet sie fort durch die weite Welt und verklärt 
sie mit wonnigem Schimmer. Und wer sie gesehen auf eilendem 
Roß, der vergißt die Reiterin nimmer. 

Fritz Endres in den „Fliegenden Blättern". 



28 



Volksweise aus Oberhessen. 



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Hab' 
und 



du 



- liebt dich 
drückst mir 



oh - 

stumm 



ne 
die 



En - 
Hän 



de, 
de, 



2. 



hab' dir nichts zu - leid ge - tan, ^ ~ 
und du fängst zu wei - nen an. / 



h — h- 



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wei-ne nicht und geh' nicht fort, an mei-nem Her-zen 



ist der schön- ste 



Ort. schön -ste 



Ort 



2. Wie die Blümlein draußen zittern, wenn die Abendlüfte wehn, 
— und du willst mir 's Herz verbittern, und du willst schon wieder 
gehn! O bleib' bei mir und geh' nicht fort, usw. 

3. Und da draußen in der Ferne sind die Menschen nicht so 
gut, und ich gäb' für dich so gerne ja mein Leben und mein 
Blut. O bleib' bei mir usw. Verf. unbekannt. 



JUGEND UND LIEBE 



23 



29 


Matrosengesang. 
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1. Horch, was kommt von drau- gen 'rein? Hol - la - hi, 





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hol - la - ho! Ist es nicht mein Schät - ze - lein? 
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Hol - la - hi - a 

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ho! 's geht vor - bei und 
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schaut nicht 'rein. Hol - la - hi, hol - la - ho! Wird's wohl 



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nicht ge - we - sen sein. Hol - la - hi - a - ho! 

2. Leuf, die haben mir erzählt, was ich für ein Schatz erwählt. 
Denk 1 ich mir in meinem Sinn: mag" es gut sein oder schlimm! 

3. Wenn mein Schätzet Hochzeit macht, ist's für mich ein 
Trauertag, geh* dann in mein Kämmerlein, trag' den Schmerz für 
mich allein. 

4. Wenn ich mal gestorben bin, führt man mich zum Friedhof 
hin, setzt mir dort ein'n Leichenstein, Rosen und Vergignichtmein! 

Badisches Volkslied, 19. Jahrh. 



30 

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Volksweise aus Brandenburg, 1855. 



L Ich ging wohl bei der Nacht, ich ging wohl 



JUGEND UND LIEBE 



bei der Nacht, ha! ha! ich ging wohl bei der 




Nacht. Die Nacht, die war so fin - ster, 
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Kät - chen, mein Mäd - chen, Ma - rie - chen, Do-ro- 




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thee - chen, daß man kein Stern - lein sah. 



2. Ich kam vor Liebchens Tür, die Tür, die war verschlossen, 
der Riegel war dafür. 

3. Schöns Lieb', nun laß mich ein, ich bin solang' gestanden, 
erfroren könnt* ich sein! 

4. Es waren der Schwestern wohl drei; die allerjüngste drunter, 
die ließ den Knaben ein. 

5. Sie führt ihn oben ins Haus — er dacht* sie sollt* ihn küssen 
— und warf ihn zum Laden hinaus. 

6. Er fiel wohl auf ein*n Stein; er brach zwei Rippen im Leibe, 
dazu das linke Bein. 

7. Der Fall, der tat ihm weh: „Ade, mein schönes Schätzchen, 



dich seh* ich nimmermeh*! 44 



Fliegendes Blatt, Mitte des 16. Jahrh. 




1. Ich hab' die Nacht ge - trau - met wohl 



JUGEND UND LIEBE 



25 



ei - nen schwe-ren Traum. Es wuchs in ei - nem 



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Gar - ten ein Ros - ma - ri - en - bäum. 

2. Der Kirchhof war der Garten, das Blumenbeet ein Grab. 
Und von derti grünen Baume fiel Krön* und Blüten ab. 

3. Die Blüten tat ich sammeln in einen goldnen Krug, der 
fiel mir aus den Händen, daß er in Stücken schlug. 

4. Drauß' sah ich Perlen rinnen, und Tröpflein waren rot. 
Was mag der Traum bedeuten? — Herzliebster, bist du tot? — 

1820 bei Zarnack. 



32 


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Volksweise, 18. Jahrh. 
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1. Ich ha - be 


mein Feins - lieb-chen, ich 




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ha - be mein Feir 


is - Heb - chen so 


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nicht ge - sehn, so lan - ge nicht ge - sehn. 



2. Ich sah sie gestern abend, ich sah sie gestern abend wohl 
in der Haustür stehn. 

3. Sie sagt, ich sollt' sie küssen, die Mutter sollt' s nicht wissen ; 
die Mutter ward's gewahr, daß jemand bei ihr war. 

4. „Ach Tochter, willst du freien? Es wird dich schon ge- 
reuen; gereuen wird es dich. 



26 



JUGEND UND LIEBE 



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5. Wenn andre junge Mädchen mit ihren grünen Kränzchen 
wohl auf den Tanzboden gehn. 

6. So mußt du junges Weibchen mit deinem zarten Leibchen 
wohl bei der Wiege stehn. 

7. Mußt singen: „Ru-Ru-Rinnchen, schlaf du, mein liebes Kind- 
chen, schlaf du in guter Ruh* und tu dein Äuglein zu!" 

8. Ach, hält' das Feuer nicht so gebrannt, so wär 1 die Lieb* 
nicht angerannt; das Feuer brennt so sehr, die Liebe noch viel 
mehr. 

9. Das Feuer kann man löschen, die Liebe nicht vergessen, 

ja nun und nimmermehr. Volkslied, 1807 bei Büsching u. v. d. Hagen. 
33 Volksweise. 



1. Ich hört' ein Sich - lein rau - sehen, wohl 



rau - sehen durch das Korn, 



ich hört' ein 



3 



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fein Magd kla - gen, sie hätt' ihr Lieb' ver-lor'n. 

2. „Laß rauschen, Lieb', laß rauschen, ich acht' nicht, wie es geh' ; 
ich hab' mir ein'n Buhlen erworben in Veilchen und grünem Klee." 

3. „Hast du ein'n Buhlen erworben in Veilchen und grünem Klee, 
so steh* ich hier alleine, tut meinem Herzen weh." 

Volkslied um 1530. 



34 1820. Fr. Schubert, 1797—1828. 

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1. Ich schnitt' es gern in al 



le Rin - den ein, ich 
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grüb' es gern 



in 



je - den Kie - sei - stein, ich 



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JUGEND UND LIEBE 



27 



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möcht' es sä'n auf je - des 



sehe Beet mit 



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Kres - sen - sa - men, der 



es schnell ver - rät, 



auf 



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je - den wei-ßen Zet - tel möcht' ich's schrei-ben: 

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1—4. Dein 



ist mein Herz, dein 

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ist mein Herz und soll es 



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e - wig, e - wig blei - - - - ben. 

2. Ich möcht' mir ziehen einen jungen Star, bis daß er sprach* 
die Worte rein und klar, bis er sie sprach* mit meines Mundes 
Klang, mit meines Herzens vollem heißen Drang, dann sang' er 
hell durch ihre Fensterscheiben: Dein ist mein Herz usw. 

3. Den Morgenwinden möcht' ich's hauchen ein, ich möcht' 
es säuseln durch den regen Hain; o leuchtet es aus jedem Blumen- 
stern! trüg' es der Duft zu ihr von nah und fern! Ihr Wogen, 
könnt ihr nichts als Räder treiben? Dein ist mein Herz usw. 

4. Ich meint', es müßt' in meinen Augen stehn, auf meinen 
Wangen müßt' man's brennen sehn, zu lesen wär's auf meinem 
stummen Mund, ein jeder Atemzug gab's laut ihr kund. Und sie 
merkt nichts von all dem bangen Treiben. Dein ist mein Herz usw. 

Wilh. Müller, 1794—1827. 



35 



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1838. 



Friedrich Silcher, 

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1789—1860. 
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Vi Ich weiß nicht, was soll es be - deu - ten, daß 



28 



JUGEND UND LIEBE 



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ich so trau - rig bin; ein Mär - chen 
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aus 



al - ten Zei - ten, das kommt mir nicht aus dem 

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Sinn. Die Luft ist kühl und es dun - kelt, und 
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ru - hig fließt der Rhein; der Gip - fei 
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des 



Ber-ges fun - kelt im A-bend-son - nen - schein. 

2. Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar; ihr 
goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie 
kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; das 
hat eine wundersame, gewaltige Melodei. 

3. Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh. 
Er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh'. 
Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; 
und das hat mit ihrem Singen die Lorelei getan. 

1823. Heinrich Heine, 1799—1856. 



36 



Aus Hessen. 
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h Je hö - her der Kirch-turm, de - sto schö-ner 
wei - ter mein Schatz ist, de - sto grö - ger 



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JUGEND UND LIEBE 



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Freu - de. Ju - vi- 
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val - le - ra, ju - vi - val - le - ra! Schatz, schei-den tut 
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weh, ja weh, und die Lie - be, sie tut 

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schwan- ken wie das SchifMein auf der See. 

2. Daß es im Walde dunkel ist, das macht ja das Holz; dag mir 
mein Schatz untreu ist, das macht ja sein Stolz. Juvivallera usw. 

3. Je tiefer das Wasser, desto stiller tut es fliegen; daß mir mein 
Schatz untreu ist, das wird es noch verdrießen. Juvivallera usw. 

4. Zwei schneeweiße Tauben fliegen über mein Haus; der Schatz, 
wo mir bestimmt ist, der bleibt mir nicht aus. Juvivallera usw. 

Volkslied. 



Schwäbische Volksweise, 
zuerst in Silchers (1789—1860) Volksliedern 1. Heft, 1825. 



37 

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» 1 V 

ans Brün - ne - le, trink a - ber 



t. Jetzt gang 



net, jetzt gang i ans Brün - ne - le, trink a - ber 



30 



JUGEND UND LIEBE 



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net; do such i mein herz - tau - si - ge Schatz, 



fin-d'n a - ber net, do such i mein herz- 



ffi-p-B-^-fJp J J- J'i J 



tau - si - ge Schatz, fin - d'n a - ber net. 

2. Do laß i meine Äuglein um und um gehn, da sieh'n i mein 
herztausige Schatz bei me'n andre stehn. 

3. Und bei me'n andre stehe sehn, ach das tut weh! Jetzt 
b'hüt di Gott, herztausiger Schatz, di bsieh'n i nimme meh! 

4. Jetzt kauf i mir Dinte'n und Fed'r und Papier und schreib 
meim herztausige Schatz einen Abschiedsbrief. 

5. Jetzt leg 1 i mi nieder aufs Heu und aufs Stroh; do falle 
drei Röselein mir in den Schoß. 

6. Und diese drei Röselein sind roserot: jetzt weiß i net, lebt 
mein Schatz, oder ist er tot. 

Schwäbisches Volkslied aus dem 18. Jahrh., 
zuerst 1806 in „Des Knaben Wunderhorn" von Cl. Brentano, 1778—1842 
und A. v. Arnim, 1781—1859. 




1 / In - ren Schä-fer zu er - war - ten, tral - le - ra- 
* l schlich sich Phyl - Iis in den Gar - ten, tral - le - ra- 




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JUGEND UND LIEBE 



31 



§33 



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Myr - then-hain schlief das lo - se Mäd-chen ein. 
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Tral - le - ra - ri ti - ral - le - ral - la, ti- 



ral 



le - ra - Ii ti 



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le - ral - la! 



2. Ihre Mutter kam ganz leise, nach der alten Mütter Weise, 
nachgeschlichen, o wie fein! fand das Mädchen ganz allein. 

3. Ihrem Schlummer halb entrissen von den zarten Mutter- 
küssen, rief die Kleine: „O Damöt, warum kommst du heut so spät?" 

4. „Ei, so hast du mich belogen? Deine Unschuld ist betrogen! 
Ihm zur Schmach und dir zur Pein sperr' ich dich ins Kloster ein!" 

5. „Kloster ist nicht mein Verlangen. Du bist selbst nicht 'nein 
gegangen. Und wenn's allen so sollt* gehn, möcht* ich mal die 
Klöster sehn!" Volkslied um 1771. 



39 1814. Friedr. Glück, 1793-1840, 

zuerst inlSilchers (1789-1860) Volksliedern 1. Heft, 1825-1826. 



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t. In ei-nem küh-len Grun - de, da geht ein Müh-len- 



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rad; mein' Lieb - ste ist ver-schwun-den, die 



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dort ge - woh - net hat, mein* Lieb - ste ist ver- 



32 



JUGEND UND LIEBE 



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schwun - den, die dort ge - vvoh - net hat. 

2. Sie hat mir Treu' versprochen, gab mir ein'n Ring dabei; 
sie hat die Treu' gebrochen, das Ringlein sprang entzwei. 

3. Ich möcht' als Spielmann reisen weit in die Welt hinaus 
und singen meine Weisen und gehn von Haus zu Haus. 

4. Ich möcht' als Reiter fliegen wohl in die blut'ge Schlacht, 
um stille Feuer liegen im Feld bei dunkler Nacht. 

5. Hör* ich das Mühlrad gehen, ich weiß nicht, was ich will — 
ich möcht' am liebsten sterben, da war's auf einmal still. 

1809. J. v. Eichendorff, 1788-1857. 



40 



Text und Weise zuerst bei Büsching und von der Hagen, 



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1. Kein Feu-er, kei-neKoh-le kann bren-nen so 

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neig, als heim-li - che Lie - be, von der niemand nichts 



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weiß, 



von der nie-mand nichts weiß. 

2. Keine Rose, keine Nelke kann blühen so schön, als wenn 
zwei verliebte Seelen beieinander tun stehn. 

3. Setze du mir einen Spiegel ins Herze hinein, damit du kannst 
sehen, wie SO treu ich es mein'. Durch ganz Deutschland. 



41 



1841. Volksweise bei Ludwig Erk, 1807—1883. 
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1. Komm, Feins - lieb - chen, komm ans Fen - ster, 



* JUGEND UND LIEBE | 33 






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al - les still und stumm; nur Ver - lieb - te 



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und Ge-spen- ster wan-deln noch her - um. 



2. Dein getreuer Knabe harret; komm in seinen Arm! Seine 
Finger sind erstarret, doch sein Herz ist warm. 

3. Zwar die Sternlein sich verdunkeln, Luna leuchtet nicht; 
doch wo Liebchens Augen funkeln, da ist helles Licht 

4. Drum Feinsliebchen, komm ans Fenster, alles still und 
stumm; nur Verliebte und Gespenster wandeln noch herum. 

1792. Aug. v. Kotzebue, 1761-1819. 



42 1 


822. Tanzweise 

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in Wenzel Müllers „Aline 44 . 1767—1835. 
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1. Kommt a 


Vo-gel ge- 


flo-gen, setzt sich nied'r auf mein 
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Fuß, hat a Zet - terl im Schnabel und vom Dirndl an Gruß. 



2. Und a Büchsei zum Schießen und an Straußring zum Schlagen 
und a Dirndl zum Lieben muß a frischer Bua harn. 

3. Hast mi allwei vertröstet auf die Summerizeit, und der 
Summer ist komma und mei Schatzerl is weit! 

4. Daheim is mei Schatzerl, in der Fremd' bin i hier, und es 
fragt halt kei Katzerl, kei Hunderl nach mir. 

5. Lieb's Vögerl, flieg weiter, nimm an Gruß mit und an Kuß, 
und i kann di net b'gleiten, weil i hier bleiben muß. 

Niederösterreichisches Volkslied. 



34 



JUGEND UND LIEBE 



43 



Volksweise nach „Unter meines Vaters seinem Fenster 44 . 



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1. Mä-de-le, ruck ruck ruck an mei - ne grü-ne 



Sei - te, i hab di gar so gern, i kann di 



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lei - de. Mä-de - le, ruck ruck ruck an mei-ne grü-ne 



Sei - te, i hab di gar so gern, i kann di 



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lei - de. Bist so lieb und gut, schön wie 



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Milch und Blut; du mußt bei mir blei - be, mußt mir 



d' Zeit ver-trei - be. Mä-de - le, ruck ruck ruck 




mei - ne grü - ne Sei - te, i hab di 



* | JUGEND UND LIEBE 1 35 




2. Mädele, guck guck guck in meine schwarze Augen, du kannst 
dei lieblich's Bildle drinne schauge. Guck nur recht drei nei, du 
mußt drinne sei; du bist drinne z'haus, kommst au nimme raus! 
Mädele, guck usw. 

3. Mädele, du du du mußt mir den Trauring geben, denn sonst 
liegt mir ja nix mehr an meim Leben; wenn i di net krieg, gang 
i fort in Krieg; wenn i di net hab, ist mir d' Welt a Grab! Mädele, 
du du du usw. 

1836. Strophe 1 süddeutsches Volkslied; 
Strophe 2—3 von Seminarist Heinr. Wagner, 1783—1863, für Silcher. 



44 1854. Friedrich Silcher, 1789—1860. 

1. Maid - le, laß dir was ver - zäh - le, 
gib mer auf dei Herz-le acht! Ist es au gut ein-ge- 













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doch viel -leicht zu steh-le, und das weißt du sel-ber 









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36 



JUGEND UND LIEBE 



und gar viel ist dran ge - le - ge, wenn 







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ut. La la la la la 
l la la la la 


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2. Ganz was andres, liebes Schätzte, ist es aber, wenn mit 
Art dir e Freund des Herz verwahrt, dir e Freund des Herz ver- 
wahrt am e gute sich're Plätzle, do ist nex derbei riskiert. Drum 
so gib mer's aufzuhebe! Will jo gern mei ganzes Lebe sorge, 

daß em nex passiert. 1841. Franz v. Kobell, 1803-1882. 



1840. Steirische Volksweise. 



46 



1. Mei Dirn - del is harb uf mi, i weiß nit war- 



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um, und wenn's nit bald gut wird, so bring' i mi 



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um. Jetzt führt ma's ein and-rer am Sunndag zum Tanz, das 



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bricht mir mei Her - zerl, 's wird nim - ma - mehr ganz! Das 



JUGEND UND LIEBE 



37 



bricht mir mei Her - zerl, 's wird nim - ma - mehr ganz! 

2. I hab ihr's versprochen, hab's heiraten woll'n, i muß.mi 
no amol ans Fenster hinstell'n; will's no mal versuchen, will's 
no amal frag'n, will no mal mei Herzerl zum Fensterl hintrag'n. 

3. I hab schon woll'n klopfen und hab mi nit traut, jetzt hab 
i so trauri zum Fensterl nein g'schaut; denn wenn ma beim 
Dirndel ein' andern drin sieht, ma sollt's gar nit glauben, wie 
hart das ein' g'schieht! 

4. Jetzt hab i beim Dirndel ihr'm Fensterl woll'n lieg'n, der- 
weil is a andrer ins Fensterl gestieg'n. Das kann i dem Schlangel 
ums Leb'n nit verzeihn, i wer ihm schon helfen beim Fensterl 
einsteig'n! Steirisches Volkslied. 

Schwäbisch. 1830 bei Silcher. 



46 

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1. Mei Mut - ter mag mi net, und kein Schatz 



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han i net; ei war - um stirb i net, was tu i 
do? Ei war - um stirb i net, ei war- um 



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stirb i net, was tu i do? was tu i do? 

2. Wenn i zum Brünnle geh', seh andre Madie steh', all 
stehn bei ihrem Schatz; wer steht bei mir? 

3. Gestern ist Kirchwei g'we, mi hot mer g'wig nit g'seh, 
denn mir ist gar so weh, i tanz ja net. 

4. Wenn i nun g'storbe bin, tragt mi zum Kirchhof hin, legt 
mi ins Grab hinei: Wer weint um mi? 

5. Laßt die drei Röste stehn, die an dem Kreuze blühn! Hänt 
ihr das Mädle kennt, das drunter liegt? 1824. Süddeutsches Volkslied. 



38 | 



JUGEND UND LIEBE 



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Volksweise. 
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1. Mein Mä - del hat ei-nen Ro - sen-mund, und 



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wer ihn küßt, der wird ge - sund. 











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du, 



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du! O du schwarz-brau-nes 



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Mag - de - lein, 


du, 

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la - la - la - la - la, 


du, 


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, du 


lägt mir kei- ne 


Ruh*! 



2. Die Wangen sind wie Morgenrot', wie sie steht überm 
Winterschnee! O du! o du! o du! usw. 

3. Dein' Augen sind wie die Nacht so schwarz, wenn nur 
zwei Sternlein funkeln drin. 0 du! o du! o du! usw. 

4. Du Mädel bist wie der Himmel gut, wenn er über uns 
blau sich wölben tut. O du! o du! o du! usw. 

Zuccalmaglio, 1803—1869 nach einem Volksliede. 



48 

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Carl Maria v. Weber, 1786—1826. 



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1. Mein Schatz, der ist auf die Wanderschaft hin, ich 
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weiß a - ber nicht, was ich so trau - rig bin: Viel- 



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JUGEND UND LIEBE 



39 



leicht ist er tot und liegt in gu - ter Ruh', drum 

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bring* ich mei - ne Zeit so trau - rig zu. 

2. Als ich und mein Schatz in die Kirche woirn gehn, viel 
falsche, falsche Zungen unter der Türe stehn; die eine redet dies, 
die andre redet das, das macht mir gar oft meine Äuglein naß. 

3. Die Disteln und die Dornen, die stechen also sehr, die 
falschen, falschen Zungen aber noch viel mehr. Kein Feuer 
auf Erden, es brennet so heiß, als heimliche Liebe, die nie- 
mand weiß. 

4. Ach Gott, was hat mein Vater und Mutter getan, sie haben 
mich gegeben einem reichen Mann, einem fremden reichen Mann, 
und ich hab* dich geliebt, das macht mir ja mein Herz so zum 
Tod betrübt. 

5. Ach herzlieber Schatz, ich bitte dich noch eins: Du wollest 
auch bei meiner Begräbnis sein! Bei meiner Begräbnis bis in 
das kühle Grab, dieweil ich dich so treulich geliebet hab\ 

Fliegendes Blatt vor 1800. 



49 



in 



Schwäbische Volksweise bei Silcher, 1825. 
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1. Mein Schatz, der will wan-dern, ich frag* nichts dar- 
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nach, weiß mir ei - nen an - dem, der geht mir schon 

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nach; ich hab' ei - nen an - dem, der liegt mir im 



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JUGEND UND LIEBE 



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Sinn, drum, her - zi-ges Schätz-chen, fahr' im - mer da- 
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hin! Drum, her - zi - ges Schätz-chen, drum, 
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her - zi - ges Schätz-chen, fahr 1 im - mer da - hin! 

2. Fahr' immer dahin, ich achte dein nicht! ich hab' meinen 
Sinn auf ein' and'rn gerichf; ich hab' meinen Sinn auf ein' and're 
gewandt, 's wär' besser, ich hätte dich nimmer gekannt! 's wär' 
besser, 's war' besser, ich hätte dich nimmer und nimmer gekannt! 

3. Und wenn der Himmel papieren wär' und alle Sterne Schreiber 
wär'n und schrieben vom Morgen bis tief in die Nacht, sie hätten 
meine Lieb' nicht zu Ende gebracht! Sie hätten meine Lieb' nicht 
zu Ende gebracht, nicht zu Ende gebracht! Süddeutsches Volkslied. 



60 



Volksweise aus Fr. Silcher (1789—1860) Volksliedern, 5. Heft 1835. 











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1. Mein Schatzerl is hübsch, a-ber reich is es 









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nit! Was 


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Reich- tum? Da 





Geld küß' i nit! Schön bin i nit, reich bin i wohl, 



JUGEND UND LIEBE 



41 



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Geld hab' ia ganz Beu-tel voll; gehn mir nur drei 



Bat-zen ab, daß i grad' zwölf Kreut -zer hab 













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Mein Schatzerl is hübsch, a-ber reich is es nit! 

2. Mein Schatzerl is fromm, is so herzig, so gut, und gibt's 
mi a Busserl, so wächst mi der Mut. Drum gilt's mi mehr, als 
alles Gold, is mi mein Schatzerl hold; und wenn i stets bei ihm 
blieb', war's mi um eins so lieb. Mein Schatzerl is treu, wie hab' 
i es SO lieb! Schwäbisches Volkslied. 



61 



in 



Volksweise, zuerst in 0. Forsters (1512—1587) 
Auszug teutscher Liedlein III, 1549. 



! / Mir ist ein schön's braun Mai - de - lein ge- 
\ wollt' Gott, ich sollt' heint 



bei ihr sein, mein 



5 



ich kein Ruh', das schafft ihr schön Ge - stalt; weiß 



42 



JUGEND UND LIEBE 



nit, wie ich ihm für- baß tu', mein feins Lieb macht mich alt. 

2. Dem Maidlein ich gern dienen wollt', wenn ich's mit Fugen 
künnt; darum hab' ich der Neider viel, da's mir nit wird vergünnt. 
Ich hoff, sie soll's erfahren bald, wie ich's so treulich mein; auf 
Erd' ich mir nichts wünschen wollt', denn bei ihr sein allein. 

3. Dem Maidlein ich mein Treu' versprich, zun Ehr'n und anders 
nicht, als was da fromm und ehrlich ist, danach ich mich stets 
rieht'. Soll denn mein Treu' verloren sein, kränkt mir mein Sinn 
und Q'müt: Ich hoff, sie soll's erfahren schier, mein Sach' soll 
werden gut. 

4. Denn was die falschen Zungen tun, ist jetzund an dem Tag. 
Ach du, mein feines Maidelein, hör zu, was ich dir sag': Halt 
dich mir stets in Ehr'n allein, wie ich dich herzlich mein, so 
b'hältst du Gunst mit dieser Kunst, das glaub' mir, Maidlein rein! 

5. Damit will ich dem Maidelein gesungen haben frei zu guter 
Nacht ein Liedelein, all's Gut's wünsch' ich darbei; damit, dag 
sie gedenk' an mich, wenn ich nit bei ihr bin. So b'hüt dich 
Gott im Himmelreich: Ade, ich fahr' dahin! 

Volkslied aus dem 16. Jahrh., zuerst in den Wittenberger „Bicinia" 1545. 



52 



Volksweise um 1850. 



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1. Mir ist so dun - kel, mir ist so trü - be, die- 

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weil mein Schatz 'nen an - dem hat. Ich hab' ge- 
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glaubt, sie lie-bet mich, ich hab' ge-glaubt, sie lie-bet 



JUGEND UND LIEBE 



43 













mich; a 


-bers nein, a 


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nein, a-bers nein, a-bers 



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nein, nein, sie has - set mich, sie has - set mich. 
Schluß der 4. Strophe: 



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4. . . wor - an ich kei - ne Freu - de hab', wor - an ich 



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kei - ne Freu - de hab', wor - an ich kei - ne, wor- 

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an du dei - ne, wor- an er sei - ne Freu - de hat. 

2. Was nützet mir ein schöner Garten, wenn andre drin spazieren 
gehn |: und pflücken mir die Röslein ab, :| woran ich meine, woran 
du deine, woran er seine Freude hat. 

3. Was nützet mir ein schönes Mädchen, wenn andre egal bei 
ihr stehn |: und küssen ihr die Schönheit ab, :| woran ich meine usw. 

4. Kirsch, Kümmel, Nelken hab' ich getrunken, bis daß ich nicht 
mehr trinken kann. |: Und wenn ich nicht mehr trinken kann, :J 
dann kommen wohl die schwarzen Männer und legen mich ins 
kühle Grab, woran ich keine Freude hab', woran ich keine, woran 
du deine, woran er seine Freude hat. 

5. So pflanzt mir denn auf meinem Grabe, wohl Rosmarin und 
Thymian, |: damit ich was zu riechen hab\ :| woran ich meine, 
so ganz alleine, woran ich meine Freude hab*. 

Volkslied, über ganz Deutschland verbreitet. 



44 



JUGEND UND LIEBE 



53 



1838. Fr. Silcher, 1789—1860. 



1. Mor - gen müs - sen. wir ver - rei - sen, 



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und es muß ge - schie-den sein. Trau - rig ziehn wir 





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Stra - ße, 


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wohl, He 


rz- lieb-chen 



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mein, le - be wohl, Herz - lieb - chen mein. 



2. Lauter Augen feucht von Tränen, lauter Herzen voll von 
Gram. Keiner kann es sich verhehlen, daß er schweren Ab- 
schied nahm. 

3. Kommen wir zu jenem Berge, schauen wir zurück ins Tal, 
schaun uns um nach allen Seiten, sehn die Stadt zum letzenmal. 

4. Wenn der Winter ist vorüber und der Frühling zieht ins 
Feld, will ich werden wie ein Vöglein, fliegen durch die ganze Welt. 

5. Dahin fliegen will ich wieder, wo's mir lieb und heimisch 
war. Schätzlein, muß ich jetzt auch wandern, kehr* ich heim doch 
übers Jahr. 

6. Übers Jahr zur Zeit der Pfingsten pflanz* ich Maien dir ans 
Haus, bringe dir aus weiter Ferne einen frischen Blumenstrauß. 

1826. Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



64 Fr. Silcher. 1789-1860. 

»Sammlung deutscher Volkslieder", 3. Heft, 1827. 









































1. Mor -gen muß ich fort von hier und muß Ab - schied 



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JUGEND UND LIEBE 



45 



neh-men; o du al - ler- schön -ste Zier, Schei-den 



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das bringt Grä-men. Da ich dich so treu ge-liebt, 



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al - le Ma - gen, 

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soll 



ich dich ver- 

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sen, soll ich dich ver - las - sen. 



2. Wenn zwei gute Freunde sind, die einander kennen, Sonn' 
und Mond bewegen sich, ehe sie sich trennen; wieviel größer 
ist der Schmerz, wenn ein treu verliebtes Herz in die Fremde 
ziehet. 

3. Dort auf jener grünen Au steht mein jung frisch Leben; 
soll ich denn mein Lebelang in der Fremde schweben? Hab' 
ich dir was Leids getan, bitt* dich, woll's vergessen, denn es 
geht zu Ende. 

4. Küsset dir ein Lüftelein Wangen oder Hände, denke, daß 
es Seufzer sein, die ich zu dir sende; tausend schick' ich täglich 
aus, die da wehen um dein Haus, weil ich dein gedenke. 

In vorliegender Gestalt zuerst in Cl. Brentanos (1778—1842) und 
A. v. Arnims (1781—1831) „Des Knaben Wunderhorn 14 1806—1808. 
In ähnlicher Form schon 1690. 



55 



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Soldaten-Marschlied 1866. Refrain aus Hessen. 

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1. Mor - gen will mein Schatz ab -rei - sen, Ab-schied 



46 



JUGEND UND LIEBE 





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neh-men mit Ge - walt. Drau -gen sin - gen schon die 

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dun-kel-grti-nen Wald. Ach, es fällt mir so schwer, aus der 

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Hei - mat zu gehn, wenn die Hoff-nung nicht war' auf ein 
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Wie-der-Wie-der-sehn. Le- be wohl, le - be wohl, le - be 
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wohl, le - be wohl, le - be wohl auf Wie - der - sehn. 

2. Saften da zwei Turteltauben, saßen auf 'nem grünen Ast: 
Wo sich zwei Verliebte scheiden, da verwelken Laub und Gras. 
Ach, es fällt mir so schwer usw. 

3. Laub und Gras das mag verwelken, aber unsre Liebe nicht. 
Du kommst mir aus meinen Augen, aber aus dem Herzen nicht. 
Ach, es fällt mir so schwer usw. 

4. Eine Schwalbe macht kein Sommer, ob sie gleich die erste 
ist; und mein Liebchen macht mir Kummer, ob sie gleich die 
Schönste ist. Ach, es fällt mir so schwer usw. 

5. Spielet auf ihr Musikanten, spielet auf ein Abschiedslied, 
meinem Liebchen zu Gefallen, mag's verdrießen, wen es will. 
Ach, es fällt mir so schwer usw. Volkslied. 



JUGEND UND LIEBE 



47 



56 



1827. Schwäbische Volksweise in Fr. Silchers (1789—1860) Volksliedern. 



( Muß i denn, muß i denn zum Städ-te- le 'naus, 
\ Wenn i komm, wenn i komm, wenn i wie-der-um komm, 




Städ-te - le 'naus, und du mein Schatzbleibst hier? \ 
wie-der-um komm, kehri ein mein Schatz bei dir. / 



Kann i glei nit all-weil bei dir sein, han i 



doch mei Freud' an dir; wenn i komm, wenn i 



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komm, wenn i wie - de - mm komm, wie - de - rum 



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komm, kehr i ein mein Schatz bei dir. 

2. Wie du weinst, wie du weinst, dag i wandere muß, wie 
wenn d' Lieb' jetzt war' vorbei; sind au draus, sind au draus 
der Mädele viel, lieber Schatz, i bleib' dir treu. Denk' du net, 
wenn i ein' andere seh', no sei mein Lieb vorbei; wenn i usw. 

3. Übers Jahr, übers Jahr, wenn me Träubele schneidt, stell' 
i hier mi wied'rum ein, bin i dann, bin i dann dein Schätzele 
noch, so soll die Hochzeit sein. Übers Jahr, da ist mein Zeit 
vorbei, da g'hör i mein und dein; wenn i komm usw. 

I. Strophe Volkslied, 2.-3. Strophe von Heinr. Wagner 1824 
(1783—1863) auf Fr. Silchers Bitte gedichtet. 



48 



JUGEND UND LIEBE 



Alte niederländische Volksweise. 



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1. Nach Ost - land will ich fah - ren, da wohnt mein 

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sü - ßes Lieb; fort ü - ber Berg und Ta-le, schier 



3 



ü- ber die Hei-den, da wohnt mein sü - ges Lieb. 

2. Vor mein's Feinsliebchens Fenster, da stehn zwei Bäume- 
lein; das eine trägt Muskaten, schier über die Heiden, das 
andre trägt Neglein fein. 

3. Muskaten die sind runde, die Neglein riechen so gut; ich 
meint*, mich freite ein Reiter — schier über die Heiden, nun 
ist's ein armes Blut. Vor dem 15 Jahrh 

Nach einem alten niederländischen Volksliede der Kolonisten des Ostens. 

W. Baumgartner, 1820—1867. 



58 

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L Noch ist die blü - hen - de, gol - de - ne 



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Zeit, o du schö - ne Welt, wie bist du so 



weit! Und so weit ist mein Herz und so 









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Lüf - te durch - ju - bei 


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JUGEND UND LIEBE 



49 



Ler-chen-schlag! Ihr Fröh - Ii - chen, singt, weil das 



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Le-ben noch mait: Noch ist ja die schö-ne, die 



blü - hen - de Zeit, noch sind die Ta - ge der 



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als 



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sen, die Ta - ge der Ro 



sen! 



2. Frei ist das Herz und frei ist das Lied und frei ist der 
Bursch, der die Welt durchzieht, und ein rosiger Kuß ist nicht 
minder frei, so spröd' und verschämt auch die Lippe sei. Wo 
ein Lied erklingt und ein Kuß sich beut, da heißt's: Noch ist 
ja die schöne usw. 

3. Ja, im Herzen tief innen ist alles daheim, der Freude 
Saaten, der Schmerzen Keim; drum frisch sei das Herz und 
lebendig der Sinn, dann brauset ihr Stürme daher und dahin! 
Wir doch sind allzeit zu singen bereit: Noch ist ja die schöne usw. 

Otto Roquette, 1824—1896. 



59 



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Hessische Volksweise bei Lewalter. 
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1. Nun a - de, mein herz- lieb Schät - ze - lein, jetzt 

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muß ich schei-den von dir bis auf den an - dem 



50 



JUGEND UND LIEBE 





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Som - mer, dann komm' ich wie - der zu dir. 

2. Und als das Jahr verflossen war, die Zeit fällt mir so lang, 
so muß ich wieder nach Hause gehn, zu meinem Schätzelein. 

3. Und als ich in die Stube trat, vom Schätzelein fing ich an: 
»0 großer Gott vom Himmel, wo ist mein Schätzelein?" 

4. „Dein Schätzlein ist gestorben, heut ist der dritte Tag." 
„So muß ich mein Schätzlein suchen, bis auf den Kirchhof hin." 

5. Und als ich auf den Kirchhof kam, den Grabstein schaut 
ich an, so muß ich mein Schätzlein rufen, bis es mir Antwort gab: 

6. „Ach Schatz, bleib du da draußen, hier ist die dunkle Nacht, 
man hört kein Glöcklein klingen, man hört kein Vöglein pfeifen, 
man sieht weder Sonn' noch Mond!" 

Rheinisches Volkslied aus dem 16. Jahrh., Wunderhorn 1808. 



1853. Fr. Silcher, 1789—1860. 



60 

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1. Nun leb' wohl, du klei-ne Gas - se, nun a- de, du 



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Stil -les Dach, Va-ter Mut - ter sahn mir trau - rig 



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und die Liebste sah mir nach, und die Liebste sah mir nach. 

2. Hier in weiter, weiter Ferne, wie's mich nach der Heimat 
zieht! Lustig singen die Gesellen; |: doch es ist ein falsches Lied. : 

3. Andre Städtchen kommen freilich, andre Mädchen zu Gesicht; 
ach, wohl sind es andre Mädchen, |: doch die eine ist es nicht. :| 

4. Andre Städtchen, andre Mädchen, ich da mitten drin so 
stumm! Andre Mädchen, andre Städtchen, |: o wie gerne kehrt' 
ich um. :| 

1 1833. Albert Graf Schlippenbach, 1800— 1S86; 
zuerst erschienen in Franz Kuglers (1808—1858) und Rob. Reinicks (1805—1852) 
„Liederbuch für deutsche Künstler", 1833. 



JUGEND UND LIEBE 



51 



61 F. Mendelssohn-Bartholdy, 1809—1847. 

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l. O sah' ich auf der Hei - de dort im 



Stur-me dich, im Stur-me dich! Mit mei-nem 

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Man - tel vor dem Sturm be-schützt' ich dich, be- 











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schützt 1 ich dich! Und kommt mit sei-nem Stur-me je dir 



Unglück nah, dir Unglück nah, dann war' dies Herz dein 



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Zu-fluchts-ort, gern teilt' ich's ja, gern teilt' ich's ja! 

2. O war' ich in der Wüste, die so braun und dürr, so braun 
und dürr, zum Paradiese würde sie, wärst du bei mir, wärst du 
bei mir. Und wär' ein König ich und wär' die Erde mein, die 
Erde mein, du wärst in meiner Krone doch der schönste Stein, 
der schönste Stein! Nach Robert Bums, 1759— 1796. 



62 



Mel. Gott grüß dich, Bruder Straubinger. 

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1. O Tan - nen -bäum, o Tan - nen- bäum, wie 



52 



JUGEND UND LIEBE 



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treu sind dei-ne Blät - ter! Du grünst nicht nur zur 
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Som-merszeit, nein auch im Win-ter, wenn es schneit. 0 
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Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter! 

2. O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch ist dein Gemütel 
Du schwurst mir Treu* in meinem Glück; nun arm ich bin, gehst 
du zurück. O Mägdelein, o Mägdelein, wie falsch . . . 

3. Die Nachtigall, die Nachtigall nahmst du dir zum Exempell 
Sie bleibt, so lang der Sommer lacht; im Herbst sie sich von 
dannen macht. Die Nachtigall usw. 

4. Der Bach im Tal, der Bach im Tal ist deiner Falschheit 
Spiegel! Er strömt allein, wenn Regen fließt; bei Dürr' er bald 
den Quell verschließt. Der Bach usw. 

1820. A. Zarnack, 1777—1827. 
63 Volksweise aus Fr. Silchers (1789—1860) Volksliedern, 7. Heft 1837. 

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l. Ro-se-stock, Holderblüh! Wann i mein Dien-derl sieh, 
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hupft mer vor lau - ter Freud' 's Her-zel im Leib. 

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Tra - la - la, tra - la - la, tra - la - la, tral - le - ral - la - la, 



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JUGEND UND LIEBE 



53 



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tra - la - la, tra - la - Ia, tra - la - la - la. 

2. G'sichterl wie Milch und Blut, 's Dienderl ist gar so gut, 
um und um dockerlnett, wenn i 's no hätt'! Tralala usw. 

3. Armerl so kugelrund, Lippe so frisch und g'sund, Fügerl so 
hurtig geschwind, tanzt wie der Wind. Tralala usw. 

4. Wenn i ins dunkelblau funkelhell Augerl schau, mein' i, 
i seh' in mei Himmelreich 'nei. Tralala usw. 

Schwäbisches Volkslied. 



64 



q Irische Volksweise, 1855 von Clara Novello, geb. 1818. 



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1. Sag' mir das Wort, das so gern ich ge - hört, 
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lang, lang ist's her, lang, lang ist's her! Sing' mir das 

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Lied, das so oft mich be - tört, lang, lang ist's 
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her, lang ist's her! Nun du bei mir, ist mein 
G Dt 



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Kum-mer ent-flohn, lang bliebst du fort: ich ver- 



Volkslieder 



54 



JUGEND UND LIEBE 




geb' es dir schon! Gönn' mir, wie einst, dei - ner 
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Lieb 1 sü-ßenTon! Lang, lang ist's her, lang ist's her! 



2. Kennst noch den stillen, den heimlichen Ort, wo wir ein- 
ander gegeben das Wort? Jeglichem Glück zogst mein Lächeln 
du vor, selig nur lauscht' deinem Schmeicheln mein Ohr! Noch 
jauchzt mein Herz, weil das dein' es erkor! 

3. Gütig hast du meine Hoffnung genährt, wenn auch be- 
redeter Mund dich geehrt. Wenn auch Versuchung die Treue 
berückt, lauscht' ich nicht stets deinen Worten entzückt? War 
ja bei dir, ach, so innig beglückt! 

Irisches Volkslied, seit 1855 in Deutschland bekannt. 



1829. Heinr. Werner, 1800-1833. 




I, Sah ein Knab' ein Rös-lein stehn, Rös-lein auf der 



Hei-den, war so jung und morgenschön, lief er schnell, es 




nah zu sehn, sah's mit vie - len Freu- den. Rös-lein, 



JUGEND UND LIEBE 



55 



2. Knabe sprach: „Ich breche dich, Röslein auf der Heiden!" 
Röslein sprach: „Ich steche dich, daß du ewig denkst an mich, 
und ich wiirs nicht leiden." 

3. Und der wilde Knabe brach 's Röslein auf der Heiden. 
Röslein wehrte sich und stach, half ihm doch kein Weh und 
Ach, mußt es eben leiden. Volkslied bei Herder, vielleicht von Goethe. 



66 1830. Rheinische Volksweise. 

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t. Schön ist die Ju - gend bei fro - hen Zei - ten; 

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schön ist die Ju - gend, sie kommt nicht mehr! 



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Drum sag 1 ich's 


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i ein-mal : schön sind die Ji 


jgend-jahr; 






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schön ist die Ju - gend, sie kommt nicht mehr. 



2. Vergangne Zeiten komm'n niemals wieder; verschwunden 
ist das junge Blut. Drum sag* . . . 

3. Es blühen Rosen, es blühen Nelken; es blühen Rosen — 
Sie welken ab. Drum sag' . . . 1830. Volkslied vom Rhein. 




1. Schwe-ster - lein! Schwe - ster - lein! Wann 



56 



JUGEND UND LIEBE 



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gehn wir nach Haus? „Früh, wenn die Häh - ne krähn, 

i, hüiiiihi i Ii. ^t- fr- ■ — * — 



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woll'n wir nach Hau - se gehn. Brü - der - lein! 

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Brü - der - lein! dann gehn wir nach Haus!" 

2. Schwesterlein, Schwesterlein, wann gehn wir nach Haus? 
„Früh, wenn der Tag anbricht, eh* end't die Freude nicht, Brüder- 
lein, Brüderlein, der fröhliche Braus. 4 * 

3. Schwesterlein, Schwesterlein, wohl ist es Zeit! „Mein Lieb- 
ster tanzt mit mir; geh* ich, tanzt er mit ihr. Brüderlein, 
Brüderlein, lag du mich heut!" 

4. Schwesterlein, Schwesterlein, du bist ja so blaß! „Das ist 
der Morgenschein auf meinen Wängelein, Brüderlein, Brüderlein, 
die vom Taue naß." 

5. Schwesterlein, Schwesterlein, du wankest so matt! „Suche 
die Kammertür, suche mein Bettlein mir. Brüderlein, es wird 
fein unterm Rasen sein." Zuccaimaglio, 1838. 



68 Kleinrussisch, seit 1840 in Deutschland bekannt. 



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1. Seht 


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r a-gen und die-sen 










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jun-gen Po- stil-lon? Vonwei-tem hö-retman ihn 



JUGEND UND LIEBE 



57 



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kla-gen und sei - nes Glöck-leins dump - fen 



Ton, 



von 



tem 



hö - ret 



ihn 



kla- gen und sei- nes Glöck-leins dump-fen Ton. 

2. Still ist der Wald, öd sind die Auen, und er, er stimmt sein 
Liedchen an, singt von den Augen, den schönen blauen, die er 
nicht mehr bewundern kann. 

3. „Lebt wohl, ihr Augen, ihr schönen blauen, denn ihr be- 
reitet mir nur Schmerz! Warum kann ich euch nicht mehr schauen, 
an denen hing mein ganzes Herz? 

4. Leb wohl, du holde, zarte Jungfrau, du, meiner Seele Para- 
dies; leb wohl, du (Vaterstadt, o Moskau, wo ich mein Alles 
hinterließ!" 

5. Und rasch ergreifet er die Zügel, und vorwärts geht's in 
scharfem Trab; noch einmal schaut er dort die Hügel, noch ein- 
mal der Geliebten Grab! Russisch. 



69 


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sndische Volksv 


reise, 1841. 


f. Seht nur den 


Bur- sehen, der 


möcht' gern 


frein ! 



Kei - ne will a - ber sein Lieb - chen sein. 



Tut sich gar groß, doch viel er nicht taugt; 



58 1 JUGEND UND LIEBE | T 

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faul hin-term O - fen sitzt er und schmaucht. 

2. Treibt zum Vergnügen auch Kartenspiel; soll er bezahlen, 
schimpft er gar viel. Geht auch zum Tanze, im Knopfloch den 
Strauß, nimmt aber Prügel oft mit nach Haus. 

3. Dreist aber klopft er bei jeder an, schwatzt ihr was vor, tut 
wichtig alsdann. Schätzlein zu haben, däucht ihm groß* Ehr' — 
die machen Nasen hinter ihm her! 

Hinrich Schütt nach einem wendischen Volkslied. 



7Q X Volksweis( 

1. So grün, wie ist ~^die Hei - den, so 







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grün möcht' ich mich kleiden. Mein Schatz, den ich so 



ger- ne hab', der will ja von mir schei-den. 

2. Und scheidet er so weit von hier, so wünsch* ich ihm viel 
Gutes. Wo ich ihn seh', wo ich ihn hör', schwingt mir mein Herz 
im Blute. 

3. Wenn von Papier der Himmel war' und jeder Stern ein 
Schreiber, und jeder Schreiber hart' tausend Hand', sie schrieb'n 
nicht unsre Lieb' ZU End'. Volkslied aus Oberhessen. 



71 1828. Aus „Alpenkönig und Menschenfeind - , Wenzel Müller, 1767—1835. 

U So leb denn wohl, du stil-les Haus; ich zieh' be- 



zu 



JUGEND UND LIEBE 



59 



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trübt von dir hin-aus ! Ich zieh' be-trübt und trau- rig 



im 



fort, noch un - be - stimmt, an wel- chen Ort. 

2. So lebt denn wohl, ihr Freunde, ihr! ich ziehe traurig fort 
von hier; und find' ich einst ein größres Glück, so denk' ich 
gern an euch zurück. 

3. So leb' denn wohl, du Mädchen mein! soll ich von dir ge- 
schieden sein, so reiche mir die liebe Hand, dann schließen wir 
das Freundschaftsband. 

4. Schlaf eine sanfte, gute Nacht, bis dir ein heitrer Morgen 
lacht! Mein größtes Glück ist schon gemacht, wenn mir dein 
heitres Auge lacht. 

5. Und kehr' ich einst zurück zu dir, nur deine Lieb' erbitt' 
ich mir; dann gilt mir alles, alles gleich: nur deine Liebe macht 
mich reich! 1828. Nach Ferd. Raimund, 1790—1836. 



Nach der Volksweise „0 du Deutschland, ich muß marschieren", 1809. 
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j / So - viel Stern' am Him-mel ste - hen, an dem 
" \ so - viel Schaf - lein als da ge - hen, in dem 

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blau-en Him-mels- zeit, \ 
grü-nen, grü-nen Feld: / 

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so -viel Vög-lein als da 
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flie-gen, als da hin und wie-der flie-gen: so -viel- 



60 



JUGEND UND LIEBE 



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mal sei du ge - grüßt, so-viel-mal sei du ge-grüßt! 

2. Soll ich dich denn nimmer sehen, nun ich ewig ferne muß? 
Ach, das kann ich nicht verstehen, diesen bittren Scheidens- 
schluß! War' ich lieber schon gestorben, eh* ich mir dein 1 Lieb* 
erworben, war' ich jetzt nicht so betrübt. 

3. Weiß nicht, ob auf dieser Erden, die des herben Jammers 
voll, nach viel Trübsal und Beschwerden ich dich wieder sehen 
soll. Was für Wellen, was für Flammen schlagen über mir zu- 
sammen, ach, wie groß ist meine Not! 

4. Mit Geduld will ich es tragen, denk' ich immer nur zu dir; 
alle Morgen will ich sagen: o mein Lieb, wann kommst du mir? 
Alle Abend will ich sprechen, wenn mir meine Augen brechen: 
o mein Lieb, gedenk an mich! 

5. Ja, ich will dich nicht vergessen, enden nie die Liebe 
mein; wenn ich sollte unterdessen auf dem Todbett schlafen ein: 
auf dem Kirchhof will ich liegen wie ein Kindlein in der Wiegen, 
das die Lieb* tut wiegen ein. Aus des Knaben Wunderhorn, 1808. 



1799. 




ster - ben muß. Und ein Rös - lein ro - sen - rot 



iE 



pflanzt mein Schatz nach mei - nem Tod. 

2. Sterben ist ein' harte Pein; wenn zwei Herzallerliebste sein, 
die des Todes Sichel schneidet, ach, das ist das größte Leid. 

3. Denn was hilft ein Blümelein, wenn es heißt: ins Grab hinein! 
Ach, was hilft ein Röslein rot, wenn es blüht nach Liebestod! 

Volkslied. 



JUOEND UND LIEBE 



61 



74 



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1825 von Boieldieu, 1775—1834, geändert. 
Irische Melodie aus dem 17. Jahrh., 



I | Treu und herz-in- nig- -lieh, F 



Tau -send mal grüß' ich dich, Ro 



bin 
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dair! 
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Hab' ich doch manche Nacht Schlummer -los zu - ge-bracht, 




im - mer an dich ge-dacht, Ro - bin A - dair! 



2. Dort an dem Klippenhang, Robin Adair, rief ich oft still und 
bang, Robin Adair! Fort von dem wilden Meer; falsch ist es, 
liebeleer, macht nur das Herze schwer, Robin Adair! 

3. Mancher wohl warb um mich, Robin Adair! Treu aber liebt 
ich dich, Robin Adair! Mögen sie andre frein, will ja nur dir 
allein Leben und Liebe weihn, Robin Adair! 

Nach der franz. Obersetzung des irischen Liedes 
deutsch 1826 von Wilh. Gerhard, 1780—1858. 



C 1829 - Vielleicht von C. Blum, 1786—1844. 

i V r f JT^rr-rr 

t. Uf em Berg -Ii bin i g'ses-se, ha de 
Vög - le zu - ge-schaut; hänt ge - sun - ge, hänt ge- 

^K'ijIj i Lj i I jj 

sprun-ge, hänt 's Nest - Ii ge - baut. Jodler. 



62 | 



JUGEND UND LIEBE 



2. In e Garte bin i g'stande, ha de Imbli zugeschaut; hänt 
gebrummet, hänt gesummet, hänt Zelli gebaut. 

3. Uf de Wiese bin i gange, lugt' i Summervögle a; hänt 
gesoge, hänt gefloge, gar z' schön hänt's getan. 

4. Und da kummt nu der Hansel, und da zeig i ehm froh, 
wie sie's mache, und mer lache und mache 's au so. 

Schweizer Volkslied, l. Strophe aus „Des Knaben Wunderhorn" 1806, 
Strophe 2—4 von Alois Glutz, 1789—1827. 
Auch bei Goethe 1811. 



76 Mel. 1829. 

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1. Und die Würz - bur - ger Glöck - Ii hab'n 







schö - nes Ge 


- läut, und die Würz - bur - ger 


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JUGEND UND LIEBE 



63 



2. Dort unten im Tale geht 's Bächlein so trüb, und i kann dir's 
nit hehrn, i hab' di so lieb. 

3. Und wenn i dir's zehnmal sag': I hab' di so lieb, und du 
gibst mir kein Antwort, so wird mir's ganz trüb. 

4. Und a bissela Lieb* und a bissela Treu 1 und a bissela 
Falschheit ist allweil dabei. 

5. Und vor d'Zeit, daß d'mi g'liebt hast, da dank* i dir schön, 
und i wünsch', daß dir's allizeit besser mag gehn! 

Bayrisches Tanzlied. 

Aus Klebers Handschrift, 1515—1524. 
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77 



1. (Beide:) Und in dem Schnee - ge - bir - ge, da 

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fließt ein Brünn -lein kalt, und wer des Brünnleins 



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und wird nit 



alt. 



ket, der jungt 

2. (Er:) Ich hab' daraus getrunken gar manchen frischen Trunk; 
ich bin nicht alt geworden, ich bin noch immer jung. 

3. (Sie:) Die Brünnlein, die da fließen, die soll man trinken; 
wer eine Feinsherzliebste hat, der soll ihr winken. 

4. (Er:) Ich winkte mit den Augen, ich trat dir auf den Fuß. 
(Sie:) Ach, wie ein schweres Leiden, wenn einer scheiden muß. 

5 - (Er:) Ade, mein Schatz, ich scheide, ade, mein Schätzelein! 
(Sie:) Wann kommst du aber wieder, Herzallerliebster mein? 

6. (En) Wenn es wird schneien Rosen und regnen kühlen Wein. 
Ade, mein Schatz, ich scheide, ade, mein Schätzelein! 

7. (Sie:) Es schneit ja keine Rosen und regnet keinen Wein: 
Da kommst du denn nicht wieder, Herzallerliebster mein! 

8. (Beide:) Und in dem Schneegebirge, da fließt ein Brünnlein 
kalt, und wer des Brünnleins trinket, der jungt und wird nit alt. 

Aus Schlesien, 
nachzuweisen im 15. Jahrhundert. 



64 



JUGEND UND LIEBE 



78 Schwäbische Volksweise in Fr. Silchers (1789—1860) Volksliedern. 

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i. Und schau' ich hin, so schaust du her, das macht mein 
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Herz so schwer, so schwer; und schau' ich her, so 
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schaust du hin, das macht mir wirr den Sinn! O schau' 

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nur ein ein - zigs - mal, ein ein - zigs - mal 
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mit - leids - voll in mei - ne Lie - bes - qual! Und 

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schau' ich hin, so schaust du her, das macht mein 



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schaust du hin, das macht mir wirr den Sinn! 



* 1 JUGEND UND LIEBE 1 65 

2. Und komm' ich an, so gehst du weg", das setzt mein Herz 
in Schreck, in Schreck; und will ich nach, so schiltst du laut, daß 
alles nach mir schaut! O bleib' nur ein einzigsmal, ein einzigs- 
mal tröstend stehn bei meiner Liebesqual! 

3. Und spreche ich, so schweigt dein Mund, das sticht mein 
Herz so wund, so wund; und sag* ich Ja, so sagst du Nein, das 
macht mir große Pein! O sprich nur ein einzigsmal, ein einzigs- 
mal mitleidsvoll bei meiner Liebesqual! 

4. Und weine ich, so lachest du, das schnürt mein Herz mir 
zu, mir zu; und lächle ich, dann weinest du, das scheucht mir 
alle Ruh'! O wein' nur ein einzigsmal, ein einzigsmal still und 
mild in meine Liebesqual! 

5. Doch Hexlein, das ist ja dein Brauch, gerade wie bei andern 
auch; und weil du mich am meisten fliehst, glaub' ich, daß du 
mir glühst! O glüh' nur ein einzigsmal, ein einzigsmal licht und 
warm in meine Liebesqual! Schwäbisches Volkslied. 



79 1829. W. v. Zuccalmaglio, 1803—1869, nach niederrhein. Volksweise. 

4* £=E r'lH H 

1. Ver - stoh - len geht der Mond auf, blau, blau, 

























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Blü - me - lein! Durch Sil-ber-wölk-chen geht sein Lauf. 







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Blau, blau Blü - me - lein, Ro - sen im Tal, 



Mä - del im Saal, o schön - ste Ro - sa! 

2. Er steigt die blaue Luft hindurch, blau, blau..., bis daß 
er schaut auf Löwenburg. Blau, blau . . . 

3. O schaue, Mond, durchs Fensterlein, schön Trude lock' mit 
deinem Schein. 

4. Und siehst du mich und siehst du sie, zwei treu're Herzen 
Siehst du nie. Bergisch, 1829 bei W. v. Zuccalmaglio. 



66 | 



JUGEND UND LIEBE 



80 



Mel. zuerst in Brauns „Liederbuch für Studenten", 1843. 

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1. Von al - len den Mädchen so blink und so blank ge- 

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fällt mir am be-sten die Lo-re; von al - len den 

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Winkeln und Gäßchen der Stadt ge-fällt mir der Winkel am 
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To - re. Der Mei - ster, der schmun-zelt, als 

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hab' er Ver- dacht, als hab* er Ver-dacht auf die 
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Lo-re; sie ist mein Ge-dan-ke bei Tag und bei 
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Nacht und woh - net im Win - kel am To - re. 



JUGEND UND LIEBE 



2. Und kommt sie getrippelt das Gäßchen hinab, so wird mir 
ganz schwül vor den Augen; und hör' ich von weitem ihr leises 
Klipp, Klapp, keine Niet oder Band will mir taugen. Die Damen 
bei Hofe, so sehr sie sich zier'n, sie gleichen doch nicht meiner 
Lore; sie ist mein Gedanke bei Tag und bei Nacht und wohnet 
im Winkel am Tore. 

3. Und kommet die liebe Weihnacht heran, und strotzt mir das 
Geld in der Westen, das Geld, das die Mutter zum Rock mir 
gesandt, ich geb's ihr, bei ihr ist's am besten; und würden mir 
Schätze vom Teufel gebracht, ich trüg' sie alle zur Lore; sie ist usw. 

4. Und kommet nun endlich auch Pfingsten heran, nach Hand- 
werksgebrauch müßt 1 ich wandern; dann werd' ich jedoch für 
mein eigenes Geld hier Bürger und Meister trotz andern. Dann 
werde ich Meister in dieser Stadt, Frau Meisterin wird meine 
Lore; dann geht es juheissa bei Tag und Nacht, doch nicht mehr 
im Winkel am Tore. 

1797. H. Chr. Boie, 1744-1806, nach H. Careys Lied „Of all the girls" 1715. 

Schweizerische Volksweise. 



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1. Von mei - nem Berg - Ii muß i schei - de, wo's 



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gar so lieb - Ii is und schön, kann nim - mer 

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lei-mat blei - be, muß 


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Fer - ne gehn. La 



la la 



la la 



la la la la 



68 | JUGEND UND LIEBE | * 

la la la la la la la la la. 

2. Behüt' di Gott, mein liebe Senn'rin, gib mir noch amol 
die Hand; i wer di lang* jetzt nimmer sehen, ach, i muß ins 
ferne Land. 

3. So leb denn wohl, du schöne Senn'rin, i reis' stets durch 
di beglückt; komm reiche mir dein zartes Munderl und kuss' 
den noch, der di liebt! 

4. I bitte di gar schön, laß 's Weine, 's kann ja doch nit 
anders sein; bis übers Jahr komm wieder heime, bin ja ganz 
gewig noch dein! Schweizerlied vor 1840. 



82 



Aus Kretzschmers Volksliedern. 









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1. Wach 
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auf, mein's Her - zens Schö - ne, Herz- 
hör' ein süß Ge - tö - ne von 



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al - 1er - lieb - ste mein! 
klei - nen Wald - vög- 



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-lein, die 
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hör' ich so lieb-lich sin-gen; ich mein', ich sah' des 

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Ta - ges Schein vom O - ri - ent her - drin - gen. 



* 1 JUGEND UND LIEBE | 69 

2. Ich hör' die Hahnen krähen und spür' den Tag- dabei; die 
kühlen Windlein wehen, die Sternlein leuchten frei; singt uns 
Frau Nachtigalle, singt uns ein süge Melodei, sie neut den Tag 
mit Schalle. 

3. Der Himmel tut sich färben aus weißer Färb* in blau; die 
Wolken tun sich färben aus schwarzer Färb* in grau; die Morgen- 
rot' tut entweichen. Wach auf mein Lieb und mach mich frei; 
der Tag will uns verschleichen. Tagelied aus dem 16. Jahrhundert. 



83 Mel.: Wenn ich an den letzten Abend. 





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L Was hab' ich denn mei - nem Feins-lieb-chen ge- 





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tan? Sie 

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geht ja vor-überund 


schautmichnic 


htan.Sie 
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schlägt ih - re Äug-lein wohl un - ter sich und 



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Au D 0 A a A, D 

hat ei-nen an-de-ren viel lie-ber noch als mich. 

2. Das machet ihr stolzer, hochmütiger Sinn, dag ich ihr nicht 
schön und nicht reich genug bin; und bin ich auch nicht reich, 
so bin ich doch so jung, so jung; herzallerliebstes Schätzele, was 
kümmr' ich mich denn drum. 

3. Die tiefen, tiefen Wasser, die haben keinen Qrund; lag ab 
von der Liebe, sie ist dir nicht gesund I Die hohen, hohen Berge, 
das tiefe, tiefe Tall Jetzt seh' ich mein Schätzele zum aller- 
letztenmal. Volkslied aus dem Odenwald. 



70 



JUGEND UND LIEBE 



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84 



Volksweise, zuerst 1784 in „Liedern mit Melodien". 

















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1. Wenn ich ein Vög - lein war* und auch zwei Flüg-lein hätt\ 

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flog' ich zu dir; weil's a - ber nicht kann sein, 

















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weil's 


a- ber 


nicht kann sein, 


bleib' ich 


all - 


hier. 



2. Bin ich gleich weit von dir, bin doch im Schlaf bei dir 
und red* mit dir; wenn ich erwachen tu, bin ich allein. 

3. Es vergeht kein Stund 1 in der Nacht, da nicht mein Herz 
erwacht und an dich gedenkt, dag du mir viel tausendmal ein 
Herz geschenkt. 

1778. Altes Volkslied, zuerst in Herders (1744—1803) Volksliedern. 



85 

1. Wie 


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kommt's, daß 
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du so trau-rig bis 

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eis 


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garnicht 


ein-mal lachst? Man 


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sieht dir's an den 


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in, daß 



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All fis AD «s h ki D 

ffiJ'Jj J UN I JJ'J j l j i ll 

du ge-wei-net hast, daß du ge-wei - net hast. 



* | JUGEND UND LIEBE | 71 

2. Und wenn ich auch so traurig bin, was geht's den andern 
an? Hat mir mein Schatz ein Leid getan, das ich nicht 
tragen kann. 

3. Und wer 'nen stein'gen Acker hat, dazu 'nen stumpfen 
Pflug, und dessen Schatz zum Schelmen wird, hat der nicht 
Kreuz genug? 

4. Doch wer mit Katzen ackern will, der spann die Maus 
voraus, so geht es alles wie der Wind, so fängt die Katz' die 
Maus. 

5. Hab* all mein Tag nicht gut getan, hab's auch noch nicht 
im Sinn; die ganze Freundschaft weiß es ja, dag ich ein Un- 
kraut bin. Bei Nicolai, 1778. 



86 



Neuere Volksweise. 



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L Wir sind die drei Wald-prin-zes-sen, wir woh-nen im 

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För-ster-haus. Wir ken-nen nicht Leid und Jam-mer, wir 



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sit - zen in uns - rer Kam-mer und schauen zum 




la la la! Tra-la - la la la, la la la 



72 | JUGEND UND LIEBE 1 * 

la! Tra-ra! Tra-la - la la la! Tra-la - la la 

la! Tra - la - la la la, la la la la! 

2. Wir sind die drei Waldprinzessen, und grün ist unsre Kron\ 
Der Vater birscht im Haine; wir wandeln beim Abendscheine und 
singen mit hellem Ton: Tralala usw. 

3. Wir sind die drei Waldprinzessen, man kennt uns allerwärts. 
Der Vater schießt die Hirschlein; wir aber, wir treffen die Bürschlein 
wohl mitten in das Herz. Tralala usw. Neueres Volkslied. 



Aus der Oper „Freischütz" von C. M. v. Weber, 1786—1826. 




1. Wir win - den dir den Jung - fern - kränz mit 



veil-chen-blau- er Sei - de; wir füh - ren dich zu 




Spiel und Tanz, zu Glück und Lie - bes - freu - de! 



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Schö-ner, grü - ner, schö- ner, grü - ner Jung-fern-kranz! 



* | JUGEND UND LIEBE 1 73 

Veil-chen-blau-e Sei - de, veil-chen-blau - e Sei -de! 

2. Lavendel, Myrt* und Thymian, das wächst in meinem Garten; 
wie lang bleibt doch der Freiersmann, ich kann es kaum erwarten. 
Schöner, grüner usw. 

3. Sie hat gesponnen sieben Jahr den goldnen Flachs am Rocken; 
die Schleier sind wie Spinnweb' klar und grün der Kranz der Locken. 
Schöner, grüner usw. 

4. Und als der schmucke Freier kam, war'n sieben Jahr ver- 
ronnen; und weil sie der Herzliebste nahm, hat sie den Kranz 
gewonnen. Schöner, grüner usw. Fr. Kind. 



88 F. Mendelssohn-Bartholdy, 1809—1847. 

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1. Wißt ihr, wo ich ger - ne weiP in der A - bend- 







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küh - le? 


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In dem stil-len 


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Müh - le, und ein klei - ner Bach da - bei, 

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rings um - her stehn Bau - me. Oft sitz* ich da 

ffc'E r'l J 1 J|J 4ffH?jUMl l 

stun-den-lang, schau um-her und trau - me. 



74 | JUGEND UND LIEBE | * 

2. Auch die Blümlein in dem Grün an zu sprechen fangen, und 
das blaue Blümlein sagt: sieh 1 mein Köpfchen hangen! Röslein 
mit dem Dornenkuß hat mich so gestochen: Ach! das macht mich 
gar betrübt, hat mein Herz gebrochen. 

3. Da naht sich ein Spinnlein weiß, spricht: sei doch zufrieden; 
einmal mußt du doch vergehn, so ist es hienieden; besser, daß 
das Herz dir bricht von dem Kuß der Rose, als du kennst die 

Liebe nicht Und Stirbst liebelose. Friederike Robert. 



89 Volksweise, zuerst in Fr. Silchers (1789—1860) Volksliedern, Heft 3, 1827. 



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. f Wo a kleins Hütt - le steht, ist a kleins Güt-le, 
V wo a kleins Hütt - le steht, ist a kleins 



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Gut. Und wo viel Bu-be sind, Maid-le sind, Bu-besind, 



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do ist's halt lieb -Ii, do ist's halt gut. 



2. Lieble ist's überall, lieble auf Erde, lieble ist's überall, lustig 
im Mai; wenn es nur mögle war, z' mache war, mogle war, mei 
müßt du werde, mei müßt du sei! 

3. Wenn zu meim Schätzle kommst, tu mers schön grüße, wenn 
zu meim Schätzle kommst, sag em viel Grüß'; wenn es fragt, wie 
es geht, wie es steht, wie es geht, sag, auf zwei Füße, sag, auf 
zwei Füß'. 

4. Und wenn es freundli is, sag, i sei g'storbe, und wenn es 
lache tut, sag, i hätt' g'freit; wenn's aber weine tut, klage tut, weine 
tut, sag, i komm morge, sag, i komm heut! 

5. Maidle, trau nit so wohl, du bist betröge. Maidle, trau nit 
so wohl, du bist in G'fahr: Daß i di gar nit mag, nimme mag, 
gar nit mag, seil is verlogen, seil is nit wahr. 

Schwäbisches Volkslied. 



JUGEND UND LIEBE 



75 



Volksweise. 



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1. Z'nachst bin i halt gan - ge ü - bers 



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Ber - gel im Wald, und da g'freut's mi zu 



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woh - ne, weil 'sJo - dein schön hallt, weil 



'sJo - dein schön hallt im stock - fin - stern 



Wald, und a Dien - del dort hü - tet, das mer 



gar so gut g'fallt. Jodler. 



76 I JUGEND UND LIEBE 



2. Das mer gar so gut g'fallt, wie koi andre so bald, und 
schön schwarzauget ist und net z' jung, net z' alt, und net z' 
groß und net z' klein; i möcht' halt koi andre als grad die allein. 
Jodler. 

3. Als nur die grad allein und koi andre auf der Welt, hätt' 
sie net so viel Küh und no soviel Geld. Jetzt, Diendl vom Wald, 
geh\ sei net so kalt, nimm di zamm und sag's auger, ob mei 
Lieb dir net g'fallt. Jodler. steirisches Volkslied. 




2. Zu Lauterbach hab' i mein Herz verlor'n, und ohne Herz 
kann i nit leb'n; jetzt muß i halt wieder nach Lauterbach, und 
's Dirndl soirs seini mir geb'n. 

3. O Vater, wann gibst mir denn's Heimatel, o Vater, wann 
laßt mir's verschreiben? Mei Dirndl wachst auf als wie's Grum- 
matel, will nimmer lediger bleib'n. 

4. Mei Dirndl hat schwarzbraune Äugele, so nett wie a Täuberl 
schaut's her; und wann i beim Fenster oan Schnaggler tu, dann 
kommt sie ganz freundli daher. 



JUGEND UND LIEBE 



5. Jetzt hab* i mei Häuserl auf a Schneckerl baut, es kriecht 
mir das Schneckerl davon. Jetzt schaut mi mei Dirndl ganz launi 
an, dag i kein Häuserl mehr han. 

6. Wenn i ins Zillertal eini geh', leg' i mei Pluderhos an, und 
wenn i mei Dirndl in d' Kirchen seh', schau' i kein'n Heil'gen 
mehr an. 

7. Alliweil kann man nit lustig- sein, alliweil kann man nit 
woan; das eini Mal geh* i zum Dirndl aus, das andre Mal bleib' 

i dahoam. Fliegendes Blatt 1820, bayrisch. 



92 Schwedisches Volkslied. 

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U Zum Tan-ze da geht ein Mä-del mit gül-de-nem 



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Band, ein schö-nes Mä-del mit gül - de-nem Band; das 





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schlingt sie dem L 


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eb - sten gar 

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fest um die Hand, das 



schlingt sie dem Lieb -sten gar fest um die Hand. 



2. Mein herzallerliebstes Mädel, so laß mich doch los, mein 
liebstes Mädel, so laß mich doch los; ich lauf dir gewißlich 
auch so nicht davon. 

3. Kaum löset die schöne Jungfer das güldene Band, kaum 
löst die Jungfer das güldene Band, da war in den Wald schon 
der Bursche gerannt. Deutsch von A. J. Boruttau. 



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78 1 



NATUR UND WANDERN 



II. NATUR UND WANDERN. 



93 



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Mel: „Fahret hin", 1710. 

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1. AI - les neu macht der Mai, macht die See - le 

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frisch und frei; lagt das Haus, kommt hin -aus, win-det 
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ei - nen Strauß! Rings er - glän-zet Son-nen-schein, 
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duf - tend pran-get Flur und Hain; Vo - gel -sang, 
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Hör - ner - klang tönt den Wald ent - lang. 



2. Wir durchziehn Saatengrün, Haine, die ergötzend blühn, 
Waldespracht, neu gemacht nach des Winters Nacht Dort im 
Schatten an dem Quell, rieselnd munter, silberhell, klein und 
groß ruht im Moos, wie im weichen Schoß. 

3. Hier und dort, fort und fort, wo wir ziehen, Ort für Ort, 
alles freut sich der Zeit, die verjüngt, erneut. Wiederschein der 
Schöpfung blüht uns erneuend im Gemüt. Alles neu, frisch und 

frei macht der holde Mai. 1818. Herrn. Ad. v. Kamp, 1796—1867. 



NATUR UND WANDERN 



79 





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1. AI - le Vö-gel sind schon da, al - le Vö - gel, 
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al - le! Welch ein Sin - gen, Mu - si - ziem, Pfei-fen, 
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Zwit-schern, Ti - re - Hern! Früh - ling will nun 
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ff* r Cr j l J- J J j I j jl 



ein - mar- schiern, kommt mit Sang und Schal -le. 

2. Wie sie alle lustig sind, flink und froh sich regen! Amsel, 
Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar wünschet dir 
ein frohes Jahr, lauter Heil und Segen. 

3. Was sie uns verkündet nun, nehmen wir zu Herzen: Wir 
auch wollen lustig sein, lustig wie die Vögelein, hier und dort, 
feldaus, feldein, singen, springen, scherzen. 

Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



96 



1827. Nach Franz Schubert, 1797—1828. 



1. Am Brun-nen vor dem To-re, da steht ein 



Lin-den-baum ; ich träumt' in sei-nem Schat-ten so 



80 | NATUR UND WANDERN [j 

man-chen sü - ßen Traum; ich schnitt in sei-ne 
Rin - de so man-ches lie - be Wort; es 



zog in Freud' und Lei - de zu ihm mich 






















in 


1 - mer 


fort, zu 


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hm mi 


ch im - mer 


o '* 

fort. 



2. Ich mußt 1 auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht, da 
hab' ich noch im Dunkel die Augen zugemacht. Und seine 
Zweige rauschten, als riefen sie mir zu: Komm her zu mir, Ge- 
selle, hier findst du deine Ruh'! 

3. Die kalten Winde bliesen mir grad ins Angesicht; der Hut 
flog mir vom Kopfe; ich wendete mich nicht. Nun bin ich manche 
Stunde entfernt von jenem Ort, und immer hör' ich's rauschen: 

du fändest Ruhe dort! 1822. Wilhelm Müller, 1794-1827. 



96 1823. Mel. „Heute scheid' ich" von Alexander Fesca, 1820—1849. 

1. An der Saa - le hei - lern Stran-de ste - hen 
Bur - gen stolz und kühn. In - re Da - eher 







NATUR UND WANDERN 


81 



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sind zer - fal - len, und der Wind streicht durch die 



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Hai - len, Wol-ken zie - hen drü - ber hin. 

2. Zwar die Ritter sind verschwunden, nimmer klingen Speer 
und Schild; doch dem Wandersmann erscheinen auf den alt- 
bemoosten Steinen oft Gestalten zart und mild. 

3. Droben winken holde Augen, freundlich lacht manch roter 
Mund. Wandrer schaut wohl in die Ferne, schaut in holder Augen 
Sterne; Herz ist heiter und gesund. 

4. Und der Wandrer zieht von dannen, denn die Trennungs- 
stunde ruft; und er singet Abschiedslieder, Lebewohl tönt ihm 
hernieder, Tücher wehen in der Luft. 1826. Franz Kugler, 1808-1858. 



97 



Bergisch bei Erk, 1838 

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1. Auf ei - nem Baum ein 



Kuk - kuck — 











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sim-sa- la-bim-bam-ba-sa-la du-sa-la-dim — 
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auf ei - nem Baum ein 



Kuk - kuck 



saß. 



2. Da kam ein junger Jägers — simsala usw. — da kam ein 
junger Jägersmann. 

3. Der schoß den armen Kuckuck — der schoß den armen 
Kuckuck — tot. 



82 



NATUR UND WANDERN 



4. Und als ein Jahr vergangen — und als ein Jahr vergangen 

— war. 

5. Da ward der Kuckuck wieder — da ward der Kuckuck wieder 

— lebendig.* Volkslied. 
•Anmerkung: In Str. 5 wird das letzte Wort nicht gesungen, sondern ohne 

bestimmte Tonhöhe gesprochen. 



98 



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Mel. „In deinem Arm zu weilen" aus „Titus" 
von W. A. Mozart, 1756-1791. 



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1. Aus ih - rem Schlaf er - wa - chet von 



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neu - em die Na - tur; seht, wie die Son - ne 




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la - chet her - ab auf uns - re Flur. Sie 



war - met uns nun wie - der mit ih - rem gold - nen 

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Strahl, und fro - he Wander - lie - der er - tö - nen 





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in dem 


Tal. 




er - 


tö-nen in den 


=1= 

t Tal. 





2. Das junge Veilchen bietet uns seinen Balsam dar; der holde 
Lenz vergütet, was uns genommen war. Er meint's so gut, so 
bieder, teilt neue Freuden aus und lockt nun alles wieder ins 
freie Feld hinaus. 



NATUR UND WANDERN 83 



3. Drum hascht am Rosenbaume sein Kleid, eh* es verblüht 
und hin zum leeren Räume der Nichtigkeiten flieht: denn kurze 
Zeit nur weilet sein Fuß auf unsrer Flur; ist er einmal enteilet, 
hinweg ist jede Spur. 1801. Joh. Jac. Brückner, 1762—1811. 



99 

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Über Deutschland verbreitet. 



l /Bin ein fah - ren - der Ge - seil, ken-ne kei-ne 
lm \ Bin ein Rit - ter 



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be - sam, reit* auf Schusters 
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Mi 




















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Sor - gen; labt mich heut der 
Rap - pen, führ 1 den lock - ren 

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Fei - sen - quell, 
Zei - sig - hahn 



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tut es Rhein -wein mor-gen. } L , ß , d 
und den Spruch im Wap-pen: / 6 



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leich - ter Sinn, hin ist hin, hin ist hin! 
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Lu - stig" Blut und leich- ter Sinn, hin ist hin! 

2. Zieh* ich in ein Städtchen ein, spür' ich's im Gehirne, wo 
man trifft den besten Wein und die schönste Dirne. Spielmann 
lächelt wohlgemut, streicht die Fidel schneller, und ich werf 
ihm in den Hut meinen letzten Heller. Lustig Blut usw. 



84 



NATUR UND WANDERN 



3. Meister Wirt, darfst heut nicht ruhn, schlag' heraus den 
Zapfen! Back, Frau Wirtin, mir ein Huhn und zum Nachtisch 
Krapfen! Was ich heut nicht zahlen kann, zahlen will ich's 
künftig; darum schreib's mit Kreide an, Wirt, und sei vernünftig-! 
Lustig Blut usw. 

4. Wein' dir nicht die Äuglein trüb, Mägdelein, vor Trauer! 
Fahrender Gesellen Lieb' ist von kurzer Dauer. Fahrender 
Gesellen Lieb' endet vor den Toren; wein* dir nicht die Äuglein 
trüb; hast nicht viel verloren. Lustig Blut usw. 

5. Kommt ein Stern mit einem Schwanz, will die Welt zer- 
trümmern, leiert euren Rosenkranz, mich soll's wenig kümmern. 
Wird dem Weltenbrand zum Raub Berg und Wald und Heide, 
wird das Wirtshaus auch zu Staub, schwarzes Brett und Kreide. 

Rudolf Baumbach, 1840—1905. 



100 Volksweise. 



1. Blau-e Luft, Früh-lings-duft und der Win-deWehn! 




Im - mer - zu, oh-ne Ruh', ü - ber Tal und Höhn! 



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Hei-ßa, wie die Pul- se schlagen! In der Vö-gel Sang 



mischet sich, vom Wind ge-tra-gen, fer-ner Glocken- klang. 



La la la la, la la la la, 



NATUR UND WANDERN 



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2. Waldesnacht, Blätterpracht, das ist mein Palast! Heller 
Schall überall tönt durch Busch und Ast! Und so zieh' ich 
fröhlich weiter durch die schöne Welt, schaue von den Bergen 
heiter über Tal und Feld. La la la la usw. h. j. Boshard, 1823. 

101 1844. Karl Friedrich Zöllner, 1800—1860. 



1. Das Wandern ist des Mül-lers Lust, das Wandern ist des 



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Mül-lers Lust, das Wan - dem. Das muß ein schlech-ter 



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M01 -ler sein, dem niemals fiel das Wandern ein, dem 
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nie-mals fiel das Wan-dern ein, das Wan -dem, 



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Wandern, das Wan 



dem, das Wan 



dem, das Wandern, das Wandern, das Wan - dem. 

2. Vom Wasser haben wir's gelernt, vom Wasser! Das hat 
nicht Ruh 1 bei Tag und Nacht, ist stets auf Wanderschaft be- 
dacht, das Wasser. 



Volkslieder 



4 



86 



NATUR UND WANDERN 



3. Das sehn wir auch den Rädern ab, den Rädern, die gar 
nicht gerne stille stehn und sich mein Tag nicht müde drehn, 
die Räder. 

4. Die Steine selbst, so schwer sie sind, die Steine, sie 
tanzen mit den muntern Reih'n und wollen gar noch schneller 
sein, die Steine. 

5. O Wandern, Wandern, meine Lust, o Wandern! Herr 
Meister und Frau Meisterin, laßt mich in Frieden weiter ziehn 

und wandern. 1818. Wilhelm Müller, 1794-1827. 





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t. Der Früh-ling naht mit Brau-sen, er rü- stet sich zur 



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Tat, und un - ter Sturm und Sau-sen keimt still die grü-ne 



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Saat. Drum wach', er-wach', du Men-schen-kind, daß dich der 



Lenz nicht schlafend find'! Drum wach', er-wach', du Menschen- 



kind, daß dich der Lenz nicht schla - fend find', 















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daß dich der Lenz nicht schla - fend find'! 

2. Tu ab die Wintersorgen, empfange frisch den Gast! Er 
fliegt wie junger Morgen, er hält nicht lange Rast. Drum . . . 



NATUR UND WANDERN 



87 



3. Dir armen Menschenkinde ist wund und weh ums Herz? Auf, 
spreng- getrost die Rinde, schau mutig frühlingswärts! Es schmilzt 
das Eis, die Quelle rinnt, dir taut der Schmerz und löst sich lind. 

4. Und wie die Vöglein leise anstimmen ihren Chor, so schall 
auch deine Weise aus tiefer Brust empor! Bist nicht veramt, 
bist nicht allein, umringt von Sang und Sonnenschein. 

Karl Klingemann vor 1835. 









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j ( Der Mai ist ge-kommen, die Bäumeschlagen aus; "I 
\ da blei-be, wer Lust hat, mit Sor - gen zu Haus!/ 



Wie die Wolken dort wandern am himm-li - sehen Zelt, so 



steht auch mir der Sinn in die wei-te, wei-te Welt. 

2. Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt'! Wer weiß, 
wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht? Es gibt so manche 
Straße, da nimmer ich marschiert; es gibt so manchen Wein, den 
ich nimmer noch probiert. 

3. Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl 
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal! Die Quellen er- 
klingen, die Bäume rauschen all; mein Herz ist wie 'ne Lerche 
und stimmet ein mit Schall. 

4. Und abends im Städtlein, da kehr' ich durstig ein: „Herr 
Wirt, mein Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein! Ergreife die 
Fiedel, du lust'ger Spielmann, du! von meinem Schatz das Liedel, 
das sing* ich dazu." 

5. Und find' ich keine Herberg', so lieg' ich zur Nacht wohl 
unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht; im Winde die 
Linde, die rauscht mich ein gemach, es küsset in der Frühe das 
Morgenrot mich wach. 

6. O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust! da wehet 
Gottes Odem so frisch in die Brust; da singet und jauchzet das 
Herz zum Himmelszelt: Wie bist du doch so schön, o du weite, 

Weite Welt! 1834 . B. Geibel, 1815-1884. 



88 



NATUR UND WANDERN 



104 



1790. Joh. Abrah. Pet. Schulz, 1747—1800. 







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« | Der Mond ist auf - ge-gan -gen; die goldnen Sternlein 
* \ Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wie-sen 



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pran-gen am Hirn - mel hell und klar, 
stei - get der wei - ße Ne - bei 



wun-der-bar. 



2. Wie ist die Welt so stille und in der DämmVung Hülle so 
traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages 
Jammer verschlafen und vergessen sollt. 

3. Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen 
und ist doch rund und schön f So sind wohl manche Sachen, 
die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn. 

1773. Matthias Claudius, 1740—1815. 



105 

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Volksweise? 



1. Der Win - ter 



ist 



ein rech - ter Mann, kern- 



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fest und auf die Dau-er; sein Fleisch fühlt sich wie 



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Ei - sen an, er scheut nicht süß noch sau -er. 

2. Aus Blumen und aus Vogelsang weiß er sich nichts zu 
machen, haßt warmen Trank und warmen Drang und alle warmen 
Sachen. 

3. Doch wenn die Füchse bellen sehr, wenn's Holz im Ofen 
knittert, und um den Ofen Knecht und Herr die Hände reibt und 
zittert 



* | NATUR UND WANDERN | 89 

4. Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht, und Teich und 
Seen krachen, das klingt ihm gut, das haßt er nicht, dann will 
er tot sich lachen. 

5. Sein Schloß von Eis liegt weit hinaus, beim Nordpol an 
dem Strande, doch hat er auch ein Sommerhaus im lieben 
Schweizerlande. 

6. Da ist er denn bald dort, bald hier, gut Regiment zu führen, 
und wenn er durchzieht, stehen wir und sehn ihn an und frieren. 

Vor 1782. Matthias Claudius, 1740—1815. 



106 

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Thysius Lautenbuch, 1600. 



. ( Der Win-ter ist ver - gan-gen, ich seh* des 
*\ Ich seh* die Blüm -lein pran-gen, des ist mein 



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Mai-en Schein. 1 0 ■ m . * 

Herz er - freut. / So fern ln » e " nem Ta " Ie > da 



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ist gar lu - stig sein, da singt die Nach - ti- 



gal - le und manch Wald - vö - ge - lein. 



2. Ich gehe, ein* Mai zu hauen, hin durch das grüne Gras, 
schenk* meinem Buhl die Treue, die mir die liebste was. Und 
bitt*, daß sie mag kommen, all an dem Fenster stahn, empfang'n 
den Mai mit Blumen, er ist gar wohl getan. 
,, r ?* Er nanm sie sonder Trauern in seine Arme blank; der 
Wächter auf der Mauern hub an ein Lied und sang: „Ist jemand 
noch darinnen, der mag bald heimwärts gahnl Ich seh* den Tag 
herdringen schon durch die Wolken klar." 



90 



NATUR UND WANDERN 



4. Ach, Wächter auf der Mauern, wie quälst du mich so hart! 
Ich lieg 1 in schweren Trauern, mein Herze leidet Schmerz; das 
macht die Allerliebste, von der ich scheiden muß; das klag* ich 
Gott dem Herrn, daß ich sie lassen muß. 

5. Adjö, mein Allerliebste, adjö, schön Blümlein fein, adjö, 
schön Rosenblume, es muß geschieden sein. Bis daß ich wieder- 
komme, bleibst du die Liebste mein; das Herz in meinem Leibe 

gehört ja allzeit dein. Niederländisches Volkslied aus dem 15. Jahrh. 



107 



W. H. Veit, 1806—1864. 



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1. Des Sonn - tags in der Mor - gen - stund*, wie 
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wan - dert sich's so schön am Rhein, wenn rings in 



wei - ter Rund* die Mor-gen-glok - ken gehn. Wie 



wan -dert sich's so schön am Rhein, am Rhein, am 



grü - nen Rhein, am Rhein, am grü - nen Rhein. 

2. Ein Schiff lein zieht auf blauer Flut, da singt's und jubelt's 
drein. Du Schifflein, gelt, das fährt sich gut in all die Lust hinein. 

3. Vom Dorfe hallet Orgelton, es tönt ein frommes Lied; an- 
dächtig in der Frühe schon das Volk zur Kirche zieht. 

4. Und ernst in all die Herrlichkeit die Burg herniederschaut 
und spricht von alter, starker Zeit, die auf den Fels gebaut. 

5. Das alles beut der prächt'ge Rhein an seinem Rebenstrand 
und spiegelt recht in hellem Schein das ganze Vaterland. 

Robert Reinick, 1805—1852. 



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NATUR UND WANDERN 



91 



108 


1840. Wahrscheinlich von W. v. Zuccalmaglio, 1808—1860. 






















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V Die Blüm -lein al - le schla-fen schon längst im 



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Mon-den-schein, sie nik-ken mit den Köpf-chen auf 



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ren Sten - ge - lein. Es rüt - telt sich der 



Blü - ten-baum, er sau - seit wie im Traum, 

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Schla - fe, schla - fe, mein Kind, mein Kin-de-lein! 

2. Die Vögelein, sie sangen so süß im Sonnenschein; sie sind 
zur Ruh' gegangen in ihre Nestlein klein. Das Heimchen in dem 
Ahrengrund, es tut allein sich kund: Schlafe, schlafe, mein Kind, 
mein Kindelein! 

3. Sandmännchen kommt geschlichen und guckt durchs Fenster- 
lein, ob irgend noch ein Liebchen nicht mag zu Bette sein. Und 
wo er nur ein Kindchen fand, streut er ins Aug' ihm Sand. Schlafe, 
schlafe, mein Kind, mein Kindelein! 

1840. Wahrscheinlich von W. v. Zuccalmaglio. 



109 



1611. Melch. Franck, 1573—1639. 




1. Die lie - be Mai-en - zeit mein gan - zes Herz er- 



92 



NATUR UND WANDERN 



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freut, wenn ich nur tu' an - schau - en 



die 









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Blüm - lein auf der Au - en 


und hör die 



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Vö - gel sin - gen, wie es so schön tut klin - gen. 

2. Doch vielmehr noch der Freud' mir jetzund dieses geit, 
mit Jungfrauen spazieren, im Gras sich erlustieren mit lieb- 
lichem Umfangen, darnach trag' ich Verlangen. 

3. Ein Musi wohlbestellt mir noch viel besser g'fällt, das 
macht die Freud' im Herzen und lindert alle Schmerzen; drum 
lagt uns fröhlich singen und eins einander bringen. 

Melchior Franck. 



110 


Franz Schubert, 1797—1828. 
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)ie lin - den Lüf - te 
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sind er - wacht, sie 


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i - sein und we - hen 


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Tag und Nacht, sie 



schaf - fen an al - len En - den, an 

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al - len En - den. O fri - scher Duft, o 



NATUR UND WANDERN 



93 









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neu - er Klang, 



neu - er Klang! 



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Nun, ar - mes Her - ze, sei nicht bang! 

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Nun muß sich al - les, al 
— fe- 



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les wen - den, 



nun muß sich al - les, al - les wen - den. 
2. Die Welt wird schöner mit jedem Tag; man weiß nicht, 
was noch werden mag, das Blühen will nicht enden, es will 
nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal, es blüht das 
tiefste Tal: Nun, armes Herz, vergiß der Qual! Nun muß sich 
alles, alles wenden . . . Ludwig Unland, 1787—1862. 



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1820. Aus „Preziosa" von C. M. v. Weber, 1786—1826. 
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1. Die Sonn' er - wacht! Mit ih - rer Pracht er- 
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füllt sie die Ber-ge, das Tal. O Mor-gen-luft, o 
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Wal-des-duft, o gol-de-ner Son - nen- strahl! -strahl! 



94 



NATUR UND WANDERN 



2. Mit Sing und Sang die Welt entlang! Wir fragen woher 
nicht, wohin. Es treibt uns fort von Ort zu Ort mit freiem, mit 
fröhlichem Sinn. 

3. In nah und fern führt uns ein Stern. Auf ihn nur gerichtet 
den Blickl O Freiheit, dir, dir folgen wir, und keiner bleibt, 
keiner zurück! 1820. P. A. Wolff, 1782—1828. 

112 1823. Nach dem Jägerchor aus Euryanthe von C. M. v. Weber, 1786—1826. 

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1. Die Ta - le damp-fen, die Hö - hen glühn, die 
frön - lieh Ja - gen in Wal - des -grün, in 



Hö - hen glühn; welch 

Wal- des - grün! Der Mor - gen weckt zu fri -scher 



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Lust; hoch schwillt die Brust, des Siegs be -wüßt. Dringt 



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mu-tig du 

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rch Schluchten und Moor! Lagt schmettern die 

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ör-ner im 


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Chor! Lagt schmett( 

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im die Hörner, die Hörner im 



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Chor! Ihr Für - sten der Wal-dung, der Wal-dung her- 



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vor! Lagt schmet - tern die Hör - ner im 



NATUR UND WANDERN 



95 



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Chor! Ihr Für-sten der Wal-dung her - vor! 

2. Es strahlet golden der Sonne Licht, das siegreich durch die 
Gebüsche bricht. Ich schieß' den Aar auf luft'gem Horst, erleg' 
das Wild im dichten Forst. Wohlauf denn durch Schluchten und 
Moor! Laßt schmettern USW. 1823. Nach Helmine von Ch<§zy, 1783—1856. 



113 1814. Mel.: „In einem kühlen Grunde". Nach Friedr. Glück, 1793-1840. 

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1. Dort un - ten in der Müh - le saß 
ich in sü - ßer Ruh' und sah dem Rä - der- 
spie - le und sah den Was-sern zu, und 
sah dem Rä- der - spie- le und sah den Wassern zu. 



2. Sah zu der blanken Säge — es war mir wie ein Traum — 
die bahnte lange Wege in einen Tannenbaum. 

3. Die Tanne war wie lebend; in Trauermelodie, durch alle 
Fasern bebend, sang diese Worte sie: 

4. „Du kehrst zur rechten Stunde, o Wanderer, hier ein; du 
bist's, für den die Wunde mir dringt ins Herz hinein. 

5. Du bist's, für den wird werden, wenn kurz gewandert du, 
dies Holz im Schoß der Erden ein Schrein zur langen Ruh'. 4 * 

6. Vier Bretter sah ich fallen, mir ward's ums Herze schwer; 
ein Wörtlein wollt' ich lallen, da ging das Rad nicht mehr. 

1830. Justinus Kerner, 1786—1862. 



96 



NATUR UND WANDERN 















1. Drauß ist 


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präch-tig, un 


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wird mir so 




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wohl, wenn meiern Schätzle be-däch-tig a Sträu-ße-le i 



hol'. Mein Herz -lein tut sich freu - en, und es 



blüht mir au dar - in. Im Mai, im schö-nen 



3f 



Mai-en han i viel no im Sinn, han i viel no im Sinn. 

2. Wenn die Vöglein tun singe, früh am Morgen zieh* i aus: 
kann i 's halt no verzwinge, hol* i 's Schätzele ins Haus. Und 
es wird sich scho mache, denn i mein es ja so gut. Unser 
Herrgott wird's scho mache, daß er z'samme uns tut. 

3. Wenn am Abend erklinge rings die Glöckle zur Ruh', 
will mei'm Schätzle i singe: Mache die Äuglein jetzt zu! Alle 
Blümle verblühe, und der Mai ist bald vorbei: Doch dafür wird 
er einziehe in zwei Herze so treu. Friedr. Richter, 1835. 



115 


Karl Frie 


drich 


Zelter, 1758—1832. 











1. Durch Feld und Bu - chen - hal - len, bald 



NATUR UND WANDERN 



97 



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sin- gend, bald fröh- lieh still, recht lu- stig sei vor 
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al - len, wer 's Rei - sen wäh-len will ! Wenn's kaum im 



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O-sten glüh-te, die Welt noch still und weit, da 



wehtrechtdurchsGe-mü - te die schö-ne Blü-ten-zeit. 

2. Die Leren', ein Morgenbote, sich in die Lütte schwingt, 
eine frische Reisenote durch Wald und Herz erklingt. O Lust, 
vom Berg zu schauen, weit über Berg und Strom, hoch über sich 
den blauen, tiefklaren Himmelsdom. 

3. Vom Berge Vöglein fliegen und Wolken so geschwind, 
Gedanken überfliegen die Vögel und den Wind. Die Wolken 
ziehn hernieder, das Vöglein senkt sich gleich, Gedanken gehn 
und Lieder fort bis ins Himmelreich. Joseph v. Eichendorff, 1788-1857. 



116 



Wolfgang Amadeus Mozart, 1756—1791. 









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sank die 


Son - ne 


nie - der, und nun 



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wird es A - bend wie- der, küh-le Luft be-ginnt zu 



wehn ; sü - fce La - bung trau - feit nie- der, und es 



98 



NATUR UND WANDERN 




badet sich im Tau Halm und Blum* in Feld und Au. 



2. Stille wird es und es dunkelt, und der Abendstern schon 
funkelt: alles ist schon müd und matt; alles suchet Ruh' und 
Frieden; nur die Nachtigall noch wacht, singt uns eine gute Nacht. 

Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



117 E. Adolf Wendt, 1806—1850. 

L Eh noch der Lenz be - ginnt, Schnee von den 









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Ber - gen rinnt, sin - get das Vög - lein schon 



freu - di - gen Ton, freu - di - gen Ton. 



2. Noch blüht kein Veilchen blau, noch ist der Wald so grau, 
was mag das Vögelein denn so erfreun? 

3. Wärme und heller Schein hauchen ihm Ahnung ein: bald 
kommt mit neuem Glück Frühling zurück! 

4. Voll dieser Fröhlichkeit singt's ob der dürren Heid', lernt 
auf den künftigen Mai Lieder sich neu. a. e. Fröhlich, 1796—1835. 



118 


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£) 7 Volksweise, 1850. 

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1. Ein Hei - 1er und ein Bat - zen war'n 



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NATUR UND WANDERN 



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all zwei bei - de mein; der Hei - ler ward zu 









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Was-ser, der Bat - zen ward zu Wein. Juch-hei-di, 

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juch - hei - da, val - le - ri, juch - hei - ras - sa, 

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juch - hei - di, juch - hei - da, val - le - ri, juch - he! 

2. Die Mädel und die Wirtsleut', die rufen beid': O weh! Die 
Wirtsleut', wenn ich komme, die Mädel, wenn ich geh'. Juch- 
heidi usw. 

3. Mein 1 Stiefel sind zerrissen, mein Schuh», die sind entzwei, und 
draußen auf der Heiden, da singt der Vogel frei. Juchheidi usw. 

4. Und gab's kein Landstraß' nirgend, da säß ich still zu Haus, 
und gäb's kein Loch im Fasse, da tränk' ich gar nicht draus. 

Juchheidi USW. 1830. Graf Schlippenbach, 1800—1886. 



119 1825. Conrad Rorter, 1801—1851. Vom Volke znrecht gesungen. 

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1. Ein Sträußchen am Hu - te, den Stab in der Hand, muß 

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zie-hender Wand-rer von Lan-de zu Land. Er 



100 



NATUR UND WANDERN 




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zieht vie-le Straßen, er sieht man-chen Ort; a-ber 



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fort muß er wie - der, muß wei - ter fort. 

2. Viel Blumen am Wege, die sieht er da stehn, der Wandrer 
muß leider vorübergehn; sie duften so herrlich, sie duften so 
schön! Doch fort muß er wieder, muß weiter ziehn. 

3. Da sieht er ein Häuschen, am Felsen gebaut, von schattigen 
Baumen so herrlich belaubt; da tut's ihm gefallen, da sehnt er 
sich hin; doch fort muß er wieder, muß weiter ziehn. 

4. Ein niedliches Mädchen, das redet ihn an: „Sei freundlich 
willkommen, du Wandersmann!" Sie sieht ihm ins Auge, er drückt 
ihr die Hand; doch fort muß er wieder in ein anderes Land. 

5. Es bietet das Leben ihm manchen Genuß, das Schicksal 
gebietet dem strauchelnden Fuß; da steht er am Grabe und 
schauet zurück, hat wenig genossen das irdische Glück. 

Conrad Rotter. 



120 



Joseph Gersbach, 1787—1830. 




{ i es ka-mengrü-ne Vö-ge-lein ge - flo-gen her vom 
und setz-iensich im Sonnenschein im frön- li-chen Ge- 




Him-mel \ 
wim-mel / 



all 



an des Baumes Ä-ste und sa-ßen da so 



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fe-ste, als ob sie an - ge - wach-sen sei'n. 
2. Sie schaukelten in Lüften lau auf ihren schwanken Zweigen, 
sie aßen Licht und tranken Tau, und wollten auch nicht schweigen- 
Sie sangen leise, leise, auf ihre stille Weise, von Sonnenschein 
und Himmelblau. 



NATUR UND WANDERN 



101 



3. Wenn Wetternacht auf Wolken sag, so schwirrten sie er- 
schrocken; sie wurden von dem Regen nag und wurden wieder 
trocken; die Tropfen rannen nieder vom grünenden Gefieder, und 
desto grüner wurde das. 

4. Da kam am Tag der scharfe Strahl, ihr grünes Kleid zu 
sengen, und nächtlich kam der Frost einmal, mit Reif es zu be- 
sprengen; die armen Vöglein froren, ihr Frohsinn war verloren, 
ihr grünes Kleid ward bunt und fahl. 

5. Da trat ein starker Mann zum Baum und hub ihn an zu 
schütteln, vom obern bis zum untern Raum mit Schauern zu durch- 
rütteln; die bunten Vöglein girrten und auseinander schwirrten; 

WOhin Sie flogen, weiß man kaum. Friedrich Rückert, 1788—1866. 



121 



Volksweise. 







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1. Es klingt ein lieb -lieh Läu-ten die to - te Flur ent- 

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lang, das weckt die er - sten Blu - men und auch den 



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Vo - gel - sang, den Vo 



gel - sang. 



2. Es klingt ein lieblich Läuten durch Fluren weit und breit, 
drum schwillt mein Herz im Drängen voll Lust zu dieser Zeit. 

3. Es klingt ein lieblich Läuten so süß und wundersam, 
weil auf die öden Fluren der Frühling wiederkam. 

4. Es klingt ein lieblich Läuten und alles blüht und sprüht, 
Schneeglöckchen hat gewecket zum Sang auch mein Gemüt. 

Müller v. d. Werra, 1823—1881. 



122 



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1. Es 



1825. Weise aus „Oberon" von C. M. v. Weber, 1786—1826. 
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mur - mein die 
schau- kein im 



Wel - len, es säu - seit der 
Spie - le den Na - chen ge- 



102 



NATUR UND WANDERN 



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Wind, sie -schwind. Wir glei-ten hin-un - ter das 

sin - gen am Ru - der den 



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U - fer ent-lang und Mor 



gen-ge-sang. 



2. Der Himmel ist heiter, das Wasser ist hell, es springen 
die Lämmer am rauschenden Quell. Wir hören die Vögel im 
sonnigen Grün, wo duftend die Blumen zu tausenden blühn. 

3. Wir folgen den Wellen mit lachendem Sinn, die plätschern- 
den wissen am besten wohin. Noch strahlt uns der Morgen mit 
rosigem Licht, wir kennen die Sorgen des Lebens noch nicht. 

4. O Morgen, o Jugend, wie eilst du vorbei, gleich singenden 
Kindern im blühenden Mai, wie spielende Lüfte, wie Wellen im 
Tal, wie Blüten und Düfte enteilet dein Strahl. 

5. Und wachsen die Schatten und nahet die Nacht in ernster, 
in stiller, erhabener Pracht, dann fahren wir wieder dem Vater- 
haus zu und landen am Ufer und kehren zur Ruh\ 

Franz Graf von Pocci, gest. 1876. 



123 Französische Jägermelodie : Pour aller ä la chasse faut etre matineux, 1724. 

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/ Esziehnnach fer-nen Landen die ue-oen 
** \ und wenn sie wie-der kommen, so sehn sie 



lie-ben 




Vö-ge-lein, \ Im Hain, bergauf, bergun-ter, da 
lu - stig drein. / ' & 



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klingt's aus vol- 1( 

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mun - ter von 


nichts als 


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lust. 





2. Die Sonne, Mond und Sterne, die wandern jeden Tag, 
und Wogen, Wind und Wolken, die machen's ihnen nach. 
Es wandert selbst die Erde, die sich's doch kaum bewußt, es 
träumen Hirt und Herde von nichts als Wanderlust. 



3. Die Menschen alle wandern zum fernen welschen Land, 
zum Norden, zu dem Süden, zum Meer und Bergesrand und 
schreiben tausend Lieder aus ihrer vollen Brust und singen 
immer wieder von nichts als Wanderlust. 

4. Ihr wollt es mir verargen, wenn ich am schönen Tag wohl 
auch eins wandern möchte den hellen Wolken nach; und haltet 
mich geringe, wenn ich aus voller Brust ein einzig Liedchen 
singe von nichts als Wanderlust? Karl Ensün, 1819—1875. 



124 C. M. v. Weber, 1786-1826. 

1. Feld - ein- wärts flog ein Vö - ge - lein und 

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hel - len Son - nen-s 


chein mit sü - gern, 











wun - der - ba - rem Ton: A - de, ich flie - ge 
nun da - von; weit, weit, weit, weit, weit, weit reis' 



104 | NATUR UND WANDERN 1 * 

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ich noch heut*, weit, weit, weit, weit. 

2. Ich horchte auf den Feldgesang, mir ward so wohl und 
doch so bang; mit frohem Schmerz und trüber Lust stieg 
wechselnd bald und sank die Brust. Herz! Herz! brichst du 
vor Wonn' oder Schmerz? 

3. Doch als ich Blätter fallen sah, da dacht' ich: Ach! der 
Herbst ist da! Der Sommergast, die Schwalbe, zieht; vielleicht 
so Lieb* und Sehnsucht flieht weit, weit, rasch mit der Zeit! 

4. Doch rückwärts kam der Sonnenschein, dicht zu mir drauf 
das Vögelein; es sah mein tränend Angesicht und sang: Die 
Liebe wintert nicht, nein, nein! ist und bleibt Frühlingsschein. 

1796. L. Tieck, 1773—1853. 



125 Sehr langsam. 

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Ludwig van Beethoven, 1770—1826. 
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( Heir-ge Nacht, o gie - ße du Hirn- meis- 
te Bring dem ar - men Pil - ger Ruh 1 , hol - de 















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frie - den 



dies Herz! 



Hell schon er- 



nem Schmerz! } 



glühn die Ster-ne, grü - ßen aus blau-er Fer - ne, 
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möch-te zu euch so ger-ne fliehn him-mel-wärts! 

Dichter unbekannt. 



NATUR UND WANDERN 



105 



126 



Mel. 1545. 



1. Herz-lich tut mich er- freu- en die f röh-lich 1 Som - mer- 



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zeit; all mein Ge - blüt er-neu-en, der Mai viel 



* 



Wol-lust beut. Die Leren* tut sich er-schwin-gen mit 



ih-rem hei - len Schall; lieb -lieh die Vög-lein 



* 



sin - gen, vor - aus die Nach - ti - gall. 

2. Der kuckuck mit seim schreien macht frölich jedermann, 
des abends frölich reihen die meidlin wolgetan; spazieren zu 
dem brunnen pflegt man in dieser zeit, all weit sucht freud und 
wonne mit reisen fern und weit. 

3. Es grünet in den wäldern, die beume blüen frei, die rös- 
lin auf den feldern von färben mancherlei; ein blümlein stet 
im garten, das heißt Vergiß nicht mein, das edle kraut Weg- 
warten macht guten augenschein. 

4. Ein kraut wechst in der auen mit namen Wolgemut, liebt 
ser den schönen trauen, darzu holunderblut, die weiß und 
roten rosen helt man in großer acht, kan gelt darumb gelosen, 
schön krenz man darauß macht. 

5. Das kraut Je lenger je lieber an manchem ende blüt, 
bringt oft ein heimlich fieber, wer sich nicht dafür hüt; ich 
hab es wol vernommen, was dieses kraut vermag, doch kan 
man dem vorkommen: wer Maßlieb braucht all tag. 



106 1 



NATUR UND WANDERN 



6. Des morgens in dem taue die meidlin grasen gan, gar 
lieblich sie anschauen die schönen blümlin stan, daraus sie 
krenzlin machen und schenkens irem schätz, den sie freundlich 
anlachen und geben im ein schmatz. 

7. Darumb lob ich den summer, dazu den meien gut, der 
wendt uns allen kummer und bringt viel freud und mut; der 
zeit will ich genießen, dieweil ich pfennig hab, und wen es 
tut verdrießen, der fall die stiegen ab! 

Volkslied, gedruckt zuerst 1545. 
127 1811. Mel.: „Integer vitae" von Friedrich Ferdinand Flemming, 1778—1813. 



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1. Hier in des A - bends trau -lieh ern - ster 



Stil - le J kann erst das Le - ben freu - dig 



sich ge - stal - ten; hier wo der Ein - tracht 



Sil 



sanf-te Gei-ster wal - ten, stärkt sich der Wil - le. 

2. Eintracht und Liebe halten uns zusammen; wie auch im 
Wechsel steigt und fällt das Leben, aufwärts die Blicke! kräftigt 
euer Streben, wahret die Flamme! 

3. Rastlos und fröhlich treiben unsre Blüten; wenn schon 
der Jugend Sterne abwärts zogen, winken sie freundlich doch 
vom fernen Bogen: Ruhe und Frieden! 

Christian Schulz, gest. 1827. 



Nach K. Fr. Curschmann, 1804—1841. 




1. Ich bin ein lust'ger Wan-ders-mann, und hab' ich 



n 



NATUR UND WANDERN 



107 



auch kein Geld, all - ü - ber-all durch Berg und Tal find' 



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ich ein off - nes Feld, find* ich ein off-nes Feld. 

2. Zur goldnen Sonne heißt das Schild, da kehr' ich früh 
schon ein; der Perlentau auf grüner Au ist mir der liebste Wein. 

3. Das zweite Gasthaus liegt im Wald, genannt zum grünen 
Baum, den Tisch gedeckt und hingestreckt auf sammetweichem 
Raum. 

4. Und Musikanten sitzen drin, die spielen früh und spat; 
Frau Nachtigall mit süßem Schall singt alles gleich vom Blatt. 

5. Und kommt der Abend dann heran, winkt mir der goldne 
Stern, und wie er winkt und wie er blinkt, ich folg' ihm gar 
zu gern. 

6. Da wird nicht lang erst angeklopft, Feinsliebchen ruft 
herein! die mir vertraut ins Auge schaut, gewiß, da kehr* ich 

ein. Fr. Förster, 1791—1868. 



129 



Aus dem Hessen-Darmstädtischen. 



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1. Ich ging durch ei-nen gras-grü - nen Wald, da 



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hört* ich die Vö-ge-lein sin-gen; sie san-gen so 



jung, sie san-gen so alt, die klei-nen Vö-ge-lein 



in dem Wald, die hör' ich so ger-newohl sin-gen. 



108 



NATUR UND WANDERN 



2. O sing mir, singe, Frau Nachtigall! wer möchte dich 
Sängerin stören? Wie wonniglich klingt's im Wiederhall; es 
lauschen die Blumen, die Vögelein all und wollen die Nachtigall 
hören. 

3. Nun muß ich wandern, bergauf, bergab; die Nachtigall 
singt in der Ferne. Es wird mir so wohl, so leicht am Stab, 
und wie ich schreite hinauf, hinab: die Nachtigall singt in der 
Ferne. Strophe 1 Volkslied. Strophe 2 und 3 Hermann Kletke. 



130 



Volksweise. 



1. Ich sag's, so trau - rig ist kein Nest, wo man 



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ei - ne Woch' ver - wei - let, daß es ei-nem 



nicht das Herz ab-preßt, wenn man von dan - nen 



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ei - let. Da bleib' ich stehn im Son -nen -strahl und 



schau-e zu-rück mit Trau-ern, hin - ab ins en-ge, 



dunk - le Tal, auf schwar-ze Türm' und Mau-ern. 



* 1 NATUR UND WANDERN | 109 

2. Und keine Musik ist so schlecht, auch nicht der Leier- 
kasten, daß, fühlt man nur die Töne recht, sie nicht zum Tanze 
paßten. Kein Liedel ist so lahm und dumm, es läßt sich fröhlich 
pfeifen, und kein Gesell so zahm und stumm, es läßt sich mit 
ihm streifen. 

3. Kein Weg so krumm und voll Gestein, der nicht zur 
Schenke lenke, und kommt man lustig nur hinein, ist's lustig 
in jeder Schenke. Und bin ich ein armer Teufel auch, will 
mich nicht schämen und grämen; ums Haupt den frischen 
Morgenhauch, den wird mir niemand nehmen. 

4. Vom Mädel der gestohrne Kuß, der Trunk für meinen 
Dreier, sind Ding', die man mir lassen muß; das andre hol' 
der Geier! Man achtet mich daheim nicht sehr, drum lieb* ich 
das Marschieren; da grüßen die Wipfel ringsumher, die Vöglein 
musizieren. Fr. v. Sallet, 1812—1843. 

131 Volksweise „Ich stand auf hohem Berge 44 , 1818. 

1. Im Krug zum grü - nen Kran- ze, da kehrtMch durstig 

H jyJ' i c c r>-9 i r M r c J l 

ein; da saß ein Wand-rer drin-nen, drin-nen am 
Tisch bei küh-lem Wein; da saß ein Wand-rer 

ff» r J' i r c ■Tic G c M r " i ' 

drin-nen, drin-nen am Tisch bei küh - lern Wein. 

2. Ein Glas ward eingegossen, das wurde nimmer leer; sein 
Haupt ruht auf dem Bündel, als wär's ihm viel zu schwer. 

3. Ich tät mich zu ihm setzen, ich sah ihm ins Gesicht, das 
schien mir gar befreundet, und dennoch kannt' ich's nicht. 

4. Da sah auch mir ins Auge der fremde Wandersmann und 
füllte meinen Becher und sah mich wieder an. 

5. Hei! was die Becher klangen, wie brannte Hand in Hand: 
„Es lebe die Liebste deine, Herzbruder, im Vaterland l tt 

1821. W. Müller, 1794—1827. 



110 



NATUR UND WANDERN 



132 Chor der Zigeuner aus „Preziosa" von C. M. v. Weber, 1786—1826. 

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1. Im Wald, im Wald, im Wald, im Wald, im 

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fri-schen, grü - nen Wald, im Wald, im Wald, wo's 
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E - cho schallt, wo's E - cho schallt, im 
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Wald, wo's E-cho schallt, im Wald, wo's E-cho schallt, da 



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tö - net Ge - sang und der Hör - ner Klang, da 



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tö - net Ge - sang und der Hör - ner Klang" so 

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lu - stig den schwei-gen-den Forst ent - lang, so 

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lu - stig den schwei-gen-den Forst ent - lang. Tra- 



NATUR UND WANDERN 



111 



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ra, tra 



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tra - ra, 
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ra, tra- 



ra, tra-ra, tra-ra, tra - ra, tra-ra, tra-ra! 

2. Die Welt, die große weite Welt, die Welt ist unser Zelt. 
Und wandern wir singend, so schallt die Luft, die Wälder, die 
Täler, die felsige Kluft. Hailoh! Pius Alex. Wolff, 1784—1828. 

Anmerkung: Die Echostellen werden am wirksamsten durch wenige 
Stimmen ausgeführt, die in angemessener Entfernung aufgestellt sind. 

1810. August Härder, 1774—1813. 



133 



1. In dem gold - nen Strahl ü - ber Berg und 



Tal läßt du lu - stig dein Lied er - klin-gen, 



schwe-best hin und her in dem blau - en 



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Meer, dir zu küh-len die luf-ti-gen Schwingen. 

2. Wo die Wolke saust, wo der Waldstrom braust, kannst du 
auf, kannst du nieder schweben, so mit einem Mal aus der Höh' 
ins Tal: ach, was führst du ein herrliches Leben! 

1815. Ludwig Franz Deinhardstein, 1794—1859. 



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NATUR UND WANDERN 



134 

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1878. Franz Abt, 1819—1885. 



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1. Kei-nen Trop-fen im Be- eher mehr, und der 



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Beu - tel schlaff und leer, lech-zend Herz und 



Zun-ge. An-ge-tan hat's mir dein Wein, dei-ner 



Äug - lein hei -ler Schein, Lin-den-wir- tin, du 



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jun - ge! Lin - den - wir - tin, du jun - ge! 



2. „Angekreidet wird hier nicht, weil's an Kreide uns ge- 
bricht", lacht die Wirtin heiter. „Hast du keinen Heller mehr, 
gib zum Pfand dein Ranzel her, aber trinke weiter!" 

3. Tauscht der Bursch' sein Ranzel ein gegen einen Krug voll 
Wein, tat zum Gehn sich wenden. Spricht die Wirtin: „Junges 
Blut, hast ja Mantel, Stab und Hut; trink und laß dich pfänden!" 

4. Da vertrank der Wanderknab' Mantel, Hut und Wanderstab, 
sprach betrübt: „Ich scheide. Fahre wohl, du kühler Trank, 
Lindenwirtin, jung und schlank, liebliche Augenweide!" 

5. Spricht zu ihm das schöne Weib: „Hast ja noch ein Herz im 
Leib, laß mir's, trauter Wandrer!" Was geschah? — Ich tu's euch 
kund: Auf der Wirtin rotem Mund heiß ein andrer brannte. 

6. Der dies neue Lied erdacht, sang's in einer Sommernacht 
lustig in die Winde. Vor ihm stand ein volles Glas, neben ihm 
Frau Wirtin saß unter der blühenden Linde. 

1874. Rudolf Baumbach, 1840-1905. 



NATUR UND WANDERN 



113 



135 



1791. Wolfgang Amadeus Mozart, 1756—1791. 



1; Komm, lie-ber Mai und ma-che die Bäu-me wie-der 



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grün und lag uns an dem Ba-che die klei-nen Veil-chen 



blühn! Wie möch-ten wir so ger - ne ein Blüm-chen 

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wie - der - sehn! Ach, lie - ber Mai, wie 



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ger - ne ein - mal spa - zie - ren gehn! 



2. Zwar Wintertage haben wohl auch der Freuden viel: Man 
kann im Schnee eins traben und treibt manch Abendspiel, baut 
Häuserchen von Karten, spielt Blindekuh und Pfand, auch gibt's 
wohl Schlittenfahrten aufs liebe, freie Land. 

3. Doch wenn die Vögel singen und wir dann froh und flink 
auf grünem Rasen springen, das ist ein ander Ding! Drum komm' 
und bring* vor allem uns viele Rosen mit, bring* auch viel Nachti- 
gallen und schöne Kuckucks mit! 

1775. Christian Adolf Overbeck, 1755—1821. 



136 


F. Mendelssohn-Bartholdy, 1809—1847. 


1. Lei-se zieht durch mc 


sin Ge - müt lieb - li-ches Ge-läu - te ; 



114 



NATUR UND WANDERN 



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klin-ge, kleines Frühlings- lied, kling hinaus ins Wei - tel 

2. Zieh* hinaus bis an das Haus, wo die Veilchen sprießen; 
wenn du eine Rose schaust, sag', ich laß sie grüßen! 

Heinrich Heine, 1799-1856. 



137 D 



Um 1850. 



- ( Lu - stig ist das Zi - geu - ner - le - ben, 
\brau-chen dem Kai - ser kein Zins zu ge-ben. 















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Fa - ria, f a - ri 
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a! 
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grü - nen Wald, wo des Zi - geu - ners Auf - ent - halt. 

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Fa-ria, fa-ria, fa- ria, fa-ria, fa - ria, fa - ri - a! 

2. Auf dem Stroh und auf dem Heu, da machen wir uns ein 
großes Feu'r, blinzt uns nit als wie die Sonn', so leben wir in 
Freud' und Wonn'. 

3. Sollt' uns einmal der Hunger plagen, gehn wir uns ein 
Hirschlein jagen. Hirschlein, nimm dich wohl in acht, wenn des 
Jägers Büchse kracht. 

4. Sollt' uns einmal der Durst sehr quälen, gehn wir hin zu 
Wasserquellen, trinken das Wasser wie Moselwein, meinen, es 
müßt Champagner sein. « 



NATUR UND WANDERN 



115 



5. Mädchen, willst du Tabak rauchen, brauchst dir keine Pfeif 
zu kaufen; dort in meinem Mantelsack steckt ein* Pfeif und 
Rauchtabak. 

6. Wenn uns tut der Beutel hexen, lassen wir unsre Taler 
wechseln. Wir treiben die Zigeunerkunst, da kommen die Taler 
wieder all zu uns. 

7. Und wie's ist gangen und wie's ist gewesen, lassen wir uns 
die Planeten lesen. Schaun uns die Weiber wohl in die Hand, 
wird der Planet schon werden bekannt. 

8. Wenn wir auch kein Federbett haben, tun wir uns ein Loch 
ausgraben, legen Moos und Reisig 'nein, das soll uns ein Feder- 
bett sein. 

9. Manche haben blaue Augen, müssen eine Brille brauchen; wir 
mit unserm schwarzbraunen Gesicht brauchen keine Brille nicht. 

Aus Süddeutschland. 



138 Michael Anding, 1810-1879. 

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1. Mein Va - ter war ein Wan - ders - mann, und 



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mir steckt's auch im Blut; drum wandr' ich flott, so 

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lang* ich kann und schwen-ke mei-nen Hut, juch- 



he! Hei - di, hei - da, hei - di, hei - da! und 



schwen-ke mei-nen Hut, tra-la-la! Hei - di, hei 

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da! hei - di, hei -da! und schwen-ke mei-nen Hut! 



116 



NATUR UND WANDERN 



2. Das Wandern schafft stets frische Lust, erhält das Herz 
gesund; frei atmet draußen meine Brust, froh singet stets mein 
Mund. Juchhe! usw. 

3. Warum singt dir das Vögelein so freudevoll sein Lied? 
WeiFs nimmer hockt, landaus, landein durch andre Fluren zieht. 
Juchhe! usw. 

4. Was murmelt 's Bächlein dort und rauscht so lustig hin 
durchs Rohr? WeiFs fern sich regt, mit Wonne lauscht ihm dein 
empfänglich Ohr. Juchhe! usw. 

5. Drum trag' ich 's Ranzel und den Stab weit in die Welt 
hinein und werde bis ans kühle Grab ein flotter Bursche sein. 
Juchhe! USW. Dichter unbekannt. 



139 



Schwäbische Volksweise (Muß i denn) in Silchers Volksliedern. 







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Nach - ti 




gall, 


Nach - 


ti - gall, 


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sangst du so schön, sangst du so schön vor 
drang doch dein Lied, drang doch dein Lied in 



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gan-zeWelt: „Jetzt muß es Früh-ling sein!" Nach-ti- 



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gall, Nach - ti - gall, wie drang doch dein Lied, 



* I NATUR UND WANDERN | U 

drangt doch dein Lied in je - des Herz hin - ein! 

2. Nachtigall, was schweigest du nun? Du sangst so kurze 
Zeit. Warum willst du singen nicht mehr? Das tut mir gar zu 
leid. Wenn du sangest, war mein Herz so voll von Lust und 
Fröhlichkeit. Warum willst du singen nicht mehr? Das tut 
mir gar zu leid. 

3. Wenn der Mai, der liebliche Mai, mit seinen Blumen 
flieht, ist es mir so eigen ums Herz, weiß nicht, wie mir 
geschieht. Wollt' ich singen äuch, ich könnt' es nicht, mir ge- 
lingt kein einzig Lied; ja mir ist so eigen ums Herz, weiß 
nicht, Wie mir geschieht. Hoffmann von Fallersleben, 1797-1874. 



14 0 ^ m j 1840. Robert Schumann, 1810- 1856. 

O Son - nen - schein, o Son - nen - schein! Wie 





scheinst du mir ins H< 


srz hin-ein, weckst drin - nen lau-ter 

-m — L : . N — . 


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Lie-bes-lust, daß 


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mir so en- ge wird die Brust! 





Und en - ge wird mir Stub' und Haus, 

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und wenn ich lauf zum Tor hin - aus, da 



Volkslieder 



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118 | 


NATUR UND WANDERN 






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lockst du gar ins fri-sche Grün die al - ler-schön-sten 



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Mäd-chenhin, die al- ler-schön-sten Mäd - chen! 



0 Son - nen - schein! Du glau - best wohl, dag 
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ich wie du es ma-chen soll, der je - de schmuk-ke 



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Blu-me küßt, die e-ben nur sich dir er-schließt? Hast 



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doch so lang* die Welt er - blickt, und weißt, daß 



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sich's für mich nicht schickt; was machst du mir denn 





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) Son - nen-schein, 


o bon- nen-schein! 



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NATUR UND WANDERN 



119 



141 



Felix Mendelssohn-Bartholdy, 1809— 1847. 



1. O Tä - 1er weit, o Hö-hen, o schö-ner, grü-ner 



Wald, du mei-ner Lust und We-hen andächt'ger Auf-ent- 



halt! Da drau- gen, stets be-tro-gen, saust die ge- 

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schaff ge Welt. Schlag' noch ein - mal die Bo-gen um 



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mich, du grü - nes Zelt; schlag' noch ein - mal die 



Bo - gen um mich, du grü - nes Zelt! 

2. Wenn es beginnt zu tagen, die Erde dampft und blinkt, 
die Vögel lustig schlagen, dag dir dein Herz erklingt: Da mag 
vergehn, verwehen das trübe Erdenleid, da sollst du auferstehen 
in junger Herrlichkeit. 

3. Da steht im Wald geschrieben ein stilles ernstes Wort von 
rechtem Tun und Lieben und was der Menschen Hort. Ich 
habe treu gelesen die Worte schlicht und wahr, und durch 
mein ganzes Wesen ward's unaussprechlich klar. 

4. Bald werd' ich dich verlassen, fremd in die Fremde gehn, 
auf buntbewegten Gassen des Lebens Schauspiel sehn; und 
mitten in dem Leben wird deines Emsts Gewalt mich Ein- 
samen erheben, so wird mein Herz nicht alt. 

1810. Joseph v. Eichendorff, 1788—1857. 



120l 



NATUR UND WANDERN 



142 Mel. zu „Uffen Berg do möchti ruaihn" i 


'on Hoffmann von Fallersleben, 1822. 
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1. O, wie ist es kalt ge-wor-den und so 



trau-rig, öd' und leer! Rau-he Win - de wehn von 



Nor - den, und die Son - ne scheint nicht mehr. 



2. Auf die Berge möcht' ich fliegen, möchte sehn ein grünes 
Tal, möcht' in Gras und Blumen liegen und mich freun am 
Sonnenstrahl! 

3. Möchte hören die Schalmeien und der Herden Glocken- 
klang, möchte freuen mich im Freien an der Vögel süßem 
Sang! 

4. Schöner Frühling, komm doch wieder, lieber Frühling, 
komm doch bald! bring uns Blumen, Laub und Lieder, schmücke 
wieder Feld und Wald! 1835. Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



143 




1 b. * ö. m P m 


Volksweise. 
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1. 0, wie lu-stig läßt sich's jetzt mar -schieren in der 



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fri - sehen, küh - len Mai - en - zeit! Wald und 



Feld ist grün, und die Blu - men blühn, und die 



NATUR UND WANDERN 



121 



Vö - ge - lein sin - gen lieb - lieh drein. O, wie 



lu - stig läßt sich's jetzt mar - schie - ren 

3 — * 



der fri - sehen, küh - len Mai - en - zeit! 

2. O wie lustig läßt sich's jetzt marschieren in der frischen, 
kühlen Maienzeit! Und mit Sang- und Klang geht's das Tal 
entlang, und im Schritt und Trab frisch bergauf, bergab. O, 
wie lustig .... Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



144 



Volksweise. 




1—4. Rüh - ret die Trom-meln und schwenket die Fah - nen! 




1__4. Vor - wärts marsch, vi - val - le - ral - le - ra! 



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1. Wie sich heu - te froh die Vö - gel schwingen 







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Ii mit 


Ge-sang durch 


i Wald und Feld, 


wol-len wir auch 



122 



NATUR UND WANDERN 



1. sin-gen und springen in die wei-te, grü-ne Welt! 









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1-4. Marsch! marsch! marsch ! Heißa, wir halten unsern Maiengang 



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1—4. heu - te mit Ju - bei - ge - sang und Klang! 

2. Sei gegrüßt, du grüne Bergeshalde und du buntbeblümtes 
Tal! Ihr belaubten Bäum' in dem Walde, seid gegrüßt viel 
tausendmal! 

3. Sei gegrüßt, du heitrer, blauer Himmel und du milder 
Sonnenglanz! Frohes Leben, reges Gewimmel, Blättersäuseln, 
Halmentanz! 

4. Mit uns freut euch! Bäume, säuselt alle! Maienglöckchen, 
klinget drein! Vöglein, singt mit freudigem Schalle, stimmt in 
unsern Jubel ein! Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



145 1834. Aus dem „Nachtlager von Granada" von Konradin Kreutzer, 1780—1849. 



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Schon die A - bend - glok - ken klan- gen, 



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und die Flur im Schlum-mer liegt Wenn die 



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Ster-ne auf - ge-gan-gen, je - der gern in 



NATUR UND WANDERN 



123 



Traum sich wiegt. Ja, ein ru - hi - ges Ge- 



wis - sen mög* uns stets den Schlaf ver- 



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sü-ßen, bis der Mor-gen-ruf er- schallt, bis der 

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Mor-gen-ruf er- schallt und das Horn vom Fei- sen 





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Braun von Braunthal, 1834. 



146 




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Volks 
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»weise aus 


Thüringen 


1841. 

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1. Seht, 


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2n Wald! Glöck-chen schon 






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Ru-he uns win - ket; hört nur, wie lieb-lich es 



124 | 



NATUR UND WANDERN 



schallt! 



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1—3. Trau - Ii - ches Glöck-lein, 



du 



läu-testso schön! Lau - te, mein Glöck-lein, nur 




zu, 



lau - te zur sü - ßen Ruh'! 



2. Hört ihr das Blöken der Lämmer? Kühlende Lüfte schon 
wehn. Sehet, es fängt an zu dämmern, lasset zur Hütte uns gehn! 

3. Dörflein, so sei uns willkommen! Heut ist die Arbeit voll- 
bracht! Bald von den Sternen umschwommen, nahet die feiernde 

Nacht 1 Karl Kummerel, 1822—1857. 

14 \ „ Volksweise. 

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t. So schei-den wir mit Sang und Klang: Leb 



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wohl, du schö-ner Wald, 



mit dei-nem küh-len 



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Schat-ten, mit dei-nen • grü - nen Mat - ten, du 




sü - ger Auf - ent-halt, du sü-ger Auf-ent-halt. 



2. Wir singen auf dem Heimweg noch, ein Lied der Dank- 
barkeit: Lad ein wie heut uns wieder auf Laubesduft und Lieder 
zur schönen Maienzeit. 



ZI 



NATUR UND WANDERN 



125 



3. Schaut hin! von fern noch hört's der Wald in seiner Abend- 
ruh'; die Wipfel möcht er neigen, er rauschet mit den Zweigen; 
lebt WOhl, ruft er uns ZU. 1848. Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



148 

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Robert Schumann, 1810—1856. 



1. So sei ge- grüßt viel tau - send - mal, 



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hol-der, hol-der Früh-ling! Will- kom- men hierin 

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un - serm Tal, hol - der, hol - der Früh-ling! 

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Hol-der Früh-ling, ü- ber-all grü-ßen wir dich 



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froh mit Sang und Schall, mit Sang und Schall. 

2. Du kommst und froh ist alle Welt, holder, holder Frühling! 
Es freut sich Wiese, Wald und Feld, holder, holder Frühling! 
Jubel tönt dir überall, dich begrüßet Leren' und Nachtigall, und 
Nachtigall. 

3. So sei gegrüßt viel tausendmal, holder, holder Frühling! 
O bleib recht lang in unserm Tal, holder, holder Frühling! Kehr 
in alle Herzen ein, laß doch alle mit uns fröhlich sein, recht 
fröhlich sein! 1835. Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874. 



149 



1825. Friedrich Kuhlau, 1786-1832. 











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Gip-feln ist 


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Ruh', in 


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126 



NATUR UND WANDERN 




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Wip-feln hö - rest du kei - nen Laut; die 



Vög-lein schla-fen im Wal-de. War-te nur, 

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war - te nur, bal - de, bal - de schläfst auch 



du! War - te nur, war - te nur, bal - de, 



150 



bal - de schläfst auch du, bal- de schläfst auch du! 

1780. Joh. Wolfg. v. Ooethe, 1749—1832. 

1818. 



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1. Und sollt der Eu - len gan-zes Heer am 

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Son-nen- licht er - blin-den! Noch sen-det sie ihr 



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her mit 


Le-ben zu ent - 


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den. 



NATUR UND WANDERN 



127 



2. Doch sieh, wie sanfl sich in der Luft die Nebel rings zer- 
streuen! sie läßt den Eulen ihre Kluft, dem Maulwurf seine düstre 
Gruft und will mit Licht erfreuen. 

3. So lag, wenn deine Flammen glühn, nicht schrecken sie, 
nicht toben. Laß, wer da fliehen kann, entfliehnl Was blühen 
kann, wird durch sie blühn und dich als Sonne loben. 

Joh. Gottfried Herder, 1744—1803. 



151 



F. Theodor Fröhlich, 1803—1836. 



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m Gott will rech - te Gunst er- 
















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wei - sen, den schickt er in die wei - te 



Welt, dem will er sei - ne Wun - der 



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wei-sen in Berg und Wald und Strom und Feld. 



2. Die Bächlein von den Bergen springen, die Lerchen jubeln 
hoch vor Lust, wie sollt* ich nicht mit ihnen singen aus voller 
Kehl' und frischer Brust? 

3. Den lieben Gott lag ich nur walten: der Bächlein, Lerchen, 
Wald und Feld und Erd' und Himmel will erhalten, hat auch 
mein* Sach* aufs best' bestellt. 

1822. Joseph Freiherr v. Eichendorff, 1788—1857. 



152 

* 



Kart Wilhelm, 1815—1873. 



Ii Wenn der Früh-ling auf die Ber-ge steigt und im 



1287 



Son - nen-strahl der Schnee zer- fließt; wenn das 





er - ste Grün am Baum sich zeigt und im 



Gras das er - ste Blüm-chen sprießt; wenn vor- 




bei im Tal nun mit ei - nem Mal al - le 




Re - gen - zeit und Win - ter - qual, schallt es 




den Höhn bis zum Ta - le weit: 0 wie wun-der- 











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o wie wun - der-schön ist die Früh 



lings- 



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zeit! Wie wun - der - schön, wie wun-der- 



NATUR UND WANDERN 



129 



schön, wie wun - der-schön ist die Früh- 




lings - zeit, die Früh - lings - zeit! 

2. Wenn am Gletscher heiß die Sonne leckt; wenn die Quelle 
von den Bergen springt; alles rings mit jungem Grün sich deckt 
und das Lustgetön der Wälder klingt; Lüftchen, lind und lau, 
würzt die grüne Au', und der Himmel lacht so rein und blau, 
schallt es von den Höhn usw. 

3. War's nicht auch zur jungen Frühlingszeit, als dein Herz 
sich meinem Herz erschloß, als von dir, du wundersüße Maid 
ich den ersten langen Kuß genoß? Durch den Hain erklang 
heller Lustgesang, und die Quelle von den Bergen sprang, scholl 

es von den Höhn USW. Friedrich Bodenstedt, 1819—1892. 

Polnische Volksweise. 



153 



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( Wenn des Früh-lings Zau-ber - fin - ger po - chet 
\ sprin-get auf der dunk-le Zwin - ger, und 



an der Er -de Pfor-ten, 









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Win-ters Herr-schaft ist vor - bei. ist vor- bei. 

2. Vöglein singen süße Lieder in des neuen Lebens Drange, 
und das Herz lauscht immer wieder dem geheimnisvollen Sange: 
Schöner Mai usw. 

3. Und das wunderbare Regen auf dem weiten Erdenraume 
will auch mir das Herz bewegen nach dem bangen Winter- 
traume. Schöner Mai usw. 



130 



NATUR UND WANDERN 



4. Wo Gesang hat eine Stätte, kann das Leben sich ver- 
schönen; drum, Genossen, um die Wette singet in den hellsten 
Tönen: Schöner Mai usw. Albert Heinrich. 



154 



1853. Nach J. Kreipl, 1805—1866. 



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1. Wenn's Mai-lüf-terl weht, z'geht im Wald drauß der 



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Schnee, da heb'n blau-e Vei-gerln die Köp-ferl in 



d' Höh. Und Vö-gerl, die g'schlaf'n hab'n durch d' Winters 



Zeit, die wer'n wie-der mun-ter, die wer'n wie - der 



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mun-ter, die wer'n wie-der mun-ter und sin-gen vor 



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Freud', die wer'n wie-der mun-ter und sin-gen vor Freud'. 

2. Und blühen die Rosen, wird 's Herz nimme trüb; denn 
d'Rosenzeit ist ja die Zeit für die Lieb'. Die Rosen tun blühen 
so frisch alle Jahr; doch die Lieb' blüht nur einmal, und nach- 
her ist's gar. 

3. Jed's Jahr kommt der Frühling, ist der Winter vorbei; 
doch der Mensch nur allein hat ein'n einzigen Mai. Die 
Schwalben ziehen fort, doch sie ziehn wieder her; nur der 
Mensch, wenn er fortgeht, der kehrt nimmermehr. 

1842. Anton Freiherr v. Kiesheim, 1816—1884, mit volkstümlichen Änderungen. 



NATUR UND WANDERN 



131 



155 



Volksweise. 
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1. Wenn wir mar-schie- ren, ziehn wir zum deut-schen 

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Tor hin - aus; schwarzbraunes Ma-del, du bleibst zu 
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Haus. Dar -um Ma-del, Ma-del, wink, wink, wink! 

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Un-ter ei -ner grD-nen Li - a-lind' sitzt ein klei-ner 
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Fink, Fink, Fink, singt nur im-mer: Ma-del, wink! 

2. Der Wirt muß borgen, er darf nicht rappelköpfisch sein, 
sonst kehr'n wir morgen beim andern ein. 

3. Weg mit den Grillen, weg mit der Widerwärtigkeit, ich 
schwör's im stillen: Du wirst mein Weib! Aus Böhmen. 

1840. Felix Mendelssohn-Bartholdy, 1809—1847. 



156 

* 



1. Wer hat dich, du schö - ner Wald, auf - ge- 



baut so hoch da dro - ben? Wohl den Mei - ster 



132 



NATUR UND WANDERN 



will ich lo - ben, so lang' noch mein* Stimm' er- 



schallt, will ich lo - ben, so lang' noch mein' Stimm' er- 




schallt. Le -be wohl! Le-be wohl! Le-be wohl! Le-be 



* 



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wohl! Le - be wohl! Le - be wohl, du schö - ner 



Wald! Le-be wohl, le-be wohl, du schö -ner Wald! 

2. Tief die Welt verworren schallt, oben einsam Rehe grasen, 
und wir ziehen fort und blasen, daß es tausendfach verhallt. 
Lebe wohl usw. 

3. Was wir still gelobt im Wald, wollen's draußen ehrlich 
halten; ewig bleiben treu die Alten, bis das letzte Lied verhallt. 
Lebe wohl, schirm dich Gott, du deutscher Wald! 

1810. Joseph Freiherr v. Eichendorff, 1788—1857. 



1& 7 Fr. Silcher, 1789-1860. 

1. Wie lieb - lieh schallt durch Busch und Wald des 



NATUR UND WANDERN 



133 



Wald-horns sü - ger Klang, des Wald-horns sü - ßer 







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Klang! Der Wi-der-hall im Ei-chen-tal hallt's nach so 



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lang, so lang, hallt's nach so lang, so lang! 

2. Und jeder Baum im weiten Raum dünkt uns so schön und 
grün. Wie wallt der Quell so klar und hell durchs Tal dahin, 
dahin! 

3. Und jede Brust fühlt neue Lust beim frohen Liederton; 
wie fliegt der Schmerz aus jedem Herz sogleich davon, davon! 

Chr. v. Schmid. 



158 

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V. E. Becker, 1814—1890. 



1. Wohl-auf, die Luft geht frisch und rein, wer lan - ge 



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sitzt, muß ro - sten; den al - 1er- son-nig-sten 
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Son - nen-schein läßt uns 


der Hirn - mel ko- 


•sten. Jetzt 








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reicht mir Stab und Or - dens-kleid der fah - ren- 



134 1 NATUR UND WANDERN 



den Scho-la - ren; ich will zu gu - ter 













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Som - mer - zeit ins Land der Fran - ken 




fah - renl Val - le - ri, val - le - ra, val - le- 

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ri, val - le - ra, ins Land der Fran -ken fah -ren! 

2. Der Wald steht grün, die Jagd geht gut, schwer ist das 
Korn geraten; sie können auf des Maines Flut die Schiffe kaum 
verladen. Bald hebt sich auch das Herbsten an, die Kelter 
harrt des Weines; der Winzer Schutzherr Kilian beschert uns 
etwas Feines. Valien usw. 

3. Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten, 
hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten. Wie 
gerne war' ich mitgewallt, ihr Pfarr' wollt' mich nicht haben! 
So muß ich seitwärts durch den Wald als räudig Schäflein 
traben. Valleri usw. 

4. Zum heil'gen Veit von Staffelstein komm' ich empor- 
gestiegen und seh 1 die Lande um den Main zu meinen Füßen 
liegen: Von Bamberg bis zum Grabfeldgau umrahmen Berg 
und Hügel die breite, stromdurchglänzte Au — ich wollt', mir 
wüchsen Flügel! Valleri usw. 

5. Einsiedelmann ist nicht zu Haus, dieweil es Zeit zu mähen; 
ich seh' ihn an der Halde draus bei einer Schnittrin stehen. 
Verfahrner Schüler Stoßgebet heißt: Herr, gib uns zu trinken! 
Doch wer bei schöner Schnittrin steht, dem mag man lange 
winken. Valleri usw. 

6. Einsiedel, das war mißgetan, daß du dich hubst von 
hinnen! Es liegt, ich seh's dem Keller an, ein guter Jahrgang 
drinnen. Hoiho! die Pforten brech' ich ein und trinke, was ich 
finde. Du heil'ger Veit von Staffelstein, verzeih' mir Durst und 
Sünde! Valleri USW. V. v. Scheffel, 1826-1886. 



HEIMAT UND ABSCHIED 



135 



159 



III. HEIMAT UND ABSCHIED. 

Volksweise aus Oberhessen. 



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1. A - de, ihr Brü-der mein, ich kann nicht mehr bei euch 



sein; die Ge-sel 


1-schaft muß ich 


mei-den; i< 


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mei-ner Hei-mat schei-den, und das tut weh. 

2. Wollt ihr mich noch einmal sehn, steiget auf des Berges 

Höhn; schaut herab ins tiefe Tal, da seht ihr mich zum letzten- 
mal, und das tut weh. 



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2 ( Nun a - de, ihr lie-ben Ka-me-ra-den, 
' \ Ich hab' euch zwar al - le ge - la - den, 



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ge - het noch ein we - nig mit! \ , t . 
hab* ge - macht kein'n Un - ter - schied. / lsl eucn 



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a - ber der Weg zu weit, ich muß un - ter die 



frem - den Leut', und 



das tut 



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Volkslied. 



136 I HEIMAT UND ABSCHIED [ * 

160 Pöthko. Vor 1848. 

1. An den Rhein, an den Rhein, zieh* nicht an den Rhein, mein 



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gut; da geht dir das 


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blüht dir zu freu-dig der 


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2. Siehst die Mädchen so frank und die Männer so frei, als 
wär' es ein adlig Geschlecht; gleich bist du mit glühender Seele 
dabei: So dünkt es dich billig und recht. 

3. Und zu Schiffe, wie grüßen die Burgen so schön, und die 
Stadt mit dem ewigen Dom! In den Bergen, wie klimmst du 
zu schwindelnden Höhn und blickest hinab in den Strom I 

4. Und im Strome, da tauchet die Nix aus dem Grund, und 
hast du ihr Lächeln gesehn, und sang dir die Lurlei mit bleichem 
Mund, mein Sohn, so ist es geschehn! 

5. Dich bezaubert der Laut, dich betört der Schein, Entzücken 
faßt dich und Graus. Nun singst du nur immer: Am Rhein, am 
Rhein! und kehrst nicht wieder nach Haus. 

1839. Karl Simrock, 1802-1876. 



161 Volksweise „Draußen im Schwabeland". 

1. Drun-ten im Un - ter-land, da ist's halt fein. 







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>chle-hen 


im C 


) - ber-land, 


Trauben im 


Un-ter-land; 



HEIMAT UND ABSCHIED 



137 



35 



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drun-ten im Un - ter-land möcht 



wohl sein. 



2. Drunten im Neckartal, da ist's halt gut. Ist mer's do 
oben 'rum manchmal au no so dumm, han i doch alleweil 
drunten gut's Blut. 

3. Kalt ist's im Oberland, drunten ist's warm. Oben sind 
d'Leut' so reich, d'Herzen sind gar net weich, b'sehnt mi net 
freundlich an, werden net warm. 

4. Aber da unten 'rum, da sind d'Leut' arm, aber so froh 
und frei, und in der Liebe treu; drum sind im Unterland d'Herzen 

SO Warm. 1835. Gottlieb Weigle, 1814—1855. 



162 














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843. 

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Volksweise. 


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1. Heut noch sind wir hier_ 



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geht's zum Tor N hin - aus, und wir müs - sen 

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wan-dern, wan-dern, kei - ner weiß vom an - dem. 



2. Lange wandern wir umher durch die Länder kreuz und quer, 
wandern auf und nieder, keiner sieht sich wieder. 

3. Und so wand'r ich immerzu, fände gerne Rast und Ruh', 
muß doch weiter gehen, Kält' und Hitz' ausstehen. 

4. Manches Mägdlein lacht mich an, manches spricht: „Bleib, 
lieber Mann!" Ach, ich bliebe gerne, muß doch in die Ferne! 

5. Und die Ferne wird mir nah: endlich ist die Heimat da! 
Aber euch, ihr Brüder, seh' ich niemals wieder. 

Str. 1 Volkslied 1843 bekannt. 
Str. 2— 5 Hoffmann von Fallersleben, 1848. 1798—1874. 



138 



HEIMAT UND ABSCHIED 



163 

* 



1844. Carl Seide!, 1810—1838. 



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1. Hoch vom Dach-stein an, wo der Aar noch haust, 



bis zum Wen - den-land am Bett der Saav, wo die 
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Sen-ne - rin fro - he Jod-ler singt und der Ja - ger 



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kühn sein Jagdrohr schwingt: die-sesschö-ne Land ist der 



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Stei - rer Land, ist mein He - bes teu - res Hei-mat- 



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land; die - ses schö-ne Land ist der Stei - rer Land, 



ist mein lie - bes teu - res Va - ter - land. 

2. Wo Schalmeienklang früh den Schläfer weckt, wenn der 
Nebel noch die Täler deckt; wo auf dunklem Pfad frohe Rinder 
ziehn, wenn im Sonnenstrahl die Alpen glühn: dieses . . . 

3. Wo der Gemsbock leicht über Felsen jagt, und der Buchsen- 
knall das Echo weckt; wo dem Steirer laut jede Scholle sagt: 
's ist die Erde, die dein Liebstes deckt: dieses . . . 

Jakob Dirnböck, 1844. 



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HEIMAT UND ABSCHIED 



139 











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1. Im schönsten Wiesen - grun -de ist meiner Hei-mat 



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Stun - de ins 


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aus. Dich, mein stil-les Tal, grüß* ich tausendmal! Da 



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zog ich man-che Stun -de ins Tal hin- aus. 

2. Muß aus dem Tal jetzt scheiden, wo alles Lust und Klang; 
das ist mein herbstes Leiden, mein letzter Gang. Dich . . . 

3. Sterb' ich, in Tales Grunde will ich begraben sein; singt 
mir zur letzten Stunde beim Abendschein: Dich mein stilles Tal, 
grüß' ich zum letztenmal! . . . 1850. Wilhelm Ganzhorn, 1818-1880. 



165 Ziemlich langsam. 



1810. Ludwig v. Beethoven, 1770—1827. 



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1. Kennst du das Land, wo die Zi-tro-nen blühn, im 



4 



dun - kein Laub die Gold - o - ran - gen giühn, ein 

cresc. 



sanf - ter Wind vom blau-en Him-mel weht, die Myr-te 



140 



HEIMAT UND ABSCHIED 



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still und hoch der Lor 

Geschwinder. 

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beer steht? Kennst du es 



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wohl? Da - hin, da - hin möcht* ich mit dir, o 



mein Ge - lieb - ter, ziehn! Da - hin! Da- 



hin möchf ich mit dir, o mein Ge - lieb - ter 



ziehn! Da - hin, da - hin! 



2. Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach, es glänzt 
der Saal, es schimmert das Gemach, und Marmorbilder stehn und 
sehn mich an: was hat man dir, du armes Kind, getan? Kennst 
du es wohl? Dahin, dahin möchf ich mit dir, o mein Beschützer, 
ziehn! Dahin, dahin! 

3. Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg? Das Maul- 
tier sucht im Nebel seinen Weg; in Höhlen wohnt der Drachen 
alte Brut; es stürzt der Fels und über ihn die Flut. Kennst du 
ihn wohl? Dahin, dahin geht unser Weg, o Vater, laß uns ziehn! 
Dahin, dahin! 1795. Jon. Wolfg. v. Goethe, 1749—1832. 



166 



Süddeutsche Volksweise, 1852. 











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Herz ist im Hoch-land, mein 


Herz ist nicht 



HEIMAT UND ABSCHIED | 141 




hier! Mein Herz ist im Hochland, imwald'gen Re-vier. Da 



jag* ich das Rotwild, da folg-* ich dem Reh; mein 















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Herz ist im Hoch-land, wo im - mer ich geh'! 



2. Mein Norden, mein Hochland, leb wohl, ich muß ziehn! 
Du Wiege von allem, was stark und was kühn! Doch wo ich 
auch wandre und wo ich auch bin, nach den Hügeln des 
Hochlands steht allzeit mein Sinn. 

3. Lebt wohl, ihr Gebirge mit Häuptern voll Schnee, ihr 
Schluchten, ihr Täler, du schäumender See, ihr Wälder, ihr 
Klippen, so grau und bemoost, ihr Ströme, die zornig durch 
Felsen ihr tost! 

4. Mein Herz ist im Hochland, mein Herz ist nicht hier! usw. 

Ferdinand Freiligrath, 1810—1876, 
1843 n. d. Englischen des schottischen Dichters Robert Bums, 1759—1796. 



167 



Weise nach Jul. Stern. 



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1—3. Mor-gen mar-schie-ren wir, a - de, a - de, a- 



1 — 3. de, a - de! Mor-gen marschieren wir, a - de, a- 



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1- 3. de, a - de, a-de! 1. Wie lieblich sangdie Nachtigall vor 



142 



HEIMAT UND ABSCHIED 




1. meines Liebchens Haus,a - de! Verklungen ist nunSangund 




1. Schall; das Lie-ben ist nun aus, das Lie-ben ist nun 




1—3. sein! A - de, a - de, es muß ge-schie-den sein! 



2. Und unser Bündel ist geschnürt und alle Liebe drein, ade! 
Ade, die Trommel wird gerührt, es muß geschieden sein, es 
muß geschieden sein! 

3. So reich' mir noch einmal die Hand, Herzallerliebster du, 
ade! Und kommst du in ein fremdes Land, so laß dein Bündel 

zu, so laß dein Bündel zu! 

■ u 1829. Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874. 



168 Volksweise, zuerst in K. Steins „Liedersammlung für Schulen", 1855. 




/ Nun^a - de, du mein lieb Hei - mat - land, lieb 
\ Es geht jetzt fort zum frem- den Strand, lieb 



Hei - mat- land, a - de! 1 
Hei - mat- land, a - de! / 



Und so sing' ich denn mit 



HEIMAT UND ABSCHIED 



143 




f ro-hem Mut, wie man sin-get, wenn man wandern tut, lieb 



Hei- mat-land, a - de, lieb Hei-mat-land, a - de! 

2. Wie du lachst mit deines Himmels Blau, lieb Heimatland, 
ade! Wie du grüßest mich mit Feld und Au, lieb Heimatland, 
ade! Gott weiß, zu dir steht stets mein Sinn, doch jetzt zur 
Ferne zieht's mich hin, lieb Heimatland, ade! 

3. Begleitest mich, du lieber Fluß, lieb Heimatland, ade! 
Bist traurig, daß ich wandern muß, lieb Heimatland, ade! Vom 
moos'gen Stein am wald'gen Tal, da grüß* ich dich zum letzten- 
mal, mein Heimatland, ade! 1850. August Disseihoff, 1829—1903. 

1847. Mendelssohns letztes Lied für Männergesang, 1809—1847. 



169 1847. Mendelssc 



1. Nun zu gu-ter-letzt ge-ben wir dir jetzt auf die 



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fort, und an je-demOrtsei dir Glück und Heil zur 




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Sei - te! Wandern müs - sen wir auf Er - den; un- ter 



Freu- den und Be - schwer-den geht hin - ab, hin- 



144 



HEIMAT UND ABSCHIED 



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Er - den, das ist un - ser Los auf Er - den. 



2. Bruder, nun ade! Scheiden zwar tut weh, Scheiden ist ein 
bittres Leiden. Wer e§ gut gemeint, bleibt mit uns vereint, so 
als gab 68 gar kein Scheiden. Dieser Trost mag dich begleiten, 
manche Freude dir bereiten. Wenn du bist im Glück, denk an 
uns zurück, denk an die vergangnen Zeiten. 

3. Bruder, nimm die Hand jetzt zum Unterpfand, daß wir 
treu gesinnt verbleiben, redlich sonder Wank, frei von Neid 
und Zank stets in unserm Tun und Treiben. Endlich wird's ein- 
mal geschehen, daß auch wir uns wiedersehen und uns wieder 
freun und den Bund erneun. Lebe wohl auf Wiedersehen! 

1846. Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



170 1837. Friedrich Brückner, 1 


811-1894. 


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1. Wenn ich den Wandrer fra- g 


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Wokommstdu her? Voi 


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Hau-se, von Ha 


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e, spricht er und seuf - zet schv 


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Hau-se, von Hau - se, spricht er und seuf zet schwer. 

2. Wenn ich den Landmann frage: Wo gehst du hin? |: Nach 
Hause, nach Hause, spricht er mit leichtem Sinn. :| 

3. Wenn ich den Freund nun frage: Wo blüht dein Glück? 
|: Zu Hause, zu Hause, spricht er mit frohem Blick. :| 

4. So hat man mich gefraget: Was quält dich sehr? \i Ich 
kann nicht nach Hause, hab* keine Heimat mehr. ^ Volkslied. 



HEIMAT UND ABSCHIED 



145 



171 



1840. Robert Schumann, 1810—1856. 



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1. Wohl-auf, noch ge - trun-ken den fun - kein- den 

2. Die Son - ne, sie blei - bet am Hirn - mel nicht 

3. Mit ei - len - den Wol - ken der Vo - gel dort 
6. Wohl-auf, noch ge - trun-ken den fun - kein- den 



1. Wein! A - de nun, ihr Lie-ben, ge- schieden muß sein! A- 

2. stehn, es treibt sie, durch Län-der und Mee-re zugehn;die 

3. zieht und singt in der Fer-ne sein hei- mat-lich Lied: So 
6. Wein! A - de nun, ihr Lie-ben, ge- schieden muß sein! A- 




t de nun, ihr Ber - ge, du vä - ter - lieh Haus! Es 

2. Wo-ge nicht haf - tet am ein - sa - men Strand; die 

3. treibt es den Bur-schen durch Wäl - der und Feld, zu 
6. de nun, ihr Ber - ge, du vä - ter - lieh Haus! Es 




h treibt in die Fer - ne mich mäch - tig hin - aus! 

2. Stür-me, sie brau-sen mit Macht durch das Land. 

3. glei- chen der Mut - ter, der wan - dem -den Welt. 




6. treibt in die Fer-ne mich mäch- tig hin-aus, es 




6. treibt in die Fer - ne mich mäch-tig hin-aus! 



146T 



HEIMAT UND ABSCHIED 



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4. Da grü-fcen ihn Vö-gel be - kannt ü- berm Meer, sie 





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flo-gen von Flu-ren der Hei - mat hier -her; da 



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duf-ten die Blu - men ver - trau - lieh um ihn, sie 



trie - ben 


vom Lan-de dieLüf-te da- 


hin. 5. Die 








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Vö-gel, die ken - nen sein vä - ter-lich Haus; die 

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Blu-men, die pflanzt* er der Lie - be zum Strauß, und 



Lie-be, die folgt ihm, sie geht ihm zur Hand: so 



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wird ihm zur Hei - mat das fer - ne- ste Land, so 





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wird ihm z 


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Hei - mat das 


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ne - ste Land. 



1809. Justinus Kerner, 1786—1862. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER | 147 



IV. HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER. 

172 Volksweise aus „Auswahl deutscher Lieder". 1830. 

f. Als wir jüngst in Re-gens-burg wa-ren, sind wir 
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ü - ber den Stru-del ge - fah-ren, dawar'n vie-le 
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Hol - den, die mit - fah - ren woll - ten. 




Schwä- bi - sehe, bay - ri - sehe Dirn - del, juch- 




hei- ras -sas- sa, muß der Schiffs-mann fah - ren! 



2. Und vom hohen Bergesschlosse kam auf stolzem, schwarzen 
Rosse adlig Fräulein Kunigund, wollt' mitfahren übers Strudels 
Grund. 

3. „Schiffsmann, lieber Schiffsmann mein, sollt's denn so ge- 
fährlich sein? Schiffsmann, sag mir's ehrlich, ist's denn so ge- 
fährlich?" 

4. „Wem der Myrtenkranz geblieben, landet froh und sicher 
drüben; wer ihn hat verloren, ist dem Tod erkoren." 

5. Als sie auf die Mitt' gekommen, kam ein großer Nix ge- 
schwommen, nahm das Fräulein Kunigund, fuhr mit ihr in des 
Strudels Grund. 

6. Und ein Mädel von zwölf Jahren ist mit über den Strudel 
gefahren; weil sie noch nicht lieben kunnt', fuhr sie sicher über 
Strudels Grund. Bayrisches Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. 



148 | HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER \ * 



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1. Am Son 


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Mei - ster 


Boh - ne, 


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hat ge-tan, das will der Mei-ster loh - ne. 






Heid-li-dum, was soll das sein? Und 


lu-stig müss'n wir 


Bur-schen sein! Kü - ratsch - jo, 


Plü - matsch -jo! 



2. Am Montag-, am Montag, da schlaf ich bis um viere, da 
kommt ein lust'ger Spieggesell, da gehen wir zum Biere. 
Heidlidum usw. 



3. Am Dienstag, am Dienstag, da schlaf ich bis um zehne, 
und wenn mich dann der Meister sucht, dreh* ich mich um und 
gähne. Heidlidum usw. 

4. Am Mittwoch, am Mittwoch, da ist die Mitf der Wochen, 
da hat der Meister 's Fleisch verzehrt, behalt er auch die Knochen! 
Heidlidum usw. 

5. Am Donnerstag, am Donnerstag, da ist es gut zu spagen, 
da nehm' ich's schwarzbraun Mägdelein und geh' mit auf der 
Gassen. Heidlidum usw. 

6. Am Freitag, am Freitag, da kommt 's Gewerb' zusammen, 
da eg' ich drin zum Abendbrot die schönste Butterbemme. 
Heidlidum usw. 

7. Am Sonnabend, am Sonnabend, da ist die Woch' zu Ende, 
da geh' ich zur Frau Meisterin und hol' mein reines Hemde. 
Heidlidum USW. Gesellenlied. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



149 



174 





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L A Schlos - ser hat an G'sel - len g'hot, der 
wenn's zum Fres - se gan - ge ischt, do 



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hot gar langsam g'feilt, doch 

hot er grausam g'eilt. Der er - ste in der 

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Schüssel drin, der letz-te wieder draus, do ischt ka Mensch so 
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flei-ßig g'west, als er im gan-ze Haus; do Haus. 

2. „G'sell", hot amal der Meister g'sogt, „hör dös begreif i net! 
Es ischt doch all mei Lebtag g'west, solang i denk, die Red': 
So wie ma frißt, so schafft ma au, bei dir ischt's net a so: So 
langsam hat no kaner g'feilt und g'fresse so wie du!" 

3. „Ho w , sogt der G'sell, „des b'greif i scho; 'shot alls sei 
gute Grund: es Fresse währt holt gar net lang, und d'Arbeit 
vierzeh* Stund*; wenn aner sollt den ganze Tag in ein Stück 
fresse fort, 'swird au gar bald so langsam gehn, als wie beim 

Feile dort!" Vor 1800. Joh. Conr. Grübel, 1736-1809. 



176 Aug. Pohlenz, 1790—1843. 

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1. Auf Ma - tro - sen, die An - ker ge- 



Volkslieder 



150 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



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lieh - tet, Se - gel ge -spannt und den Korn -paß ge- 
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weh! Mor-gen da geht's in die wo - gen - de 
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See, mor-gen da geht's in die wo - gen -de See. 

2. Dort draußen auf tobenden Wellen schwankende Schiffe an 
Klippen zerschellen. In Sturm und Schnee wird mir so weh, daß 
ich auf immer vom Liebchen geh*. 

3. Einen Kuß noch von rosigen Lippen, und ich fürchte nicht 
Stürme, nicht Klippen. Brause, du See! Sturmwind, 0 weh! Wenn 
ich mein Liebchen nur wiederseh'! 

Wilhelm Gerhard, vor 1817; volkstümlich umgedichtet um 1820. 



176 



Niederbayern und Mittelfranken, 1868 gedruckt. 



1. Bin i net a lu-sti-ger Fuhrmannsbue, bin i net a 



❖ I HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 151 


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fahr Sta - dl aus, Stadl ein, schaun mir die Leut' al- le 
zu, al - le zu, schaun mir die Leut' al - le zu. 



2. Fahr i am Morgen zum Stadttor 'naus, fahr i am Morgen 
hinaus, |: lang, eh 1 die Sonn' aufgeht, :| bin i über |: Berg und 
Tal, :| lang, eh* mein Madel aufsteht 

3. Fahr in der Früh auf der Straßen hin, fahr in der Früh auf 
der Straß* |: zwischen die Tannen im Wald — :| ach, was ist 
|: das für a Freud', :| was das Schnalzen schön hallt! 

4. Was da die Vögerl schön singen tun, was da die Vögerl 
schön sing'n, |: was da die Blümein schön blühn, :| was die 
|: Hirsch' und Reh' :| über die Straßen hinziehn! 

5. Und wenn am Mittag die Sonn' anhitzt, und wenn am Mittag 
es hitzt, |: schmeckt mir a Trunk frisch und kalt; :| bin |: überall 
daheim, :| wo i die Rösseln anhält. 

6. Fahr i im Zwielicht a Wirtshaus an, fahr i im Zwielicht 
da an, |: spann i die Gaul' aus und kehr ein; :| iß mein Sach', 
|: leg mi ins Bett, :| denk an mein Schatz und schlaf ein. 

7. Hör i den Hahnschrei wohl in der Früh, hör i den Hahn- 
schrei in der Früh, |: reib i mir die Augen und steh auf: :| 
„Wirtshausleuf, |: seid's bei der Hand! :| Der Tag bricht an, 
d'Sonn' kommt 'rauf." 

8. „Hausknecht, spann meine sechs Rapperln ein! Hausknecht, 
spann mein' Rapperln ein! |: Kellnerin, trag außi mein Hut! :J 
Jetzt muß i |: wieder weiterfahr'n, :| 's Dableib'n tut einmal kein gut. 

9. Fuhrmannsbue bin i schon fünfthalb Jahr, Fuhrmannsbue 
bin i schon lang, |: Fuhrmannsbue bleib i no lang; :| kann wohl 
sein, |: daß i stirb, :| eh i was anders anfang. Fuhrmannslied. 



152 1 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



177 Volksweise. 

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1. Das Rei-sen ist ein dum-mes Ding-, ich möch - te 



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wis - sen, wer's an - fing; ich rei - se jetzt schon 



Jahr für Jahr, ver-tret' den Dal - les stets für- wahr. 
• In der letzten Strophe wiederholt. 

2. Wenn ich des Morgens früh aufsteh', dann greif ich in die 
Tasch', o weh! es ist kein Poscher 1 ) mehr darin, ich muß zum 
Talfen 2 ) wieder hin. 

3. Ach, nun kommt der liebe Morgen, nun geht das liebe Talfen 
an; o lieber Qott, du wirst doch sorgen, daß mich kein Putz 8 ) ab- 
fassen kann. 

4. Ich fechte nun auf Rittersgut und denke nun: Herz, fasse 
Mut; so dachte ich in meinem Sinn, du gehst wohl erst zur 
Küche hin. 

5. Da ward geschmort, gebraten und gekocht. Vor Hunger 
mir das Herze pocht. Da kam die schwarze Küchenmagd; ach, 
schnell ihr mein Gesuch gesagt. 

6. „Ach, liebes Kind, verzeihn Sie mir, daß ich jetzt komm* 
vor ihre Tür. Sie werden doch wohl ein Herze haben und mich 
mit warmen Essen laben." 

7. „Das geht ja schon am frühen Morgen, da könnt' man ja 
nur für Handwerksburschen sorgen!" Sie warf die Tür mir an 
die Nase, wo ich gleich vor die Türe saß. 

8. Halt, dachte ich, Pech hab' ich heut! und ging gleich bei 
die Bauersleut'. Da bekam ich nun Kartoffeln, Brot, Speck und 
Geld und alles, was mir wohlgefällt. 

9. Nun hart' ich alle Taschen voll und lief herum, als war' ich 
toll; da sah ich noch ein großes Haus: „Halt", denke ich, „da 
muß noch was heraus!" 



l ) Pfennig. •) Betteln. ») Gendarm. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER | 153 



10 Ich ging hinein, o großer Schreck! Da standen zwei 
Deckel 1 ) in der Eck': „Halt Bürschchen, kommen Sie nur mal 
her, Sie kommen uns gerade in die Quer!" 

11. Da nahmen sie mich Armen hin, betrachten mich mit 
warmen Sinn. Als Stromer und als Vagabund haben sie mich 
sofort eingespunnt. Nun sitz 1 ich hier und komm nicht heraus, 
es ist das liebe Fechten aus! 

Handwerksburschenlied aus der Herberge zu Gießen. 



*) Gendarm. 



Italienische Barcarole : 0 pescator dell'onde. 




,/ Das Schiff streicht durch die Wel-len, Fi- de- lin! \ Vef _ 
1# \ Von Ost die Se - gel schwellen, Fi - de - lin! / 




schwun-den ist das Land in derFer-ne, o wie ger-ne war' ich 




noch im Hei - mat - land. Fi - de - lin, Fi - de - lin. 



2. Ihr dunkelblauen Wogen, Fidelin! Wo kommt ihr hergezogen? 
Fidelin! Kommt ihr vom fernen Strand? Laß sie rollen, denn 
sie sollen noch zurück zum Heimatland. Fidelin, Fidelin! 

3. Und wann die Wellen rauschen, Fidelin! wird sie am Ufer 
lauschen, Fidelin! dann eilet hin zu ihr, sie zu grüßen, sie zu 
küssen, sagt ihr viel, recht viel von mir! Fidelin, Fidelin! 

4. Wann wild die Stürme sausen, Fidelin! und hoch die Wellen 
brausen, Fidelin! dann denk* ich nur an dich, daß mir bliebe 
deine Liebe, und kein Sturm erschüttert mich. Fidelin, Fidelin! 

5. Mag ich auf Wellen schwanken, Fidelin! sind immer die 
Gedanken, Fidelin! bei dir im Heimatland. Was ich singe, das 
erklinge bis hinüber an den Strand. Fidelin, Fidelin! 

6. Was ich jetzt fern muß singen, Fidelin! bald soll dirs 
näher klingen, Fidelin! Mein* Fahrt ist bald vorbei; meine Lieder 
bring' ich wieder und mit ihnen meine Treu'. Fidelin, Fidelin! 

1819. Graf Josef v. Brassier, 1798—1872. 



154 1 HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



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1834. Konradin Kreutzer, 1780—1849. 



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Da strei - ten sich die Leut' her - um oft 
der ei - ne heißt den an - dem dumm, am 




um den Wert des Glücks; \ ~ . . . t t 
End' weiß kei - ner nix. / Da lst der aI " ler " 



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ärm-steMann dem an-dern viel zu reich: das Schick-sal 




setzt den Ho-bel an und ho - belt bei- de gleich! 



2. Die Jugend will stets mit Gewalt in allem glücklich sein; 
doch wird man nur ein bissei alt, da gibt man sich schon 
drein. Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus! das bringt mich 
nicht in Wut: da klopf ich meinen Hobel aus und denk'- du 
brummst mir gut! 

3. Zeigt sich der Tod einst, mit Verlaub, und zupft mich: 
„Bruder, komm! da stell' ich mich im Anfang taub und schau' 
mich gar nicht um. Doch sagt er: „Lieber Valentin, mach keine 
Umstand, geh'! da leg' ich meinen Hobel hin und sag' der 
Welt ade * 1833. Ferd. Raimund, 1790-1836. 




Die Lei-ne-we-ber ha - ben ei - ne sau-be-re 
Mitt - fa - sten hal - ten sie Zu - sam - men- 



❖ 1 HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER | 155 





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kunft, ha - rum did - scha- rum, bum, bum, 



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A-sche-grau-e, dun - kel - blau - e, bum, bum, bum. 







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Fein o - der grob, Geld gibt's doch, a - sche- 

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grau - e, dun - kel - blau - e, bum, bum, bum. 
Bei „bum, bum, bum" wird mit den Füßen gestampft. 



2. Die Leineweber schlachten alle Jahr' zwei Schwein'; das 
eine ist gestohlen, das andre ist nicht sein. 

3. Die Leineweber nehmen keinen Lehrjungen an, der nicht 
sechs Wochen lang hungern kann. 

4. Die Leineweber haben auch ein Schifflein klein, drauf 
fahren sie die Mücken und die Flöhe drein. 

5. Die Leineweber machen eine zarte Musik, als führen 
zwanzig Müllerwagen über die Brück'. Volkslied. 



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Volksweise. 






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1. Dro -ben im O - ber-land, ei, da ist's so 



156 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



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wun - der - fein. Da ist die Jä - ge - rei, 
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da ist das Schie-ßen frei. Da möcht' i Ja - ger- 
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bur - sehe sein, ei, da ist's so wun - der - fein. 



2. Schießt mir einen Rehbock z'samm', fallt er oder fallt er 
net. Fallt er net, so bleibt er stehn; zu meiner Lina muß i 
gehn, zu meiner Lina muß i gehn, alle Woch' sechs, siebenmal. 

3. Gestern ist Sonntag gewes'n, heut bin ich schon wieder 
da. — Sie hat ein Hütlein auf, eine scheene, scheene Feder 
drauf; sie sah so reizend, reizend aus, und sie ging mit mir 
nach Haus. 

4. Lauter hübsche, junge Leut' sein's wir, lauter hübsche, 
junge Leut'. Wenn's die hübschen, jungen Leut' nit wär'n, wer 
sollt' das viele Geld verzehr'n? — Lauter hübsche, junge Leut' 
sein's wir, lauter hübsche, junge Leut'! — Volkslied. 



182 



Volksweise, bekannt seit Beginn des 19. Jahrhunderts. 



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1. Ein Jä-ger aus Kur- pfalz, der rei - tet durch den 
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grü-nen Wald ; er schießt das Wild da - her, gleich wie es ihm ge- 



» | HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER | 157 

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fallt. Ju - ja, ju - ja, gar lu-stig- ist die Jä-ge-rei all- 
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hier auf grü - ner Heid', all - hier auf grti - ner Heid'. 

2. Knapp', sattle mir mein Pferd und leg darauf den Mantel- 
sack: so reit' ich hin und her als Jäger aus Kurpfalz. 

3. Des Jägers seine Lust den großen Herren ist bewußt, ja- 
wohl, jawohl bewußt, wie man das Wildpret schuft. 

4. Wohl zwischen die Bein', da muß der Hirsch geschossen 
sein, geschossen muß er sein auf eins, zwei drei. 

5. Jetzt geh' ich nicht mehr heim, bis daß der Kuckuck — 
Kuckuck schreit; er schreit die ganze Nacht allhier auf grüner 
Heid'. Fliegendes Blatt 1763. Volkslied des 18. Jahrhunderts. 

Eine andere Fassung, vielleicht aus dem 17. Jahrhundert: 

1. Der Jäger aus Kurpalz stoppt Knaschter in sei' Pulverhorn, 
und wie er raacht, dann knallt's, der Jäger aus Kurpalz. Ju ja, 
ju ja, gar luschtisch is die Jägerei am Neckar und am Rhei 
mit Kümmelweck und Wei. 

2. Der Jäger aus Kurpalz mäst' sich sein Bauch am große 
Faß bei Nacht sich an mit Schmalz, der Jäger aus Kurpalz. Ju 
ja, ju ja usw. 

3. Der Jäger aus Kurpalz, der stolpert über den Krumm- 
beeresack und bricht sich fascht den Hals, der Jäger aus Kur- 
palz. Ju ja, ju ja USW. Mündlich von Ed. Loeb auf Norderney. 



183 



Volksweise aus Nicolais Almanach 1777. 

















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Es bläst ein Jä - ger wohl in sein Horn, wohl 
Er bläst das Wild wohl aus dem Korn, wohl 



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HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 







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in sein Horn. \ 
aus dem Korn. / 



Hop - sas - sa, tra - ra, tra- 
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ra, er bläst das Wild wohl aus dem Korn. 

2. Wohl aus dem Korn, wohl in das Holz; da begegnet ihm 
ein Jungfrau stolz. 

3. Wo aus, wo ein, du wildes Tier; ich bin ein Jäger und 
fang dich schier. 

4. Bist du ein Jäger, du fängst mich nicht; meine hohen 
Sprünge, die kennst du nicht. 

5. Deine hohen Sprünge, die kenn' ich wohl; ich weiß schon, 
wie ich dir's stellen soll. 

6. Stellst du mir's hoch, so schlüpf ich durch; stellst du 
mir's tief, so spring' ich durch. 

7. Er warf ihr 's Netz wohl um den Fuß, so daß die Jungfrau 
fallen muß. 

8. Er warf ihr 's Netz wohl um den Arm, da war sie ge- 
fangen, daß Gott erbarm! 

9. Er warf ihr das Netz wohl um den Leib, da ward sie des 
jungen Jägers Weib. Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. 



184 

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Volksweise aus Regensburg, vor 1808. 



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1. Es blies ein Jä - ger wohl in sein Horn, 



al - le - weil bei der Nacht, und was er 
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blies, das war ver- lor'n, und was er blies, das 



HANDWERKER. UND JÄGERLIEDER 



159 



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war ver - lor'n, al - le - weil bei der Nacht. 

2. Soll denn mein Blasen verloren sein, viel lieber wollt* 
ich kein Jäger sein! 

3. Er zog ein Netz wohl übern Strauch, da sprang ein 
schwarzbraunes Mädel heraus. 

4. Ach schwarzbraunes Mädel, entspring mir nicht! Ich hab* 
große Hunde, die holen dich. 

5. Deine großen Hunde, die tun mir nichts; sie wissen 
meine hohen weiten Sprünge noch nicht. 

6. Deine hohen weiten Sprünge, die wissen sie wohl; sie 
wissen, daß du heute noch sterben sollst. 

7. Und sterb' ich nun, so bin ich tot, begräbt man mich 
unter die Rosen rot. 

8. Wohl unter die Rosen, wohl unter den Klee, darunter ich 
nimmermehr vergeh'. 

9. Es wuchsen drei Lilien auf ihrem Grab; es kam ein 
Reiter, wollt's brechen ab. 

10. Ach Reiter, laß die Lilien stehn; es soll sie ein jung- 
frischer Jäger sehn. Nach einem fliegenden Blatt, gedruckt um 1700. 

Volksweise um 1826. 



185 



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Schluß, muß. So schlag* ich Frank - fürt aus dem 





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Sinn und 


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ti, Gott 


weiß, wo - hi 


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n. 1.-6. 1c 


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will mein Glück pro - bie - ren, mar - schie-ren. 



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HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



2. Er, er, er und er, Herr Meister leb er wohl! Ich sag's 
ihm grad frei ins Gesicht, sein Arbeit die gefällt mir nicht. 

3. Sie, sie, sie und sie, Frau Meistrin, leb sie wohl! Ich sag's 
ihr grad frei ins Gesicht, ihr Speck und Kraut das schmeckt 
mir nicht. 

4. Sie, sie, sie und sie, Jungfer Köchin, leb sie wohl! Hätt' sie 
das Essen besser angericht', so war' ich auch gewandert nicht. 

5. Ihr, ihr, ihr und ihr, ihr Jungfern, lebet wohl! Ich wünsche 
euch zu guter Letzt ein'n andern, der meine Steir ersetzt. 

6. Ihr, ihr, ihr und ihr, ihr Brüder, lebet wohl! Hab* ich euch 
was zuleid getan, so bitt' ich um Verzeihung an. 

Handwerksburschenlied aus fliegenden Blättern des 18. Jahrhunderts. 



186 Volksweise aus Schlesien. 

1. Es hatt' ein Bau -er drei Töch-ter; es hatt' ein 

tffrt cur rcffi i CTn^i 

Bau - er drei Töch-ter; es hatt' ein Bau - er drei Töch-ter. 

2. Die erste nahm sich 'nen Edelmann, diezweite nahm sich 
'nen Spielemann, die dritte nahm sich 'nen Bauer. 

3. Da sprach die älteste Schwester, |: meiner ist der Beste. :| 

4. Wenn ich morgens früh aufsteh' und ich in meine Stube 
geh', da hör' ich Jäger blasen. 

5. Und was weiter noch dabei? |: Schöne Hündlein bellen. :| 

6. Da sprach die zweite Schwester, |: meiner ist der Beste. :| 

7. Wenn ich morgens früh aufsteh' und ich in meine Stube 
geh', da seh' ich Geigen hängen. 

8. Und was weiter noch dabei? |: Schöne, rote Bändlein. :j 

9. Da sprach die dritte Schwester, |: meiner ist der Beste. :| 

10. Wenn ich morgens früh aufsteh' und ich in meine Scheuer 
geh', da seh' ich meinen dreschen. 

11. Und was weiter noch dabei? |: Schön Geld im Kasten. :| 

12. Und wie's kam um die Osterzeit, f: da schlachtet der Bauer 
'nen Ochsen. i\ 

13. Er lud den hungrigen Edelmann und den armen Spielemann 
zu sich hinauf zu Gaste. 

14. Da spielte der arme Spielemann, da tanzte der hungrige 
Edelmann, da saß der Bauer und lachte. Volkslied. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



161 



187 



Volksweise 1812. 




1. Es ka-men drei Schneider wohl an den Rhein und 



t C C C C El* ! 



kehr-ten beim Gast-wirt zu In - gel -heim ein, am 



et 



Rhein, am Rhein. Sie hat - ten im Sack kei - nen 

J : , 1 — K- 



lij'n I, IM 



Hei - 1er mehr; doch dür - ste - te je - der von 



» ih - nen sehr nach Wein, nach Wein, nach Wein. 



2. „Herr Wirt! wir ha'n kein' Kreuzer Geld; doch waren wir 
weit herum in der Welt, am Rhein, am Rhein. Wir können ein 
jeder ein Meisterstück, das lehren wir ihm, das bringt ihm Glück 
für Wein, für Wein!" 

3. „Ihr Burschen, ich will euer Narr nicht sein; ich bin ja der 
Gastwirt von Ingelheim, am Rhein, am Rhein. Und könnt* ihr 
nicht jeder ein Meisterstück, so brech* ich auch jedem von euch 
das Genick statt Wein, statt Wein!" 

4. Der erste nun fing einen Sonnenstrahl und fädelt ihn ein 
in die Nadel von Stahl, am Rhein, am Rhein. Er näht ein zer- 
brochnes Weinglas zusamm'n, daß man auch die Naht nicht 
erkennen kann im Wein, im Wein. 

5. Der zweite darauf eine Mücke fing, die grad' über seine 
Nase ging, am Rhein, am Rhein. Die Mücke, die hat? im Strumpfe 
ein Loch; so klein es auch war, er stopfte es doch für Wein, 
für Wein! 



162 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



6. Der dritte, der nahm nun die Nadel zur Hand und bohrte 
sie mächtig und tief in die Wand, am Rhein, am Rhein. Er flog 
wie ein Blitzstrahl durchs Nadelöhr; ich hab* es gesehn, bei 
meiner Ehr'! beim Wein, beim Wein! 

7. Der Wirt sprach: „So was hab' nie ich gesehn, drum soll 
euch, ihr Burschen, mein Dank nicht entgehn, am Rhein, am 
Rhein." Er nahm einen Fingerhut, schenkt 1 ihn voll: „Da, Bur- 
schen, nun sauft euch voll und toll im Wein, im Wein!" 

Kar! Herlofesohn, 1804—1849. 



188 




Einer. 



Volksweise. 



f 



Es war'n ein -mal neun Schneider, die hiel-ten 

vom Chor wiederholt. 

\2~ 



5 



Einer. 



ei - nen Rat. 



Rat. 



Da sa - ßen al - le 



i 



neu - ne, ja neun-mal, neun-mal neu - ne auf 

^ vom Chor wiederholt. Einer. 



ei-nem Kartenblatt. Schneidermeckmeckmeck,Schneider 

vom Chor wiederholt. 




meck meck meck, tsching bum-de- ras - sa - sa. sa. 

2. Und als sie so versammelt war'n, da brauchten sie viel 
Mut; da tranken alle neune aus einem Fingerhut. 

3. Und als sie an die Herberg kam'n, da konnten sie nicht 
'rein; da krochen alle neune zum Schlüsselloch hinein. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



163 



4. Und als sie glücklich drinne war'n, da hielten sie einen 
Schmaus; da saßen alle neune bei einer gebrat'nen Laus. 

5. Und als sie nun gegessen, da hielten sie einen Tanz; da 
tanzten alle neune auf einem Ziegenschwanz. 

6. Und als sie nun getanzet, da waren sie sehr froh; da 
schliefen alle neune auf einem Halmen Stroh. 

7. Und als sie nun so schliefen, da raschelt eine Maus; da 
krochen alle neune zum Schlüsselloch hinaus. 

8. Und was ein rechter Schneider ist, muß wiegen sieben 
Pfund, und wenn er das nicht wieget, ja wieget, waget, wieget, 
dann ist er nicht gesund. Volkslied. 



189 



Volksweise. 




/ Es wollt 1 ein Schnei - der wan-dern am 
l ' \ be - geg - net ihm der Teu - fei, hat 




Mon-tag in der Früh, \ H h du S chneider- 
we - der Strumpf noch Schuh. / " 




g'sell, du mußt mit mir in d'Höir;du mußt uns 
Up Ä E? A 




Teu -fei idei - den, es ge - he, wie es wöll!" 

2. Sobald der Schneider in d'Höllen kam, nahm er sein Ellen- 
stab; er schlug den Teufeln die Buckel voll, die Höir wohl auf 
und ab. „He he, du Schneiderg'sell, mußt wieder aus der HöllM 
Wir brauchen nicht das Messen, es gehe, wie es wöll!" 

3. Nachdem er all gemessen hat, nahm er sein 1 lange Scher 
und stutzt den Teufeln d'Schwänzeln ab, sie hupften hin und her. 
„He he, du Schneiderg'sell, pack dich nur aus djer HöllM Wir 
brauchen nicht das Stutzen, es gehe, wie es wöll!" 



164 I HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER TjT 

4. Da zog er 's Bügeleisen raus und warfs ins Höllenfeu'r- 
er strich den Teufeln d'Falten aus, sie schrien ungeheu'r. He 
he, du Schneiderg'sell, geh du nur aus der Höll'! Wir brauchen 
nicht das Bügeln, es gehe, wie es wöll!" 

5. Er nahm den Pfriemen aus dem Sack und stach sie in die 
Köpf er sagt: „Halt still, ich bin schon da; so setzt man bei uns 
Knöpf. „He he, du Schneiderg'sell, geh einmal aus der HöllM 
Wir brauchen keine Knöpfe, es gehe, wie es wöll!" 

6. Drauf nahm er Nad'l und Fingerhut und fing zu stechen an: 
er flickt den Teufeln d'Naslöcher zu, so eng er immer kann. 
„He he, du Schneiderg'sell, pack dich doch aus der Höll'! Wir 
können nimmer schnaufen, es gehe, wie es wöll!" 

7. Darauf fängt er zu schneidern an, das Ding hat ziemlich 
brennt; er hat den Teufeln mit Gewalt die Ohren abgetrennt 
„He he, du Schneiderg'sell, marschier nur aus der Höll'! Sonst 
brauchen wir den Bader, es gehe, wie es wöll! 44 

8. Nach diesem kam der Luzifer und sagt: „Es ist ein Graus 
kein Teufel hat ein Schwänzerl mehr; jagt ihn zur Höll' hinaus!" 
„He he, du Schneiderg'sell, nun pack dich aus der Höll'! Wir 
brauchen keine Kleider, es gehe, wie es wöll!" 

9. Nachdem er nun hat aufgepackt, da war ihm erst recht wohl; 
er hüpft und springet unverzagt, lacht sich den Buckel voll, slnz 
eilends aus der Höll' und blieb ein Schneiderg'sell: Drurn holt 
der Teufel kein Schneider mehr, er stehl', so viel er wöll! 

1808. Volkslied aus des Knaben Wunderhorn. 



1. Grüß euch Gott, ihr Na - gel-schmied'» 



Mei-ster und Ge - sei - len mein' ich mit; 




Jun-gen tu' ich nicht aus-schlie-fcen, und es 



❖ | HANDWERKER- UND JÄGER L IEDER | 165 

ff r J i F c f J i .m^Nh-j^h 

möcht' sie auch verdrießen; Gott geb' euch viel Fried'! 

2. Nagelschmied' zum Ruhm und Preis machen Nägel tausend- 
weis: glatte, kreuzgestempelte Nägel, Groschen- und auch Batzen- 
nägel machen sie all mit Fleiß. 

3. Wenn viel tausend fertig sein, zählt er sie und faßt sie ein 
und tut auf den Markt hinlaufen; dann tut er sie all verkaufen, 
beide groß und klein. 

4. Nagelschmied arbeit't sich müd, Tag und Nacht hat er kein'n 
Fried'; er muß bei der Werkstatt sitzen, öfters frieren, öfters 
schwitzen, bis er durstig wird. 

5. Dann geht er ins Wirtshaus fort, kauft für Geld und gute 
Wort Bier und Wein, sich zu erquicken; dann tut er sich wiederum 
schicken heim an seinen Ort. 

6. Nun ade, ihr Nagelschmied'! Meister und Gesellen mein' ich 
mit: Gott woll euch Gesundheit geben, Meister und Meistrin ein 
langes Leben, hier und dort in Fried'! Volkslied aus Schlesien. 



191 



1817. Karl Groos, 1789-1861. 



I 



l. Ich bin vom Berg der Hir - ten - knab', seh' 



I 



auf die Schlös-ser all her - ab; die Son - ne 



3 



strahlt am er - sten hier, am läng - sten wei - 




let 



m 



sie bei mir; ich bin der Knab' vom Ber - ge. 

2. Hier ist des Stromes Mutterhaus; ich trink' ihn frisch vom 
Stein heraus; er braust vom Fels in wildem Lauf, ich fang' ihn 
mit den Armen auf; ich bin der Knab' vom Berge! 



166 | HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER I * 

3. Der Berg, der ist mein Eigentum, da ziehn die Stürme 
rings herum; und heulen sie von Nord und Süd, so überschallt 
sie doch mein Lied: Ich bin der Knab' vom Berge! 

4. Sind Blitz und Donner unter mir, so steh* ich hoch im 
Blauen hier; ich kenne sie und rufe zu: Laßt meines Vaters 
Haus in RuhM Ich bin der Knab* vom Berge! 

5. Und wann die Sturmglock' einst erschallt, manch Feuer 
auf den Bergen wallt, dann steig' ich nieder, tret' ins Glied 
und schwing' mein Schwert und sing' mein Lied: Ich bin der 
Knab' vom Berge! 1806. Ludwig Unland, 1787-1862. 



192 

Je 



Studentenweise. 



Ich schieß den Hirsch im wil - den Forst, im 



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tie - f( 


in Wald das Reh, 


den Ad - ler auf der 








TT . 

Klip - 1 


J^-JT-Jfl^j ' " 1 * =— 1 

>e Horst, die En - te auf dem See; kein 



Ort, der Schutz ge-wäh-ren kann, wo mei-ne Büch - se 



I 



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zielt, und den - noch hab' ich har - ter Mann die 



I 



Lie - be auch ge - fühlt, und den- noch hab* ich 



n 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



167 




har - ter Mann die Lie-be auch ge - fühlt. 



2. Kampiere oft zur Winterzeit in Sturm und Wetternacht, 
hab* überreift und überschneit den Stein zum Bett gemacht; auf 
Dornen schlief ich wie auf Flaum, vom Nordwind unberührt, 
und dennoch hat die harte Brust die Liebe auch gespürt. 

3. Der wilde Falk ist mein Gesell, der Wolf mein Kampf- 
gespan; der Tag geht mir mit Hundsgebell, die Nacht mit 
Hussa an. Ein Tannreis schmückt statt Blumenzier den schweiß- 
bedeckten Hut, und dennoch schlug die Liebe mir ins wilde 
Jägerblut. 1826. Franz v. Schober, 1798-1882. 



193 








1 






Volksw 


eise, 1827. 






1 






■ 


• 







I 



1. Im Wald und auf der Hei - de, da 

sei 



such' ich mei-ne Freu - de; ich bin ein Jä-gers- 



fite 



mann, ich bin ein Ja - gers-mann! Die 





For-sten treu zu pfle - gen, das Wild-pret zu er- 



5 



fei 



le - gen, mein Lust hab' ich dar - an, mein 



168 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 




Lust hab* ich dar - an. 



Hai - Ii, hal-lo, hal- 



F i r c • ? 



2 



Ii, hal - lo, mein Lust hab' ich dar - an. 

2. Trag' ich in meiner Tasche ein Schlücklein in der Flasche, 
ein Stückchen schwarzes Brot; brennt lustig meine Pfeife, wenn 
ich den Forst durchstreife, da hat es keine Not. 

3. Im Walde hingestrecket, den Tisch mit Moos mir decket 
die freundliche Natur; den treuen Hund zur Seite, ich mir das 
Mahl bereite auf Gottes freier Flur. 

4. Das Huhn im schnellen Zuge, die Schnepf im Zickzack- 
fluge treff ich mit Sicherheit; die Sauen, Reh' und Hirsche er- 
leg' ich auf der Birsche, der Fuchs läßt mir sein Kleid. 

5. So streich' ich durch die Wälder, so zieh' ich durch die 
Felder einsam den vollen Tag; doch schwinden mir die Stunden 
gleich flüchtigen Sekunden, tracht' ich dem Wilde nach. 

6. Wenn sich die Sonne neiget, der feuchte Nebel steiget, 
mein Tagwerk ist getan, dann zieh' ich von der Heide zui 
häuslich stillen Freude, ein froher Jägersmann. 

1816. Wilhelm Bornemann, 1767—1851. 



194 




D 



D 



Volksweise. 



L Lu - sti - ger Ma - tro - sen- sang, ho - i - ho! 
A? D 



tö - ne laut mit hei - lern Klang ho - i - ho! 
Q D 



5 



fei 



( See-manns-le-ben vol - 1er Lust, ho - i - hol \ 
\schwel-let, he-bet mir die Brust, ho - i - ho! f 



❖ | HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 1 169 

A 7 

Aü Ai D e D^ G 

fea ^^r r f r' | f Cr 

wie die See im Wo - gen - drang, ho - i- 





At l ; D 


A, 2. D 

\f C r-Ul 


ho - i - 


ho - i - ho! 


ho - i - ho! 



2. Mit der Fluten frischem Hauch mischt sich meines Pfeif- 
chens Rauch; Wellen tanzen vor dem Kiel; seh' ich zu dem 
muntern Spiel, fliehn die Grillen wie der Hauch, hoiho! 

3. Toben Sturm und Wetternacht wild, dag alles stöhnt und 
kracht, Seemannsherz erzittert nicht, weiß, dag Sturm und Well' 
sich bricht und die Sonne wieder lacht, hoiho! 

Hermann Janke. 



195 


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Volksweise. 


1. Lu - sti 


g ist's M 


— • — 

a - tro - 


sen- 


leb'n, hal - t( 


) - jo! 



ist mit lau - ter Lust um-geb'n, hal - to - jo! 



i J - C [ G F~* 

bald nach Sü - den. bald na< 


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Nord, hal - tc 


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"2 ' l l l u 1 • .!•*»" 

trei - ben uns die Wel-len fort, hal - to - jo! 


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1 so 



170 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDFR 




manchen schönen Ort, hal - to - jo, hal- to - jo, holt-jo! 

2. Hat das Segel Wind gefaßt, so besteigen wir den Mast, 
bei zufrieden, Kapitän, Wind und Wetter werden schön: laftt 
die Fahnen lustig wehn! u 

3. Kommen wir nach Engelland, ist Matrosen wohlbekannt, 
kehren wir zur Stadt hinein, wo die schönen Mädchen sein 
und man führt uns hübsch und fein. 

4. Eins das macht mir viel Verdruß, weil ich von der Liebsten 
muß. Fischlein schwimmen in dem Bach, Liebchens Tränen 
schwimmen nach. Und zuletzt ein heißes Ach! 

5. Aus ist nun das Schiffsmannslied; er nimmt von der Welt 
Abschied. Ziert sein Grab kein Leichenstein, frißt der Haifisch 
sein Gebein, er wird dennoch selig sein. Volkslied 



196 



Aus Breslau. 




1. Mein Handwerk fällt mir schwer, drum lieb' ich's noch viel 




macht mir kei - ne Schmer - zen. Mein Hand - werk 




fällt mir schwer, drum lieb» ich's noch viel mehr. 

riip' N^ht,^iTT. rS in dem Wald ' wo Axt und Beil erschallt, 
die Nachtigall tut singen, des Meisters Geld tut klingen: da 
spurt man nichts als Lust in unsrer Herzensbrust. 
3. Die Schnur, die ziehn wir auch nach rechtem Handwerks- 

™mJ 'Jv nH k R S™** 0 * 1 * 11 ' d en Zollstock abzumessen die 
rechte Höh* und Breit', die Läng» ist auch dabei. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



171 



4. Wo kommen Kirchen her und Häuser noch vielmehr, 
schöne Brücken auf den Flüssen, alles das wir zimmern 
müssen! Zu Wasser und zu Land ist unser Handwerksstand. 

5. Ist nun ein Bau vorbei und gibt es Schmauserei, gut 
zu essen und zu trinken, gebrat'ne Wurst und Schinken, gut 
Bier, ein Krüglein Wein — da ist gut Zimmermann sein. 

6. Ist aber ein Bau vorbei, der Meister will trotzig sein, 
schnür'n wir unser G'schirr zusammen und reisen in Gottes 



Namen, sprechen 


bei einem andern zu, da gibt's Arbeit genug. 

Zimmergesellenlied. 


197 


1804. A. B. Webe 


r, 1766—1811. 



* 



1. Mit de 


m Pfeil 


dem Bo 


- gen, du 


rch Ge - birg und 










U — — — — 1 



Tal kommt der Schütz' ge-zo-gen früh am Mor-gen- 







-— — V 


strahl. La - la - 


z gl 5 gll 

la, la - la - la, la - la - la - la, la- 











la, la - la - la - la. 

2. Wie im Reich der Lüfte König ist der Weih durch Ge- 
birg und Klüfte herrscht der Schütze frei. 

3. Ihm gehört das Weite, was sein Pfeil erreicht; das ist 
seine Beute, was da kreucht und fleucht. 

1803. Friedrich Schiller, 1759—1805. 



198 



Neapolitanisches Gondellied von Gordigiani. 

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d 07 . 




1. Schon glänzt das Mon - den -licht am Hirn - mels- 



172 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 





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bo - gen; sanft wehn die Ltif - te, still sind die 

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Wo-gen. Mein Na-chen har-ret hier; kommt, stei - get 

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ein zu mir! San - ta 
|l.G 7 



Lu 



2.G7 



ci - a, 

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San - ta Lu - ci - a! 



San - ta Lu - ci - a! 



2. Holdes Neapel, Ort süßer Freuden, kennst keine Sorgen, 
kennst keine Leiden. Fröhlicher Liederschall tönt in dir überall. 
Santa Lucia, Santa Lucia! 



Neapolitanisches Volkslied. 



Sprich: Lutschia! 



199 



i 



Volksweise. 



1. Seid nur 



ihr Hand 



lu - stig und fröh 
— fr- 



lich, 



m 

sei - 



Hand - werks - ge 



len; 



* I HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



denn es 


kommt die Zeit, 

1 1- p f i- i> 


— h 


die uns 


all er -freut, 


.er ' ' 

sie ist all be -reits schor 


i da. 



2. Wir haben uns besonnen und haben Feierabend ge- 
nommen, so ganz in der Still', reden auch nicht viel, denn 
das bringt in Schwulibus. 

3. Wir haben uns besonnen, wo wir werden hinkommen; 
in das Österreich, gilt uns alles gleich, Wien ist allda die 
Hauptstadt. 

4. Kaiser, Könige von China, schöne Sachen sind zu lernen 
da, von Bescheidenheit, von der Höflichkeit, wie auch von der 
Pfifferei. 

5. Dresden in Sachsen, wo die schönen Mädchen auf den 
Baumen wachsen. Hätt' ich nur daran gedacht, hätt* ich mir 
eine mitgebracht, und unserm Altgesellen auch eine! 

6. Berlin in der Brandenburg leben's ärger noch als wie der 
Türk; schlamboliren sehr, lieben noch viel mehr; 's gibt allda 
auch Kanoniere. 

7. Hall' und Jena an der Saalen, da wollte mir's auch nicht 
gefallen, weil der Handwerksbursch knollig leiden muß von den 
Herrn Studiosibus. 

8. Aber dort in Heidelberg ist ein ganz fidele Staatsherberg': 
da ist alles still, wenn man lustig will d'ganze Nacht krambam- 
bulieren. 

9. Kommen wir nach Frankfurt 'nein, wo so viele deutsche 
Brüder sein, da hab'n wir all'zeit unsre größte Freud'; 's ist 
auch da das deutsche Bündnis. 

10 Straßburg in der Elsaß, allda reist' ich eben fürbaß. 
Frankreich in Paris, wo ich meine Stiefel ließ. Ei, so krieg 
du die Crepanße. 

11. Amsterdam in die Holland, schöne Farben sind allda 
bekannt; grün und himmelblau, gelb und aschengrau, wie auch 
etwas Karmoasine. 

12. London in Engeland, schöne Pferde sind allda bekannt, 
rennen so geschwind wie ein Sturmeswind, haben aber keinen 
Schwanz. 



174 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



13. Kopenhagen im Sunde, viel Schiff liegt allda zu Grunde. 
Übers weite Meer bringl man Stockfisch her; 's gibt auch allda 
viel Seehunde. 

14. Moskau in die Rußland, allerlei Leder sind uns da be- 
kannt, Juchten und Korduan; Zucker und Marzipan essen's allda 
schon zum Frühstück. 

15. Wenn wir all's gerichtet aus, alsdann gehn wir wieder 
still nach Haus, denken an die Zeit, die uns hat erfreut, und 
nun gehn wir wieder fort. 

16. Jetzt, ihr Brüder, lebet wohl! lebet aller süßen Freuden 
voll! Tut noch eins Bescheid! 's daure unsre Freud* bis drei 
Tag nach der Ewigkeit! Handwerksburschen -Wanderschaft. 



Volksweise. 
f 



200 



2 



1. Was a - ber fangt ihr Mei - ster an, weil 























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1 




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wir jetzt wan-dern ge - hen? Das schö-ne Früh-jahr 



kommt her - an, a - de, es 



ist 



ge - sehe - hen. Wir 



wol-len nimmer bei euch sein, fort - zie - hen wie die 



I 



gl 



Vö - ge - lein. Das soll uns wohl an - ste - hen. 

2. Was Kaisern, Königen wohlgefällt und allen Potentaten, 
das sehn wir draußen in der Welt und schaffend mit den Taten. 
Nichts ist so groß und nichts so schön, es muß durch unsre 
Hände gehn, kann unser nit entraten. 



HANDWERKER- UND JÄGERLIEDER 



175 



3. Woher kommt Trommel und Dromet, die lieblich süße 
Lauten, wenn's nicht aus unsern Händen geht? Wer schaffet 
Orgelbauten? Die ganze Zier der Musika war ohne unser Kunst 
nicht da, wenn wir nichts lernten, schauten. 

4. Drum Brüder, jetzt zur Frühlingszeit den Wanderstab ge- 
nommen, und frisch gereiset in die Weit', wohin die Beine 
kommen! Und halft euch brav und halft euch wohl, wie's ein 
Rechtschaffner machen soll, das wird euch trefflich frommen. 

Gesellenlied aus dem 18. Jahrhundert. 



201 



Volksweise, wahrscheinlich von W. v. Zuccalmaglio, 1803—1869. 



1. Was ra-schelt in dem Gra - se dort? Lauf, Jä-ger, 



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laufl Was flü - stert lei - se fort und fort? 



Lauf, Ja - ger, lauf, Jä - ger, lauf, lauf, laufl Mein 



, g« IV., CF 

=*M. . - -i 


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WC* & ' 






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l 



lie-ber Jä-ger, lauf, mein lie-ber Jä-ger, lauf! 

2. Ein Häschen spielt im Mondenschein. Lauf, Jäger, lauf! 
Ihm leuchten froh die Äugelein. Lauf, Jäger usw. 

3. Was ist das für ein Untier doch? Lauf, Jäger, lauf! Hat 
Ohren wie der Blocksberg hoch! Lauf, Jäger usw. 

4. Das muß fürwahr ein Kobold sein, hat Augen wie Kar- 
funkelstein! Lauf, Jäger usw. 

5. O Jäger, laß die Büchse ruhn, das Tier könnf dir ein 
Leides tun! Lauf, Jäger usw. 

6. Der Jäger lief zum Wald hinaus, verkroch sich flink im 

Jägerhaus. Lauf, Jäger USW. W. v. Zuccalmaglio. 



176 



SOLDATENLIEDER 



202 



i 



V. SOLDATENLIEDER. 
G D? G 



Volksweise. 



1*1 — *> 



3 



h Brü-der, freut euch in der Run - de; denn es 
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* 



heißt Re - ser - ve-mann, Re - ser - ve- mann; denn es 
D G 



3= 



^C_C_C_l 



kommt die fro - he Stun - de, wo ein je der 

E 



C-CHT f f-= j» 



sa - gen kann; denn es kommt die fro - he 

a e H? e D? 

-— -Fv 



i 



Stun - de, Stun - de, 

G 



wo ein je - der 



sa - gen kann: Glo - ri, glo - ri, glo - ri, 
C 



glo - ri - a! Schön sind die Mäd-chen zwi-schea 

WLMMJL . ■ ~ ■ LEJ 



SOLDATENLIEDER 



| 177 



* 



i: 



sieb -zehn, acht-zehn Jahr! Glo - ri, glo - ri, glo - ri, 
D ? G 



n 



-9 g- 



glo - ri - a! Schö - ne Mäd-chen sind schon da! 

2. Einen Rock noch von der Kammer gibt man dem Reserve- 
mann; aber ach, es ist ein Jammer, 's ist kein heiler Fetz' mehr 
dran. Glori . . . 

3. Aber es hat nichts zu sagen, wenn der Rock zerrissen ist; 
denn er wird ja nur getragen von dem Bauern auf dem Mist. 
Glori . . . 

4. Treu gedient hab* ich zwei Jahre ohne Furcht und ohne 
Scheu. Bin zwar oft ins Loch gefahren; aber was ist denn da- 
bei? Glori, glori, glori, gloria! Schön sind die Mädchen von 
Batavia! Glori . . . Reservelied. 



Volksweise 1849. 





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LAS? ± — J 

1. DU 


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Rei - se nach 




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fällt uns so schwer. Du mein ein - zig schö - nes 



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Mäd-chen, wir sehn uns nicht mehr; du mein 



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ein -zig schönes Mädchen, wir sehn uns nicht mehr. 

2. Sehn wir uns nicht wieder, ei so wünsch' ich dir Glück! 
Du mein einzig schönes Mädchen, denk' oftmals zurück. 

3. Des Sonntags frühmorgens sagt der Hauptmann zum Rapport: 
„Guten Morgen, Kameraden, heut müssen wir fort." 

4. Ei warum denn nicht morgen, ei warum denn grad' heut; 
denn es ist ja heute Sonntag für uns junge Leut\ 

5. Der Hauptmann spricht leise: „Daran hab' ich keine Schuld; 
denn der Oberst, der uns führet, hat keine Geduld." 

6. Das Schifflein am Strande schwankt hin und schwankt her, 
grad' als ob im fremden Lande keine Hoffnung mehr war*. 

7. Das Schifflein am Strande schwankt hin und schwankt her: 
Du mein einzig schönes Mädchen, wir sehn uns nicht mehr. 

1849. Volkslied aus dem schleswig-holsteinischen Kriegfe. 



204 



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Volksweise 1313— 1815. 



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1. Ein Schiff - lein sah ich fah - ren, Ka - pi 

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tan und Leu - te - nant, dar - in - nen war'n ge 
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la - den drei bra - ve Korn - pag - nien Sol- 
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da - ten, Ka-pi - tan, Leu- te -nant, Fäh-ne-rich, Ser- 



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geant, nimm das Mä-del, nimm das Mä-del, nimm das 
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Mä - del bei der Hand! Sol - da - ten, Ka - me- 
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ra - den, Sol - da - ten, Ka - me - ra - den! 

2. Was sollen die Soldaten essen? Kapitän und Leutenant. 
Gebratene Fisch' mit Kressen, das sollen die Soldaten essen. 

3. Was sollen die Soldaten trinken? Kapitän und Leutenant. 
Den besten Wein, der zu finden, den sollen die Soldaten trinken. 

4. Wo sollen die Soldaten schlafen? Kapitän und Leutenant. 
Bei ihrem Gewehr und Waffen, da sollen die Soldaten schlafen. 

5. Wo sollen die Soldaten tanzen? Kapitän und Leutenant. 
Bei Harburg auf der Schanzen, da sollen die Soldaten tanzen. 

6. Wie kommen die Soldaten in den Himmel? Kapitän und 
Leutenant. Auf einem weißen Schimmel, da reiten die Soldaten 
in den Himmel. 

7. Wie kommen die Offiziere in die Höllen? Kapitän und 
Leutenant. Auf einem schwarzen Fohlen, da wird sie der Teufel 
schon holen. Soldatenlied. 



205 



1837. Fr. Silcher, 1789-1860. 



1. Es geht bei ge-dämpf-ter Trom-mel Klang; wie 



weit noch die Stät - te, der Weg wie lang! O 



180 



SOLDATENLIEDER 



war 1 er zur Ruh' und al - les vor - bei ! Ich 



glaub', es bricht mir das Herz ent-zwei; ich 




glaub', es bricht mir das Herz ent - zwei. 



2. Ich hab in der Welt nur ihn geliebt, nur ihn, dem man jetzt 
den Tod doch gibt. Bei klingendem Spiele wird paradiert, I: dazu 
bin auch ich, auch ich kommandiert. :-| 

3. Nun schaut er auf zum letzenmal in Gottes Sonne freudigen 
Strahl, nun binden sie ihm die Augen zu: I: dir schenke Gott die 
ewige Ruh'! :| 

4. Es haben die Neun wohl angelegt, acht Kugeln haben vor- 
beigefegt, sie zitterten alle vor Jammer und Schmerz: [: ich aber, 
ich — traf ihn mitten ins Herz. :| 

1832. Adalbert v. Chamisso, 1781—1860. 




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Her - ze auch bricht. Treu und be - stän - dig 







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sollst du sein, du sollst mein ei - gen sein. 

2. Ich bin noch jung an Jahren, kann auch schon traurig sein; 
ich hab' schon viel erfahren, muß auch Soldat jetzt sein. Wir 
müssen ziehen wohl in das Feld, bekommen ein'n Säbel und kein 
Geld; für Burschen ist das ein harter Schlug, für die Mädchen 
viel Verdruß. 

3. Ich hört' ein Vöglein pfeifen, das pfeift die ganze Nacht, 
vom Abend bis zum Morgen, bis daß der Tag anbrach. Schließ 
du das Herz wohl in das mein, schließ eins ins andere hinein; 
daraus soll wachsen ein Blümelein, das heißt Vergiß nicht mein. 

Aus der Pfalz. 



207 



Friedrich Silcher, 1789—1860. 
Nach der Melodie: „Ein schwarzbraunes Mädchen". 



2 



1. Ich hart' ei - nen Ka - me - ra - den, ei - nen 



bes-sern findst du nit. Die Trom - mel schlug zum 



Strei - te, er ging an mei - ner Sei - te in 



Volkslieder 



182 | SOLDATENLIEDER | * 

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glei-chem Schritt und Tritt, in glei-chem Schritt und Tritt 

2. Eine Kugel kam geflogen, gilt's mir oder gilt es dir? Ihn 
hat es weggerissen, er liegt vor meinen Fügen, |: als war's ein 
Stück von mir. :| 

3. Will mir die Hand noch reichen, derweil ich eben lad'! 
„Kann dir die Hand nicht geben; bleib du im ew'gen Leben 
|: mein guter Kamerad I M :\ \m. Ludwig Uhiand, 1787-1862. 



208 



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Volksweise. 



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L Lip-pe - Det - mold, ei - ne wun - der- 

6. Und als er die - se Wor - te noch nicht 



schö 
aus - ge 


ne Stadt! 
- spro-chen hat - te, 


Dar - 
kriegt 


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dat. Ei, der muß mar-schie- ren in den 

Schuß. (BumlBum!) 




Krieg, ei, der muß mar-schie -ren in den Krieg, wo 



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die Ka - no - nen stehn, wo die Ka - no - nen stehn. 



2. Und als er in die Stadt 'nein kam, da geht er auf die Kom- 
mandantur. Ei, da schaut der General zum Fenster raus: „Mein 
Sohn, bist du schon da? 

3. Gehe du man gleich zu dem Feldwebel hin, und zieh den 
Blaurock an! Denn du mußt marschieren in den Krieg, wo die 
Kanonen stehn." 

4. Und als er auf das Schlachtfeld kam, kriegt er den ersten 
Schuß (Bum! Bum!) Ei, da liegt er nun und schreit so sehr, 
weil er getroffen ist. 

5. Ach, Kamrad, lieber Kamerade mein, schreibe du einen 
Schreibebrief; schreibe du, schreibe du an meinen Schatz, daß 
ich getroffen bin. 

6. Und als er diese Worte noch nicht ausgesprochen hatte, 
kriegt er den zweiten Schuß (Bum! Bum!) Ei, da liegt er nun 
und schreit nicht mehr. Seine Seele ist bei Gott. 

Soldatenlied aus Westfalen. 



209 



Volksweise 1842. 
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1. Mäd-chen mei - ner See - len, bald ver - laß ich 





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dich, 



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bleibst mir e - wig un - ver - än - der - lieh. 



184T SOLDATENLIEDER 



2. Dort auf jener Straßen schwur ich, Mädchen, dir, und du 
tatest desgleichen einen Schwur zu mir. 

3. Diesen Schwur zu halten, das sei unsre Pflicht. Jetzo geht's 
zum Kampfe — Mädchen, weine nicht! 

4. Mädchen, lag das Weinen, weil ich von dir muß! Komm 
in meine Arme, nimm den Abschiedskuß! 

5. Droben auf dem Berge stehn so viele Kanon'n; da hilft 
kein Erbarmen, der Tod ist unser Lohn. 

6. Mancher Vater und Mutter weint um ihren Sohn; er ist 
längst erschossen, im Grabe ruht er schon. 

Nach einem Soldatenlied von K. C. W. Kolbe, 1792. 



210 Volksweise aus dem 18. Jahrhundert, nach dem Druck von 1827. 

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1. Mor - gen - rot, Mor - gen - rot, leuch-test mir zum 
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frü - hen Tod? Bald wird die Trom - pe - te 
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bla - sen, dann muß ich mein Le - ben las - sen, 

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ich 


und 


man - eher Ka - me - 


rad. 







2. |: Kaum gedacht, :| ward der Lust ein End' gemacht! 
Gestern noch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust ge- 
schossen, morgen in das kühle Grab. 

3. |: Ach, wie bald :| schwindet Schönheit und Gestalt! 
Prahlst du gleich mit deinen Wangen, die wie Milch und 
Purpur prangen r ach, die Rosen welken all! 



SOLDATENLIEDER 



185 



4. |: Darum still :| füg' ich mich, wie Gott es will. Nun, so 
will ich wacker streiten, und sollt' ich den Tod erleiden, stirbt 
ein braver Reitersmann. 

1824. Wilhelm Hauff, 1802—1827, nach der schwäbischen Umdichtung „Ach wie 
bald" des Liedes „Wie gedacht", 1751 von Christian Günther, 1695—1723. 



1828. Volksweise aus dem 18. Jahrhundert. 



211 



1.0 Straß -bürg, o Straß -bürg, du wun - der- 



schö - ne Stadt, dar - in - nen liegt be- 



2. 



gra - ben so man - ni - eher Sol - dat, 



dat. 



2. So mancher, so schöner, auch tapferer Soldat, der Vater 
und lieb Mutter böslich verlassen hat. 

3. Verlassen, verlassen, es kann nicht anders sein; zu Straß- 
burg, ach zu Straßburg Soldaten müssen sein. 

4. Die Mutter, die Mutter, die ging vors Hauptmanns Haus: 
„Ach, Hauptmann, lieber Herr Hauptmann, gebt uns den Sohn 
heraus!" 

5. „Euren Sohn kann ich nicht geben für noch so vieles 
Geld; euer Sohn und der muß sterben im weiten, breiten Feld. 

6. Im weiten, im breiten, dort draußen vor dem Feind, 
wenn gleich sein schwarzbraun Mädel so bitter um ihn weint." 

7. Sie weinet, sie greinet, sie klaget allzusehr: „Ade, du 
Herzgeliebter, ich seh' dich nimmermehr!" 

Volkslied, zuerst im „Sesenheimer Liederbuch" um 1771 aufgezeichnet. 



212 



Aus Süddeutschland. 
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1. Schatz, mein Schatz, rei - se nicht so weit von 



186 



SOLDATENLIEDER 




mir! 



Im Ro -sen-gar - ten will ich dei-ner 
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war - ten im grü-nen Klee, im wci-gen Schnee. Schnee. 



«JLÜf£ ZU erwa . rten .<las brauchest du ja nicht, geh* du zu 

1 ^rh hMn- e M eS?, t iC Ä mir , eben reCht ' eben reCf "- 

3. Ich heiraf nicht nach Geld und nicht nach Gut. Eine treue 
Seele tu ich mir erwähle, wer's glauben tut, wer's glauben tut 

4. Wer's glauben tut, ei, der ist weit von hier; er ist in 
Schleswig und er ist in Holstein, er ist Soldat, Soldat ist er. 
<JL!n S ebe \ ei ' d as heißt traurig sein; wenn andre 
trouiUe gehn " ™' muß Schildwach ' stehn, Pa- 
i . - Patrouillen gehen, das brauchest du ja nicht; wenn die 

S'ich&dT' S ° mUßt dU Sa?en: ScLt *> Ärmeln! 

7. Wer hat denn dieses schöne Lied gemacht? Zwei Reiters- 
jungen, die haben's gesungen, wohl auf der WachMn dÜSr 
Soldatenlied. 



2tt Volksweise: „Ich hab' ein kleines Hüttchen nur« aus dem 18. Jahrhundert 




1. Steh' ich in fin-strer Mit - ter - nacht so ein-sam 




auf der Stil- len Wacht, so denk» ich 



an mein fer-nes 




Lieb, ob mir's auch treu und hold ver - blieb. 





* 1 


SOLDATENLIEDER 


| 187 



2. Als ich zur Fahne fort gemüßt, hat sie so herzlich mich 
geküßt, mit Bändern meinen Hut geschmückt und weinend mich 
ans Herz gedrückt. 

3. Sie ist mir treu, sie ist mir gut; drum bin ich froh und 
wohlgemut! Mein Herz schlägt warm in kalter Nacht, wenn es 
ans treue Lieb gedacht. 

4. Die Glocke schlägt, bald naht die Rund' und löst mich ab 
zu dieser Stund*. Schlaf wohl im stillen Kämmerlein und denk' 
in deinen Träumen mein! 1824. Wilhelm Hauff, 1802—1827. 



214 

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Soldatenweise.*) 



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1. Weißt du noch die schönen Mai-en - ta - ge, wo die 



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Lie - be uns be - se - ligt hat? Du ge- 



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stan-dest mir auf mei - ne Fra - ge, ja das 



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Lieb-ste sei dir ein Sol - datf 



Die Sol- 



1. 



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da - ten lie -best du so sehr, doch am mei-sten 



2. 



einen Schwalangscher, meisten einen Schwalangscher. 



•) Mit freundlicher Genehmigung des Dichters. 



188 | SOLDATENLIEDER | * 

2. Wo du hingingst, bin ich mitgegangen, und am Himmel 
hat der Mond gescheint, wenn wir leise Liebeslieder sangen, 
und die Herzen innig sich vereint; und beim Abschied sangest 
du: „O kehr morgen wieder als mein Schwalangscher!" 

3. Ach vorbei sind jene schönen Stunden, wo die Liebe 
treue Liebe fand; aus dem Sinne bin ich dir entschwunden, 
deine Falschheit hab' ich wohl erkannt; wo ich liebte, gingst 
du heimlich her, nahmst dir einen andern Schwalangscher. 

4. Lebewohl, das macht mir keine Schmerzen, deine Liebe 
hat verweht der Wind, und ich finde wohl noch andre Herzen, 
wo die Freuden nicht geringer sind; das war traurig, gab's 
kein Mädchen mehr für dem König seinen Schwalangscher. 

Ludwig Thoma, geb. 1867. 



215 ß Volksweise, jetzt durch ganz Deutschland. 

1. Wenn's die Sol - da - ten durch die Stadt mar- 

schie-ren, öff-nen's die Mäd-chen Fen-ster und die 



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Tü - ren. Ei war - um? Ei dar - um! Ei 




Sching-de-ras-sa, Bum - de -ras-sa, Sching-da- ra! Ei 





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SOLDATENLIEDER 


189 



bloß weg'n dem Sching-de-ras-sa, Bum- de-ras-sas -sa! 

2. Zwei Farben Tücher, Schnauzbart und Sterne herzen's und 
küssen's die Mädel ach so gerne. Ei warum usw. 

3. Eine Flasche Rotwein und ein Stückchen Braten schenken's 
die Mädchen ihren Soldaten. 

4. Wenn's im Felde blitzen Bomben und Granaten, weinen's 
die Mädchen um ihre Soldaten. 

5. Kommen's die Soldaten wieder in die Heimat, sind ihre 
Mädchen alle schon verheirate. 

6. Liebste mich denn gar nicht mehr, willste mich verlassen, 
willste mich denn gar nicht mehr in treuer Lieb* umfassen? 

Volkslied. 



216 Volksweise durch ganz Deutschland. 

1. Zehn - tau -send Mann, die zo-gen ins Ma-nö-ver, 

zehn-tau-send Mann, die zo-gen ins Ma-nö-ver. War- 



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um di - del - dum, war - um di - del - dum, die 



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zo - gen ins Ma - nö - ver, rum, di - del - dum. 



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2. Da kamen sie beim Bauer ins Quartiere. 

3. Der Bauer hat 'ne wunderschöne Tochter. 

4. Bauer, Bauer, Bauer! die möcht' ich gerne haben. 

5. Reiter, Reiter, Reiter! wie groß ist dein Vermögen? 

6. Bauer, Bauer, Bauer! zwei Stiefel ohne Sohlen. 

7. Reiter, Reiter, Reiter! so kannst du sie nicht haben. 

8. Bauer, Bauer, Bauer! im Schwarzwald gibt's noch schön're. 

Volkslied. 



217 

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Volksweise nach der Komposition von A. Hackel. 



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1. Zu Straß-burg auf der lan-gen Brück», da stand ich 




ei-nes Tag's; nach Sü-den wand-te sich mein Blick, in 




grau - em Ne - bei lag's. Da dacht' ich mir, da 



hin-ten liegt in wun-der-ba-rem Reiz, mit sei - nen 




Tä - lern, sei-nen Höhn, mein Va-ter-land, die Schweiz! 



2. Und wie ich's dacht' und wie ich's sann, da zog ein Knab' 
vorbei, der blies ins traute Alpenhorn der Heimat Melodei. Da 
ward mir s kalt, da ward mir's warm; rasch sprang ich in die 
Flut; hinauf den Rhein mit starkem Arm schwamm ich mit fri- 
schem Mut. 



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3. Hätt' mich nicht der Sergeant gesehn, da hätt 1 es keine Not; 
jetzt haben sie mich eingebracht und schießen heut' mich tot. 
O liebe Herren, glaubet mir, mich zog ein süßer Ton: der Knabe, 
der das Alphorn blies, der trägt die Schuld davon. 

4. Nun führt hinaus mich vor das Tor und meßt die fünfzehn 
Schritt und schießet wacker; doch zuvor gewährt mir eine Bitt': 
Blast mir das Alphorn noch einmal in wunderbarem Reiz, und 
dann grüßt mir viel tausendmal mein Heimatland, die Schweiz! 

Vor 1847. Salomon Mosenthal, 1821—1877; 
nach einem altdeutschen Volksliede. 




1. Zu Straß - bürg auf der Schanz 1 , da 




ich hin - ü-ber-schwim-men: das ging nicht an! 



2. Ein Stund' wohl in der Nacht, sie haben mich gebracht; sie 
führten mich gleich vor des Hauptmanns Haus; ach Qott! sie 
fischten mich im Strome auf, mit mir ist's aus! 

3. Frühmorgens um zehn Uhr stellt man mich vor das Regi- 
ment; ich soll da bitten um Pardon, und ich bekomm' gewiß 
doch meinen Lohn, das weiß ich schon! 

4. Ihr Brüder allzumal, heut seht ihr mich zum letztenmal: der 
Hirtenbub' ist doch nur schuld daran; das Alphorn hat mir solches 
angetan, das klag' ich an! 

1806. GL Brentano, 1778—1842 und A. v. Arnim, 1781—1859 
nach einem alten Volksliede. 



192 1 



FREIHEITSLIEDER 



VI. FREIHEITSLIEDER. 



219 Vor 1847. 



1. Burschen, her- aus! Las-set es schal-len von Haus zu 



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Haus! Wenn der Ler - che Sil - ber- schlag- grüßt des 



Mai-en er-sten Tag-, dann her-aus und frag-t nicht viel, 



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frisch mit Lied und Lau-ten-spiel! Bur-schen, her-aus! 

2. Burschen, heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! 
Ruft um Hilf die Poesei gegen Zopf und Philisterei, dann heraus 
bei Tag und Nacht, bis sie wieder frei gemacht! Burschen, heraus! 

3. Burschen, heraus! Lasset es schallen von Haus zu Haus! 
Für die Freiheit und unser Land treu die Klingen dann zur Hand, 
und heraus mit mut'gem Sang, war' es auch zum letzten Gang! 

Burschen, heraus! Studentenlied vor 1847. 



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still, wir rei - ten stumm und rei-ten ins Ver - der-ben. Wie 



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weht so scharf der Mor-gen- wind; Frau Wir-tin, noch ein 

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Glas ge-schwind vorm Ster - ben, vorm Ster - benl 



2. Du junges Gras, was stehst so grün? mußt bald wie lauter 
Röslein blühn; mein Blut ja soll dich färben. Den ersten Schluck, 
ans Schwert die Hand, den trink* ich, für das Vaterland zu sterben, 
zu sterben. 

3. Und schnell den zweiten hinterdrein, und der soll für die 
Freiheit sein, der zweite Schluck vom Herben I Dies Restchen 
— nun, wem bring' ich's gleich? Dies Restchen dir, o römisch 
Reich, zum Sterben, zum Sterben! 

4. Dem Liebchen — doch das Glas ist leer; die Kugel saust, 
es blitzt der Speer; bringt meinem Kind die Scherben! Auf! in 
den Feind wie Wetterschlag! o Reiterlust, am frühen Tag zu 

Sterben, ZU Sterben! 1841. Georg Herwegh, 1817—1875. 



221 







Bern zwischen 1810 und 1820. 




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I ( Die Ge - dan - ken sind frei, wer kann sie pr 
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bei wie nacht- Ii - che 
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Schatten I Kein Mensch kann sie wis-sen, kein Ker-ker ein- 



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FREIHEITSLIEDER 



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schließen. Es blei-bet da - bei: Die Ge-dan-ken sind frei! 

2. Ich denke, was ich will und was mich beglücket, doch 
alles in der Still', und wie es sich schicket. Mein Wunsch und 
Begehren kann niemand verwehren, es bleibet dabei: Die Ge- 
danken sind frei! 

3. Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker, das alles 
sind rein vergebliche Werke; denn meine Gedanken zerreißen 
die Schranken und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei! 

4. Drum will ich auf immer den Sorgen entsagen und will 
mich auch nimmer mit Grillen mehr plagen. Man kann ja im 
Herzen stets lachen und scherzen und denken dabei: Die Ge- 
danken Sind frei! Fliegende Blätter 1780. 

222. Mel. Ich hab' mich eroehrn 



1. Ein Ruf ist er - klun-gen durcl 


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i Berg und durch 


Tal: Her - aus, ihr deut - sehen 


Jun - gen, zum 

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grü - nen Waf - fen - saal, her - aus, ihr deut-schen 



Jun - gen, zum grü - nen Waf - fen 



saal! 



2. Erwacht sind die Geister aus schmählichem Tod, als uns 
der alte Meister den deutschen Gruß entbot 

3. Da brausten die Flammen von tapferem Mut, da schlugen 
sie zusammen in einer Seele Glut. 



* 1 FREIHEITSLIEDER | 195 

4. Und ist auch versunken das flammende Wort, es glüht ein 
guter Funken noch in der Asche fort. 

5. Uns flammt noch das Auge von männlicher Lust, uns glüht 
vom Freiheitshauche die freie, frohe Brust. 

6. Uns soll nicht vergehen der Funken der Nacht, bis einst 
der Freiheit Wehen zur Flamme ihn anfacht! 

7. Dann schweben uns wieder die Geister voran, und deine 
Burg bricht nieder, du alter Meister Jahn! 

Turnlieder, München 1844. 



223 



1823. Konradin Kreutzer, 1780—1849. 









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Es le - 


be, was auf Er - den nach Frei - heit 





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strebt und 


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wirbt, von 


Frei - heit 


singt und 



Fine. . 



sa - get, für Frei - heit lebt und 

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stirbt! 



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2. Die Welt mit ih - ren Freu -den ist oh - ne 

3. Fluch sing' ich al - len Zwingherrn, Fluch al - 1er 

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im 



Frei - heit nichts; 
Dienst- bar - keit! 



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die Frei - heit ist die 
Die Frei - heit ist mein 

Da capo alFine, 

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Quel - le der Tu - gend und des Lichts! 
Le - ben und bleibt es al - le - zeit! 

Hoff mann von Fallersleben, 1792—1874. 



196 



FREIHEITSLIEDER 



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224 

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1818. Karl Groos, 1798—1861 ; zuerst gedruckt in der 
„Auswahl deutscher Lieder für Hallesche Burschen** 1822. 



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1. Frei-heit, die ich mei-ne, die mein Herz er - füllt, 



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komm mit dei - nem Schei-ne, sü-ßes En - gels - bild; 



3 



magst du nie dich zei - gen der be-dräng-ten Welt, 



füh - rest dei - nen Rei-gen nur am Ster- nen - zeit? 

2. Auch bei grünen Bäumen in dem lust'gen Wald, unter 
Blütenträumen ist dein Aufenthalt! Ach, das ist ein Leben, 
wenn es weht und klingt, wenn dein stilles Weben wonnig uns 
durchdringt! 

3. Aus den stillen Kreisen kommt mein Hirtenkind, will der 
Welt beweisen, was es denkt und minnt. Blüht ihm doch ein 
Garten, reift ihm doch ein Feld auch in jener harten, stein- 
erbauten Welt. 

4. Wo sich Gottes Flamme in ein Herz gesenkt, das am alten 
Stamme treu und liebend hängt; wo sich Männer finden, die für 
Ehr* und Recht mutig sich verbinden, weilt ein frei' Geschlecht. 

5. Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt, komm mit 
deinem Scheine, süßes Engelsbild! Freiheit, holdes Wesen, 
gläubig, kühn und zart, hast ja lang erlesen dir die deutsche 
Art - Vor 1812. M. v. Schenkendorf, 1783—1817. 



Weise: Gaudeamus igitur. 



225 



1. Frei und un - er-schüt-ter - lieh wach-sen uns-re 



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FREIHEITSLIEDER 



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Ei - chen. 



Mit dem Schmuck der grü - nen Blät-ter 



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stehn sie fest in Sturm und Wet-ter, wan-ken 



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nicht, noch wei - chen, wan-ken nicht, noch wei - chen. 

2. Wie die Eichen himmelan trotz den Stürmen streben, 
wollen wir auch ihnen gleichen, frei und fest wie deutsche 
Eichen unser Haupt erheben. 

3. Darum sei der Eichenbaum unser Bundeszeichen, daß in 
Taten und Gedanken wir nicht schwanken oder wanken, niemals 

mutlos weichen ! 1842. Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



1813. Alb. Methfessel, 1785—1869. 



226 



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l. Hin - aus in die Fer- ne mit lau - tem Hör-ner- 

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klang! Die Stim-me er-he-bet zum mann -Ii - chen Ge- 



sang! Der Frei - heit Hauch weht kräf - tig durch die 



Welt. Ein frei- es, fro-hes Le-ben uns wohl- ge - fällt! 



198 | 



FREIHEITSLIEDER 



2. Wir halten zusammen, wie treue Brüder tun, wenn Tod 
uns umtobet und wenn die Waffen ruhn; uns alle treibt ein 
reiner, freier Sinn; nach einem Ziele streben wir alle hin! 

3. Wer wollte wohl zittern vor Tod und vor Gefahr? Vor 
Feigheit und Schande erbleichet unsre Schar! Und wer den 
Tod im heü'gen Kampfe fand, ruht auch in fremder Erde im 



Vaterland ! 



Albert Methfessel, 1813. 



227 



Volksweise. 



1. Nicht bet-teln, nicht bit - ten! Nur mu - tig ge- 



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strit - ten! Nie kämpft es sich schlecht für 




Frei - heit und Recht, für Frei - heit und Recht. 



2. Und nimmer verzaget! Von neuem gewaget! Und mutig 
voran! So zeigt sich der Mann. 

3. Wir wollen belachen die Feigen und Schwachen. Wer 
steht wie ein Held, dem bleibet das Feld. 

4. Einst wird es sich wenden, einst muß es sich enden zu 
unserem Glück: Drum nimmer zurück! 

Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 



228 



J. H. Stuntz, 1792—1859. 

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1. Sin - ge, wem Ge-sang ge - ge-ben, in dem 




deut-schen Dich - ter - wald ! Das ist Freu - de, das ist 



FREIHEITSLIEDER 



199 



Le-ben, wenn's von al - len Zwei-gen schallt; das ist 



Freu - de, das ist Le - ben, wenn's von al - len 



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Zwei - gen schallt. Nicht an we - nig stol - ze 



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Na-men ist die Lie-der- kunst ge - bannt; aus-ge- 



streu- et ist der Sa - men ü-ber al - les deut-sche 



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Land; aus - ge- streu -et ist der Sa - men, 



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Sa - men ti - ber al - les deut - sehe Land. 



2. Deines vollen Herzens Triebe, gib sie keck im Klange 
frei! Säuselnd wandle deine Liebe, donnernd uns dein Zorn 
vorbei! Singst du nicht dein ganzes Leben, sing doch in der 
Jugend Drang! Nur im Blütenmond erheben Nachtigallen ihren 

Sang. 



200 



FREIHEITSLIEDER 



3. Kann man's nicht in Bücher binden, was die Stunden dir 
verleihn: Gib ein fliegend Blatt den Winden, muntre Jugend 
hascht es ein. Fahret wohl, geheime Kunden, Nekromantik, 
Alchymie! Formel hält uns nicht gebunden, unsre Kunst heißt 
Poesie! 

4. Heilig achten wir die Geister, aber Namen sind uns 
Dunst; würdig ehren wir die Meister, aber frei ist uns die 
Kunst. Nicht in kalten Marmorsteinen, nicht in Tempeln dumpf 
und tot: In den frischen Eichenhainen webt und rauscht der 
deutsche Gott. 1821. Ludwig Unland, 1787-1862. 



229 



Der alte Berner Marsch. 



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1. Tram, träm, trä - ri - di - ri, wir wei frei-e 




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Schwy - zer sy. # Träm, trä - ri - di, ri - di, 



träm, trä - ri - di, wir wei frei - e Schwyzer sy. 




Träm, träm, trä - ri - di - ri, wir wei frei - e 




Schwy - zer sy. Träm, trä - ri - di, ri - di, 




träm, trä - ri - di, wir wei frei - e Schwyzer sy. 
* Wir wollen freie Schweizer sein. 



FREIHEITSLIEDER 



201 



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Rüeft is Land 
Lue, wie d' Au 



zum Schutz a d* Grän-ze!* 
ge al - le glän - zel 



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Rüeft is Land zum Schutz a d' Grän-ze!Lue,wied'Au-ge 

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län - zel Tram 


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trä-ri - di - ri, träm, träm, träm, träm, trä-ri - di - ri - di! 

2.** Träm, träm, träridiri, bis zum Tod mueß g'stritte sy! (4 mal} 
Üsi Buebe mueße säge: „Si sy g'storbe üsertwege!" (2 mal) 
Träm, träm, träridiri .... Aus dem Kanton Bern. 

* Ruft uns das Land zum Schutze an die Grenze! Schau, wie die Augen alle 
glänzen ! 

** Bis zum Tod muft gestritten sein! Unsere Buben müssen sagen: „Sie sind 
gestorben unsertwegen!" 



230 


















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1. Tur-ner, auf zum Strei-te! Tre-tet in die Bahn! 



Kraft und Mut ge-lei-te uns zum Sieg hin -an! 



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Ja, zu heh-rem Ziel füh - ret un - ser Spiel, 



FREIHEITSLIEDER 



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ja, zu heh - rem Ziel füh - ret un - ser Spiel. 

2. Nicht mit fremden Waffen schaffen wir uns Schutz; was 
uns anerschaffen, ist uns Schutz und Trutz; |: bleibt Natur uns 
treu, stehn wir stark und frei. :| 

3. Wie zum Turnerspiele ziehn wir in die Welt; der gelangt 
zum Ziele, der sich tapfer hält. |: Männern, stark und wahr, 
strahlt der Himmel klar. :| 

4. Auf denn, Turner, ringet I Prüft der Sehnen Kraft! Doch 
zuvor umschlinget euch als Brüderschaft! p Großes Werk ge- 
deiht nur durch Einigkeit. :| Heinrich Weismann, 1808-1890. 



231 




1849. Mel. „Und hörst du das mächtige Klingen" 
von A. E. Marschner, 1810—1853. 



1. Und hört ihr das Brau-sen und Klin-gen, im 




Ost schon die Son - ne er-glüht; das Lied mit den 
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e - her - nen Schwin-gen, tief dringt es durch 




Herz und Ge-müt. Was ste-hen die Völ-ker 



und 




lau - sehen? Die ju -beln-den Tö - ne, sie 



FREIHEITSLIEDER 



| 203 



fr" r' f'-TJ-ft-j. J" J J J 1 J' 



rau- sehen: Es ist das Lied der frei - en Tur - ne- 



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rei, es ist das Lied der frei - en Tur - ne- 











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rei, der 


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2. Wir steigen auf sonnige Höhen und schauen ins blühende 
Land, die liebliche Erde zu sehen im strahlenden Frühlings- 
gewand. Und über die Berge und weiter bist du uns der treue 
Begleiter, du freies Lied der freien Turnerei. 

3. Und wirft schon die Nacht ihre Schatten, im Westen der 
Tag ist verglüht, die blühenden Felder und Matten der brauende 
Nebel umzieht: dann leitest aufschwingen du wieder zur Heimat 
die müden Glieder, du trautes Lied der freien Turnerei. 

4. 0 töne, brause und klinge, du starkes, du göttliches Lied! 
Aus jauchzender Kehle sich ringe, was herrlich im Geiste erblüht! 
Die Freiheit in sonniger Weihe, o preise sie immer aufs neue, 
du hehres Lied der freien Turnerei. F. Wildung. 



1814. C. M. v. Weber, 1786—1826. 



232 

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1. Was glänzt dort vom Wal - de im Son - nen- 



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schein, hör's nä - her und nä - her brau-sen? Es 



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zieht sich her - un - ter in dü - ste - ren Reihn, und 



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gel-len-de Hör - ner schal -len dar - ein und er- 



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wenn ihr die s 


»chwarzen Ge-sel-len In 


igt: 


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ist, 



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das ist Lut-zows wil-de ver-we-ge-ne Jagd! 



2. Was braust dort im Tale die laute Schlacht, was schlagen 
die Schwerter zusammen? Wildherzige Reiter schlagen die 
Schlacht, und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht und 
lodert in blutigen Flammen. Und wenn ihr die schwarzen Reiter 
fragt: das ist . . . 

3. Wer scheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht, unter win- 
selnde Feinde gebettet? Es zuckt der Tod auf dem Angesicht, 
doch die wackern Herzen erzittern nicht; das Vaterland ist ja ge- 
rettet! Und wenn ihr die schwarzen Gefallnen fragt: das war . . . 

4. Die wilde Jagd und die deutsche Jagd auf Henkersblut und 
Tyrannen! Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt! 
Das Land ist ja frei und der Morgen tagt, wenn wir's auch nur 
sterbend gewannen. Und von Enkeln zu Enkeln sei's nach- 
gesagt: das war . . . 24.4.1813. Theodor Körner, 1791—1813. 



233 C. F. 0. Schwenke, 1767—1822. 

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1. Wer ist ein frei - er Mann? Der, dem nur 



FREIHEITSLIEDER 



| 205 



eig'-ner Wil- le und kei - nes Zwingherrn Gril-le Ge- 



set - ze ge-ben kann; der ist ein frei- er Mann. 



2. Wer ist ein freier Mann? Der das Gesetz verehret, nichts 
tut, was es verwehret, nichts will, als was er kann; der ist ein 
freier Mann! 

3. Wer ist ein freier Mann? Wem seinen hellen Glauben 
kein frecher Spötter rauben, kein Priester meistern kann; der ist 
ein freier Mann! 

4. Wer ist ein freier Mann? Der selbst in einem Heiden den 
Menschen unterscheiden, die Tugend schätzen kann; der ist ein 
freier Mann! 

5. Wer ist ein freier Mann? Dem nicht Geburt noch Titel, 
nicht Samtrock oder Kittel den Bruder bergen kann; der ist ein 
freier Mann! 

6. Wer ist ein freier Mann? Der in sich selbst verschlossen, 
der feilen Gunst der Großen und Kleinen trotzen kann; der ist 
ein freier Mann! 

7. Wer ist ein freier Mann? Der, fest auf seinem Stande, 
auch selbst vom Vaterlande den Undank dulden kann; der ist 
ein freier Mann! 

8. Wer ist ein freier Mann? Der, muß er Gut und Leben 
gleich für die Freiheit geben, doch nichts verlieren kann; der 
ist ein freier Mann! 

9. Wer ist ein freier Mann? Der bei des Todes Rufe keck 
auf des Grabes Stufe und rückwärts blicken kann; der ist ein 
freier Mann! Gottlieb Konrad Pfeffel, 1736—1809. 

1797. Christ. Jak. Zahn, 1765—1830. 



234 1797. Christ. Jak. Zahn, 1765— 183C 



« ( Wohl-auf, Ka-me-ra -den, aufs Pferd, aufs Pferd, ins 
*\ Im Fei- de, da ist der Mann noch was wert, da 



206 | 



FREIHEITSLIEDER 



ft'T per c."[.i rri#/Jirr rr 



Feld, in die Freiheit ge-zo-gfen! \ ~ ..... . . 

wird das Herz noch ge-wo-gen. / Da tritt kein and-rer 



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für ihn ein, auf sich sei -ber steht er da ganz al - leinl 

2. Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist, man sieht nur 
Herren und Knechte; die Falschheit herrschet, die Hinterlist bei 
dem feigen Menschengeschlechte. Der dem Tode ins Angesicht 
schauen kann, der Soldat allein ist der freie Mann! 

3. Des Lebens Ängste, er wirft sie weg, hat nichts mehr zu 
fürchten, zu sorgen: er reitet dem Schicksal entgegen keck, 
trifft's heut* nicht, trifft es doch morgen; und trifft es morgen, 
so lasset uns heut' noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit! 

4. Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt; drum froh, wer 
den Degen jetzt führet, und bleibt nur wacker zusammengefügt, 
ihr zwingt das Glück und regieret. Es sitzt keine Krone so fest, 
so hoch, der mutige Springer erreicht sie doch! 

5. Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt, die Brust 
im Gefechte gelüftet! Die Jugend brauset, das Leben schäumt! 
Frisch auf! eh der Geist noch verduftet! Und setzet ihr nicht 
das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein! 

1797. Friedrich Schiller, 1759—1805. 



235 

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Volksweise 1844 aufgezeichnet. 



1. Zu Man - tu - 



in Ban - den der 



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treu - e Ho - fer war; in Man - tu - a zum 



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To - de führt ihn der Fein -de Schar. Es 



FREIHEITSLIEDER 



| 207~ 







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blu - te - te der Brü - der Herz; ganz Deutsch-land, 



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ach, in Schmach und Schmerz, mit ihm sein Land Ti- 





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rol, mit ihm sein Land Ti - rol, mit 




ihm sein Land Ti 



mit ihm sein Land Ti 



2. Die Hände auf dem Rücken, Andreas Hofer ging- mit ruhig 
festen Schritten; ihm schien der Tod gering, der Tod, den er 
so manchesmal vom Iselberg geschickt ins Tal, im heilten Land 
Tirol. 

3. Doch als aus Kerkergittern im festen Mantua die treuen 
Waffenbrüder die Hand* er strecken sah, da rief er laut: Gott 
sei mit euch, mit dem verratnen Deutschen Reich und mit dem 
Land Tirol! 

4. Dem Tambour will der Wirbel nicht unterm Schlegel vor, 
als nun Andreas Hofer schritt durch das finstre Tor. Der Sand- 
wirt, noch in Banden frei, dort stand er fest auf der Bastei, der 
Mann vom Land Tirol. 

5. Dort soll er niederknien; er sprach: „Das tu' ich nit! will 
sterben, wie ich stehe; will sterben, wie ich stritt, so wie ich 
steh auf dieser Schanz': Es leb' mein guter Kaiser Franz, mit 
ihm sein Land Tirol!" 

6. Und von der Hand die Binde nimmt ihm der Korporal, 
Andreas Hofer betet allhier zum letztenmal; dann ruft er: „Nun, 
so trefft mich recht! Gebt Feuer! — Ach r wie schießt ihr 
schlecht! Ade! mein Land Tirol!" 

1831. Julian Mosen, 1803—1867. 



208 



BALLADEN 



II 



VII. BALLADEN. 



236 



Mel. Umwandlung von „Es leuchten drei Sterne". 



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1. Die Ro - sen blü - hen im Ta - le, Sol-da-ten 



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zie-hen ins Feld: „A - de nun, mein Lieb-chen so fei - ne, 



ja ja so fei - ne, von Her-zen ge-fal-lest du 



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mir, ja mir, von Her-zen ge-fal-lest du mir." 

2. Und als er wieder nach Hause kam, Feinsliebchen stand 
vor der Tür. „Gott grüfc dich, mein Liebchen so feine . . . ♦ von 
Herzen gefallest du mir." 

3. „Ich brauch* dir ja nicht zu gefallen, ich habe schon längst 
einen Mann; der ist ja viel schöner und feiner .... von Herzen 
gefallet er mir." 

4. Was zog er aus seiner Tasche? Ein Messer, war scharrif 
und spitz; er stieg ihr das Messer ins Herze .... das Blut ihm 
entgegenspritzt 

5. Und als er's wieder heraußer zog, das Messer vom Blute 
so rot: Ach Gott, in dem siebenten Himmel! .... das Mägdlein 
war mäuselein tot. 

6. So geht's, wenn ein Mädchen zwei Knaben lieb hat, 's tut 
wunderselten gut! Da haben wir's wieder gesehen, was falsche 
Liebe tut! 

1848. Umdichtung von „Es leuchten drei Sterne am Himmel. 44 



BALLADEN | 209 



237 

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1813 bei Joachimsthal gehört. 
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t. Es freit ein wil - der 


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Burg wohl ü - ber dem See; des Kö - nigs Toch-ter 

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mußt er han, die schö-ne, jun-ge Li - lo - fee. 

2. Sie hörte drunten die Glocken gehn im tiefen, tiefen See, 
wollt* Vater und Mutter wiedersehn, die schöne, junge Lilofee. 

3. Und als sie vor dem Tore stand auf der Burg wohl über 
dem See, da neigt sich Laub und grünes Gras vor der schönen, 
jungen Lilofee. 

4. Und als sie aus der Kirche kam von der Burg wohl über 
dem See, da stand der wilde Wassermann vor der schönen, 
jungen Lilofee. 

5. „Sprich, willst du hinunter gehn mit mir von der Burg wohl 
über dem See? Deine Kindlein unten weinen nach dir, du schöne, 
junge Lilofee." 

6. „Und eh' ich die Kindlein weinen lag im tiefen, tiefen See, 
scheid* ich von Laub und grünem Gras, ich arme, junge Lilofee." 

Altes Wassermannlied, gekürzt. 



238 Volksweise „Wenn ich kein Geld zum Trinken hab ,a 

vom Anfang des 18.Jahrh. 

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1. Es gin - gen drei Jä-gerwohl auf die Birsch, sie 





woll - ten 


ei 


- ja - gen den 


wei - ße 


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n Hin 


sch, sie 



210 



BALLADEN 



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ffi^p je- e-c i a-f r ii 



woll - ten er - ja - gen den wei - gen Hirsch. 
Schluß. A D 



J l r~r I i 



7. Husch husch! piff paff, tra 



ra! 



2. Sie legten sich unter den Tannenbaum, |: da hatten die drei 
einen seltsamen Traum. :| 

Erster : 

3. „Mir hat geträumt, ich klopf auf den Busch, |: da rauschte 
der Hirsch heraus, husch, husch ! u :| 

Zweiter : 

4. „Und als er sprang mit der Hunde Geklaff, [: da brannt* ich 
ihn auf das Fell, piff, paffl" :| 

Dritter: 

5. „Und als ich den Hirsch an der Erde sah, |: da stieß ich 
lustig ins Horn, traral" :| 

6. So lagen sie da und sprachen die drei, |: da rannte der 
weiße Hirsch vorbei. :] 

7. Und eh' die drei Jäger ihn recht gesehn, |: so war er da- 
von über Tiefen und Höhn. :| Husch husch! piff paff! trara! 

1811. Ludwig Uhland, 1787-1862. 



Volksweise 1818 aufgezeichnet. 



239 



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1. Es leuch-ten drei Ster - ne am Hirn 



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mel, die ge-ben der Lieb* ei - nen Schein: „Gott 



grüß euch, schö-nes Jung- fräu -lein, ja, Ja Jung- 



BALLADEN 



211 



ff rSr r'cic s-g p c drni 

fräu - lein, wo bind' ich mein Rös-se-lein hin?" 



lein, wo bind' ich mein Rös-se-lein hin?" 

2. „Nimm du es dein Rößlein beim Zügel, beim Zaum, bind's 
an den Feigenbaum und setz' dich ein kleine Weil' nieder .... 
und mach mir ein kleine Kurzweil." 

3. „Ich kann und mag nicht sitzen, mag auch nicht lustig sein; 
mein Herz möcht mir zerspringen .... Feinslieb von wegen dein." 

4. Was zog er aus der Taschen? Ein Messer, war scharf 
und spitz; er stach's seiner Lieben ins Herze .... das rote Blut 
gegen ihn spritzt. 

5. Und da er's wieder herauger zog, von Blut war es so rot: 
„Ach, reicher Gott vom Himmel .... wie bitter wird mir der Tod!" 

6. Was zog er ihr abe vom Finger? Ein rotes Goldringelein; 
er warf's ins fließende Wasser .... es gab einen hellen Schein. 

7. „Schwimm hin, schwimm her, Goldringelein, bis in die 
tiefe See! Mein Feinslieb ist mir gestorben .... nun hab' ich 
kein Feinslieb meh." 

8. So geht's, wenn ein Mädchen zwei Knaben lieb hat, tut 
wunderselten gut; das haben wir beid' erfahren .... was falsche 

Liebe tut. Ballade aus dem 18. Jahrhundert, 

von Goethe 1771 im Elsaß aufgezeichnet. 

Volksweise aus dem 18. Jahrh. 



240 

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1. Es liegt ein Schloß in ö - ster - reich, das 

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ist ganz wohl er- bau - et, von Sil -ber und von 



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ro - tem Gold, mit Mar - mel- stein ge - mau-ert. 

2. Darinnen liegt ein junger Knab' auf seinen Hals gefangen, 
wohl vierzig Klafter tief unter der Erd' bei Nattern und bei 
Schlangen. 



2 *2 1 BALLADEN 



3. Sein Vater kam von Rosenberg wohl vor den Turm gegangen: 
„Ach Sohne, liebster Sohne mein, wie hart liegst du gefangen'" 

4. Sein Vater zu dem Herren ging: „Gebt los mir den Ge- 
fangnen! Dreihundert Gulden will ich euch wohl für den Knaben 
geben. 

5. „Dreihundert Gulden, die helfen da nicht; der Knabe, der 
muß sterben; er trägt von Gold eine Kette am Hals, die bringt 
ihn um sein Leben." 

6 \ zJ räg l er von GoId eine Kette am Ha] s, die hat er nicht 
verioben^ ^ ^ ^ Jungfräulein vere hrt, sich mit ihm zu 

7. Man bracht den Knaben wohl aus dem Turm, gab ihm das 
bakramente: „Hilf reicher Christ vom Himmel hoch! Es seht 
mir an mein Ende." * 

8. Man bracht ihn zum Gericht hinaus, die Leiter mußt er 
Weifer ' Meister> Iieber Meister m ein, laß mir ein kleine 

9. „Eine kleine Weile, die laß ich dir nicht, du möchtest mir 
sonst entrinnen. Langt mir ein seiden Tüchlein her, daß ich ihm 
sein' Augen verbinde!" 1 ü 

10. „Ach, meine Augen verbind mir nicht, ich muß die Welt 
anschauen; ich seh' sie heut und nimmermehr mit meinen 
schwarzbraunen Augen." 

11. Sein Vater beim Gerichte stund, sein Herz wollt ihm zer- 
brechen: „Ach Sohne, liebster Sohne mein, dein' Tod will ich 
schon rächen." 

12. Wer ist, der uns dies Liedlein sang, so frei ist es ge- 
sungen? Das haben getan drei Jungfräulein zu Wien in österreiche. 

Ballade nach einem fliegenden Blatt von 1606. 




v | BALLADEN | 213 

^=r. t t £ i r r i r * ! i i 

o - ben breit und un - ten schmal. 



2. „Sing- an, sing an, Frau Nachtigall, |: du kleines Waldvöglein 
vor dem Wald! :| Sing an, sing an, du schön's mein Lieb! |: Wir 
beide müssen scheiden hie. M :} 

3. * Er nahm sein Rößlein bei dem Zaum, er führt's wohl 
unter den Lindenbaum; sie half ihm in den Sattel so tief: 
„Wann kommst du herwieder, du schön's mein Lieb?" 

4. „Wann es geht gegen den Sommer, will ich herwieder 
kommen; wenn alle Bäumlein tragen Laub, so schau auf mich, 
du schön' Jungfrau!" 

5. „Wen setzt du mir zu einem Bürgen?" „Den heiPgen 
Ritter Sant Jörgen! So trau' ich meinem Bürgen wohl, daß ich 
bald wieder kommen soll!" 

6. „Es geht wohl gegen den Sommer, mein Feinslieb will 
nicht kommen!" Sie ging wohl in das grüne Holz, da kam 
ein Reiter geritten stolz. 

7. „Gott grüß dich, Mägdlein feine, was machst du hier 
alleine? Ist dir dein Vater oder Mutter gram, oder hast du 
heimlich einen Mann?" 

8. „Mein Vater und Mutter sind mir nicht gram, heimlich 
hab' ich wohl einen Mann: Dort unter der Linden also breit 
schwur er mir einen hohen Eid!" 

9. „Hat er Euch einen Eid geschworen, wann habt Ihr ihn 
verloren?" „So ist es heut ein ganzes Jahr, daß ich mein Lieb 
verloren hab!" 

10. „Was wollt Ihr ihm entbieten? Ich kam erst von ihm 
geritten, so ist es doch heut der neunte Tag, daß man ihm ein 
Jungfräulein gab." 

11. „Hat man ihm ein Jungfräulein geben, so will ich be- 
weinen mein junges Leben, weil er mir nicht kann werden 
zuteil, so wünsch' ich ihm viel Glück und Heil. 

12. Und kann er mir nicht werden der Liebst' auf dieser 
Erden, so will ich mir brechen meinen Mut, gleichwie das 
Turteltäublein tut: 

13. Es setzt sich auf einen dürren Ast, das irret weder 
Laub noch Gras, und meidet das Brünnlein kühle und trinket 
das Wasser trübe." 

* In allen Strophen die Wiederholungen wie in Str. 2. 



Volkslieder 



8 



214 



BALLADEN 



14. Was zog er ab der Hände sein? Von rotem Gold ein 
Ringelein: „Geht hin, schön Jungfrau, das sollt Ihr haben, 
Eur Feinslieb sollt ihr nicht länger klagen!" 

15 Sie warf den Ring in ihren Schoß, mit heißen Tränen 
sie ihn begoß, sie sprach: „Den Ring will ich nicht haben, 
mein Feinslieb will ich länger klagen!" 

16. Da zog er ab sein Seidenhut, erst kennet ihn die Jung- 
frau gut: „Bis Gottwillkomm, du schön's mein Lieb! Wie lang- 
ließt mich in Trauren hie?" 

17. Da tat ich dich versuchen, ob du mir tätest fluchen, 
und hattest du mir einen Fluch getan, so wär' ich eeritten 
wieder davon! 6 

18. Da du mir nicht tätst fluchen, da erfreut sich mein 
üemüte; du machst mein Herz ganz freudenvoll, du erfreust 
mich, da ich dich haben soll." 

Ballade aus dem 16. Jahrhundert, zuerst aufgezeichnet 1592 von Ottilia Fenchlerin 
in Straßburg. 



242 



Mel. „Es ritten drei Reiter", Anfang des 18. Jahrhunderts. 
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1. { Jr s trieb ein Schä " fer die Her - d e aus, ad- 
* \ Der E- delmann schau -te zum Fen-ster hin-aus, ad- 




je! Der E-del-mann zog sein Hüt-chen wohl ab und 

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bot dem Schä -fer ein* gu - ten Tag. Ad -je und juch- 
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he, ad - je und juch - he und ad - je! 



BALLADEN 



215 



2. „Ach Edelmann, lag dein Hütchen stehn, ich bin ja ein 
armer Schäferssohn. 44 „Bist du des armen Schäfers Sohn, und 
trägst einen Gürtel von Gold so rot?" 

3. „Was geht das den stolzen Edelmann an; wenn's nur 
mein Vater bezahlen kann!" Der Edelmann faßt einen grimmen 
Zorn und schmiß den Schäfer wohl in den Turm. 

4. Und als dies seine Mutter erfuhr, die macht sich klipp 
und klopfet an: „Ach Edelmann, geb* er mein Söhnchen heraus, 
zweihundert Taler geb* ich ihm drauf!" 

5. „Zweihundert Taler ist mir kein Geld, der Bursche soll 
sitzen, bis es mir gefällt!" Und als dies wurde der Vater ge- 
wahr, 600 Lämmerlein bot er ihm dar. 

6. „Deinem Sohn soll sein geschenkt sein Leben, dazu will 
ich ihm meine Tochter geben!" Der Schäfer, der schüttelt: „Die 
beugt ihm nicht." Der Edelmann machte ein grimmig Gesicht. 

7. Und als es nun seine Liebste erfuhr, die kam in einer 
Karosse gefahren: „Ach Edelmann, geb* er meinen Liebsten 
frei, zwei Tonnen Goldes schaff ich herbei!" 

8. „Zwei Tonnen Goldes sind mir wohl Geld!" Der Schäfer 
konnte gehen ins weite Feld. Und als er seine Tonnen Goldes 
besah, da war es Blei und Haferkaff. 

9. „Ei, hätt 1 ich meine Tonnen Gold ehV besehn, der Schäfer 
hätt* müssen an den Galgen gehn! Ei, hätt* ich meine Tonnen 
Gold eh'r besehn, der Schäfer hätt' müssen an den Galgen 
gehn!" Aus dem 16. Jahrhundert. 



243 



1812. Zelter, 1758-1832. 

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1. Es war ein Kö-nig in Thu - le, gar treu bis an das 

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Grab, dem 


sterben 


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n Becher 


gab. 



216 



BALLADEN 



2. Es ging ihm nichts darüber, er leert ihn jeden Schmaus; 
die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus. 

3. Und als er kam zu sterben, zählt er seine Stadt* im Reich, 
gönnt* alles seinen Erben, den Becher nicht zugleich. 

4. Er saß beim Königsmahle, die Ritter um ihn her, auf 
hoher Väter Saale, dort auf dem Schloß am Meer. 

5. Dort stand der alte Zecher, trank letzte Lebensglut und 
warf den heü'gen Becher hinunter in die Flut. 

6. Er sah ihn stürzen, trinken und sinken tief ins Meer. Die 
Augen gingen ihm über, trank nie einen Tropfen mehr. 

1774. Goethe, 1749—1832. 



244 



Volksweise 1842. 




L Es war ein-mal ein Mäd-chen von rei-zen-der Ge- 




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stalt. Dem jungen, stol-zen Jun-ker ge-fiel sie bald. Er 




traf auf ih- ren We - gen die Fei - ne ein-mal an. Ver- 




nimm, ver - nimm, ver-nimm, was er ge - tan! 

2. Er stieg herab vom Pferde, und eilend naht er sich: 
„Mein Kind so hübsch und feine, umarme mich! Erschrecke 
nicht, mein Herzchen! Du sollst recht glücklich sein; so wie ich 
dein, so bist du mein, ja mein!" 

3. Sie sprach ganz uneischrocken: „Mein gnäd'ger Junker, 
gern! Was sollte ich nicht lieben so schmucken Herrn!" „Nimm 
diesen Ring zum Pfände, dies Ringelein von Gold!" Merk auf 
merk auf, merk auf, sie ist ihm hold! 



BALLADEN 217 



4. „Mein Bruder ist im Garten, mich sieht er wohl und Euch; 
er eilet es zu sagen dem Vater gleich. Steigt Herr, auf diesen 
Fels, so werdet ihr ihn sehn! tt Merk auf, merk auf, merk auf! 
Was wird geschehn? 

5. Er gaffet hin und wieder; das Mägdlein faßt sich schon, 
steigt auf sein Pferd behende und trabt davon: „Gott befohlen, 
edler Junker 1 M Sie streicht durch Feld und Hain. Der Herr, 
der Herr, der Herr bleibt hübsch allein. 

Nach einer französischen Romanze: La villageoise von M. Favart 1767. 



245 



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Volksweise. 1804 aufgezeichnet, 
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1. Es wa - ren zwei Kö - nigs - kin - der, die 
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hat - ten ein - an - der so lieb; sie konn-ten zu- 



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sam-men nicht kom-men, das 


Was-ser war viel zu 



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tief, das Was - ser war viel zu tief. 

2. „Ach Liebster, könntest du schwimmen^ sö> schwimm doch 
herüber zu mir! Drei Kerzen will ich anzünden, und die sollen 
leuchten dir." 



218 



BALLADEN 



3. Das hört eine falsche Nonne, die tat, als wenn sie schlief; 
sie tat die Kerzlein auslöschen, der Jüngling" ertrank so tief. 

4. Es war am Sonntagmorgen , die Leute war'n alle so froh, 
nicht so die Königstochter, die Äuglein sagen ihr zu. 

5. „Ach Mutter, herzliebste Mutter, mein Kopf tut mir so 
weh; darf ich nicht gehn spazieren an dem Strand von der 
rauschenden See?" 

6. Die Mutter ging zur Kirche, die Tochter ging an den 
Strand; sie ging so lange spazieren, bis sie einen Fischer fand. 

7. „Ach Fischer, liebster Fischer, willst du verdienen groß 
Lohn, so wirf dein Netz ins Wasser und fisch' mir den Königs- 
sohn! M 

8. Er warf das Netz ins Wasser, es ging bis auf den Grund; 
er fischte und fischte so lange, bis er den Königssohn fund. 

9. Was nahm sie von ihrem Haupte? Eine goldene Königs- 
kron': „Sieh da, du wohledler Fischer, hast deinen verdienten 
Lohn!" 

10. Sie schwang sich um ihren Mantel und sprang wohl in 
die See: „Gut Nacht, mein Vater und Mutter, Ihr seht mich 
nimmermehM 44 

11. Da hört man Glöcklein läuten, da hört man Jammer und 
Not: Hier liegen zwei Königskinder und die sind beide tot! 

Nach einem niederdeutschen Volkslied des 15. Jahrhunderts. 



Erste Hälfte Volksweise : „Wenn ich kein Geld zum Trinken hab" 
vom Anfang des 18. Jahrhunderts, 
zweite Hälfte von Fr. Silcher, 1789—1860. 




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1. Es zo-gen drei Burschen wohl ü-ber den Rhein; bei 



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ei-ner Frau Wir-tin da kehr-ten sie ein, bei 



ei - ner Frau Wir - tin da kehr-ten sie ein: „Frau 



BALLADEN 1 219 



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Wir-tin hat sie gut 


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hat sie ihr 
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schönes Töchterlein, wo hat sie ihr schönesTöchterlein?" 



2. „Mein Bier und Wein ist frisch und klar, |: mein Töchter- 
lein liegt auf der Totenbahr". :| Und als sie traten zur Kammer 
hinein, j: da lag sie in einem schwarzen Schrein. :| 

3. Der erste, der schlug den Schleier zurück |: und schaute 
sie an mit traurigem Blick: :| „Ach, lebtest du noch, du schöne 
Maid, |: ich würde dich lieben von dieser Zeit!" :| 

4. Der zweite deckte den Schleier zu [i und kehrte sich ab 
und weinte dazu: :| „Ach, daß du liegst auf der TotenbahrM 
|: Ich hab* dich geliebet so manches Jahr!" :| 

5. Der dritte hub ihn wieder sogleich |: und küßte sie auf 
den Mund so bleich: :| „Dich liebt 1 ich immer, dich lieb* ich 
noch heut |: und werde dich lieben in Ewigkeit." :| 

1809. Ludwig Unland, 1787—1862. 



247 Volksweise. 





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1. Gut 


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Rit-ter ritt wohl 


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schö-nes Ta - ge - lied, er sang mit hei - 1er 



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Stirn - me, daß Berg und Burg er - klin - gen. 
2. Die Jungfrau an dem Fenster lag, sie hörte den Ritter 
singen: „Ja, wer ist, der da singet? Mit dem will ich von 
hinnen." 



220 



BALLADEN 



3. „O Jungfrau, wollt Ihr mit mir gahn, ich will Euch lehren, 
was ich kann; ich will Euch lehren singen, daß Wald und Feld 
tut klingen." 

4. Er schwang seinen grünen Schild neben sich, seine 
schöne Jungfrau hinter sich; er eilet also balde zu einem 
grünen Walde. 

5. Sie kamen tief in den Wald hinein, und da fand sich 
weiter niemand an, denn nur eine weiße Tauben auf einer 
Haselstauden. 

6. „Ja hör' und hör', du Fridburg, ja hör' und hör', du 
Jungfrau gut: Der Ulinger hat elf Jungfrauen gehangen, die 
zwölfte hat er gefangen. 44 

7. Sie wand ihre Hände, rauft» aus ihr Haar, sie klagt Gott 
ihr Leid offenbar: „Ich bin so fern im tiefen Tal, daß mich ein 
Mensch nicht hören mag. 

8. So bitt' ich dich, du Ulinger, so bitt' ich dich, du trauter 
Herr: Du wollest mir erlauben zwei Schreie oder drei!** 

9. „Das soll dir wohl erlaubet sein; 's ist niemand da, der's 
hören kann, als nur die kleinen Täublein, die hier so fliegen 
aus und ein." 

10. Der erste Schrei, den sie drauf tat, da rief sie Gott im 
Himmel an; den andern Schrei, den sie drauf tat, da rief sie 
ihren Vater an. 

11. Der dritte Schrei, den sie drauf tat, da rief sie ihren 
Bruder an: „Ach liebster Bruder, komm balde, hilf mir aus 
diesem Walde!" 

12. Ihr Bruder über den Hof einritt, und gleich er zu den 
andern sprach: „Mich dünkt in all meinem Sinne, ich hör* 
meiner Schwester Stimme!" 

13. Er ließ seinen Falken fliegen und seine Hunde stieben, 
er eilet alsobalde hin zu dem finstern Walde. 

14. „Was tust du, Ritter Ulinger, was tust du hier, mein 
lieber Herr?" „Ich tu* mir eine Schlinge winden, daran ich 
kann mein Fohlen binden!" 

15. „Und stehst du hier und windst ein Schling', da du dein 
Fohlen binden willst, so sag' ich's dir, auf Treue mein: Du 
selber sollst das Fohlen sein! 

16. Jetzt bleib du hier hängen und faulen; kein Mensch wird 
um dich trauren!" Drauf schwang er Fridburg auf sein Roß 
und ritt gen seines Vaters Schloß. 

Mädchenräuberlied aus dem 15. Jahrhundert, 
im 16. Jahrhundert gedruckt. 



BALLADEN 



221 



248 



Volksweise vor 1810. 



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viel - ge - rei - ste Rat - ten - fän - ger, den 




die - se alt - be- rühm - te Stadt ge - wiß be 



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son-ders nö -tig hat. Und wä-ren's Rat - ten noch so 




vie - le, und wä - ren Wie - sei mit im 



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müs-sen mit -ein -an -der fort, sie müs-sen-mit ein- 



an 



■ der fort, sie müs-sen mit-ein- an-der tort. 



222 



BALLADEN 



2. Dann ist der gutgelaunte Sänger mitunter auch ein 
Kinderfänger, der selbst die wildesten bezwingt, wenn er die 
goldnen Märchen singt. Und wären Knaben noch so trutzig, 
und wären Mädchen noch so stutzig, in meine Saiten greif ich 
ein, sie müssen alle hinterdrein. 

3. Dann ist der vielgewandte Sänger gelegentlich ein 
Mädchenfanger; in keinem Städtchen langt er an, wo er's nicht 
mancher angetan. Und wären Mädchen noch so blöde, und 
waren Weiber noch so spröde, doch allen wird so liebebang 
bei Zaubersaiten und Gesang. 

Wahrscheinlich 1802. Johann Wolfgang von Goethe, 1749—1832. 



249 



1807. Mel. „Es steht ein* Lind' in jenem Tal". 




1. Jung Siegfried war ein stol - zer Knab\ ging von des 




Va - ters Burg her-ab, ging von des Vaters Burg her-ab. 



2. Wollt' rasten nicht in Vaters Haus, wollt' wandern in alle 
Welt hinaus. 

3. Begegnet ihm manch Ritter wert mit festem Schild und 
breitem Schwert. 

4. Siegfried nur einen Stecken trug, das war ihm bitter und 
leid genug. 

5. Und als er ging im finstern Wald, kam er zu einer 
Schmiede bald. 

6. Da sah er Eisen und Stahl genug, ein lustig Feuer 
Flammen schlug. 

7. „O Meister, liebster Meister mein, laß du mich deinen 
Gesellen sein! 

8. Und lehr' du mich mit Fleiß und Acht, wie man die 
guten Schwerter macht!" 

9. Siegfried den Hammer wohl schwingen kunnt, er Schlün- 
den Amboß in den Grund. 

10. Er schlug, daß weit der Wald erklang und alles Eisen 
in otucke sprang. 

11. Und von der letzten Eisenstang' macht er ein Schwert 
so breit und lang. ' 



BALLADEN 223 



12. „Nun hab' ich geschmiedet ein gutes Schwert, nun bin 
ich wie andre Ritter wert. 

13. Nun schlag* ich wie ein andrer Held die Riesen und 
Drachen in Wald und Feld." 1812. Ludwig Unland, 1787—1862. 



250 



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D 7 Alte französische Melodie. 

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1. Marl-bruck zog aus zumKrie-ge, mi-rong-tong tong 
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tong, mi - rong - tä 

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ne! Marl - brück zog aus zum 
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Krie-ge, weiß nicht, kommt er zu - rück. Er kommt auf 
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O-stern wie - der, längst Tri - ni - ta - tis doch. Tri- 



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nit* ist nun vor - ü - ber, Marl-bruck kam nicht zu - rück. 

2. Madam stieg in die Höhe, so hoch sie steigen kann. 
Sah ihren Pagen kommen, wie traurig kam er her. „Ach Page, 
lieber Page, was bringst du Neues mir?" 

3. „Das Neue, das ich bringe, macht schöne Augen naß. 
Leg' ab die ros'gen Kleider und deinen Blumenschmuck! Dein 
Marlbruck ist gestorben, tot und begraben schon! 



224 



BALLADEN 



4. Ich sah'n zu Grabe tragen, vier Offiziers trugen ihn. Der 
eine trug den Harnisch, der andre einen Schild, sein großes 
Schwert ein dritter, der vierte, der trug nichts. 

5. Um seines Grabes Hügel ist Rosmarin gepflanzt; auf 
seinem höchsten Zweige schlug eine Nachtigall. Nach der 
vollbrachten Feier ging jedermann zu Bett. 

6. Die Männer mit den Weibchen, die andern all alleine. 
Die vielen, die ich kenne, die waren all dabei. Die Blonden 
und die Schwarzen, die Braunen auch dazu." So endigt sich 
das Märchen, so endigt sich Marlbruck. 

Französische Ballade, 1709 nach der Schlacht bei Malplaquet auf den vermeint- 
lichen Tod des englischen Feldherrn Marlborough gedichtet. 1785 deutsch auf 
einem fliegenden Blatt. 



251 



Str. 1. 2. 4. 6. 8. 



1794. Johann Friedrich Reichardt, 1752—1814. 



1. Wer rei - tet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der 



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Va - ter mit sei - nem Kind; er hat den Kna-ben wohl 



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in dem Arm, er faßt ihn si - eher, er hält ihn warm. 

Str. 3 u. 5. 



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3. Du lie-bes Kind, komm, geh mit mir; gar schöne Spie-le 




spiel* ich mit dir. Manch bun-te Blu-men sind an dem 



BALLADEN 



225 



pl ' J J l J j l TTt-J Jj l ^ll 



Strand; mei - ne Mut - ter hat manch gül-den Ge-wand. 

Str. 7. 



7. Ich lieb' dich, mich reizt dei - ne schö - ne Ge- 



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stalt; und bist du nicht wil - lig, so brauch' ich Ge- 



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walt. Mein Va - ter, mein Va - ter, jetzt faßt er mich 



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an! Erl - kö - nig hat mir ein Leids ge - tan! 

2. „Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?" „Siehst 
Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Krön' und 
Schweif?" — „Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif." 

4. „Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, was Erlen- 
könig mir leise verspricht?" „Sei ruhig, bleibe ruhig, mein 
Kind; in dürren Blättern säuselt der Wind." — 

5. „Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter 
sollen dich warten schön; meine Töchter führen den nächtlichen 
Reihn und wiegen und tanzen und singen dich ein." — 

6. „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort, Erlkönigs 
Töchter am düsteren Ort?" — „Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' 
es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau!" 

8. Dem Vater grauset's; er reitet geschwind, er hält in den 
Armen das ächzende Kind, erreicht den Hof mit Müh' und Not; 
in seinen Armen das Kind war tot. 

1781 od. 82. Johann Wolfgang Goethe, 1749—1832. 



226 | 



BALLADEN 



252 



1823. Hoffmann von Fallersleben, 1798—1874. 

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1. Wer sin-get im Wal-de so heim-lich al-lein? O du 
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lie-be, lie-beSeel', o mein ein - zi-ges Kind, o 

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weh! Und die Kir - chen-glok-ken, sie lau - ten dar- 









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ein, un 

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khei-den und das 


Mei - den, wie 


tut es 



doch so weh! A- de! A- de, ich seh' dich nim - mer- 




mehr! A-de! A - de, ich seh' dich nim - mer - mehr! 

2. Herr Ulrich kam aus dem Krieg und er sang: O du liebe, 
hebe Seel, o mein einziges Kind, o weh! Und er sang, daß 
der Wald und das Feld erklang: Und das Scheiden und . . 

* J? ein hab .' ich & edacht »n Kampf und Not, ... vom Morgen 
früh bis zum Abendrot. ... 

4. Ich hab' dich geliebet so lange Zeit, ... und ich liebe dich 
neut und in Ewigkeit. . . . 

5. Ihr Trager lasset die Bahre stehn, ... ich muß noch einmal 
mein Liebchen sehn 

( Jr Ann2r aIS A er ^ v den Deckel vom Sar S • • - «nd den Kranz, 
der Annelis Angesicht barg ... 

7. Herr Ulrich auch kein Wörtlein sprach,... vor sehnendem 
Leid sein Herze brach. . . . 1823 . Hoffmann von Fallersleben. 



ERNSTE WEISEN 



227 



253 



VIII. ERNSTE WEISEN. 
1791. W. A. Mozart, 1756-1791 (letzte Komposition). 



1. Brü-der reicht die Hand zum Bun-de; die - 



se 



schö - ne Fei - er - sttm - de füh - re uns zu 



* 



lieh - ten Höhn! Lagt, was ir - disch ist, ent- 



flie - hen! Uns - rer Freund - schaft Har ■ 



mo- 



fTTTT=3 



nie-en dau - ern e - wig fest und 



schön, dau -ern e - wig fest und schön! 

2. Preis und Dank dem Weltenmeister, der die Herzen, der 
die Geister für ein ewig Wirken schuf. Licht und Recht und 
Tugend schaffen durch der Wahrheit heil'ge Waffen, sei uns 
göttlicher Beruf! 

3. Ihr, auf diesem Stern die Besten, Menschen all im Ost und 
Westen, wie im Süden und im Nord! Wahrheit suchen, Tugend 
üben, alle Menschen herzlich lieben, das sei unser Losungswort! 

Dichter unbekannt; Text zuerst in Hientzsch* Männergesängen 1826. 



228 



ERNSTE WEISEN 



254 



Jos. Gersbach, 1787—1830. 




h Der Mensch hat nichts so ei - gen, so wohl steht 




hm nichts an, als daß er Treu» er - zei - gen und 




Freundschaft hal - ten kann, wann er mit i 




glei-chen soll tre - ten in ein Band, ver- spricht sich 




nicht zu wei - chen, mit Her - zen, Mund und Hand. 



2. Die Red' ist uns gegeben, damit wir nicht allein für uns 
nur sollen leben und fern von Leuten sein: wir sollen uns Te- 

Äetre n ten^" ^ ^ ^ daS Uid einander k,a S en > 80 
3 Was kann die Freude machen, die Einsamkeit verhehlt? 
Das gibt ein doppelt Lachen, was Freunden wird erzählt. Der 
? n h n e d j? t Le,ds s J ch w ? hren » der es von Herzen sagt; der muft 
sich selbst verzehren, der insgeheim sich nagt. D 

1640. Simon Dach, 1605—1659. 



1803. Ludwig van Beethoven, 1770—1827 
1. DieHim-mel rüh-men des E-wi-gen Eh-re; ihr 



ERNSTE WEISEN 



229 







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Ist 



Schall pflanzt sei - nen Na - men fort. Ihn rühmt der 



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Erd- kreis, ihn prei-sen die Mee-re; ver-nimm, o 

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Mensch, ihr gött-lich WortI Wer trägt der Him-mel un- 



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zähl - ba - re Ster - ne, wer führt die Sonn' aus 



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ih - rem Zelt? sie kommt und leuch-tet und 

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strahlt uns von fer - ne und läuft den Weg gleich 
iT rit. >k 



256 



als ein Held und läuft den Weg" gleich als ein Held. 

1757. Christian Fürchtegott Geliert, 1715—1769. 



J. R. Zumsteeg, 1760—1802. 



1. Durch Nacht zum Licht! Und wenn das grau-se 



230 



ERNSTE WEISEN 




Dun - kel auch rings um dich die Schöp-fung hüllt: 
Die Achtel wie vorher die Viertel. 




Ge - trost, ge - trost ! Auf mit - ter - nacht - lieh 



m 



Dun- kel folgt Son - nen-auf - gang hell und mild. 

. 2 \£ ur A ch u Sturn ? zur R V hM Und wenn a «ch Erd' und Himmel 
der Windsbraut donnernd Rad durchrollt: Getrost, getrost! Auf 
lautes Sturmgetümmel folgt linde Stille sanft und hold. 

Nicht bekannt. 



267 



Jos. Gersbach, 1787—1830. 

C e 




1. Ein ge-treu-es Her - ze wis - sen, hat des 
a F Q D? 




höch-sten Schat-zes Preis; der ist se - lig zu be- 
G C a d D? G G? 




grü-gen, der ein sol-ches Klein - od weiß. Mir ist 

C d 
a g f G C 




wohl beim höchsten Schmerz ; denn ich weiß ein treu-es Herz. 



ERNSTE WEISEN 



231 



2. Läuft das Glücke gleich zuzeiten anders, als man will und 
meint, ein getreues Herz hilft streiten wider alles, was ist feind. 
Mir ist wohl . . . 

3. Sein Vergnügen steht alleine in des andern Redlichkeit, 
hält des andern Not für seine, weicht nicht auch bei böser Zeit. 
Mir ist wohl . . . 

4. Gunst, die kehrt sich nach dem Glücke, Geld und Reichtum, 
das zerstäubt, Schönheit läßt uns bald zurücke, ein getreues 
Herze bleibt. Mir ist wohl . . . 

5. Eins ist da sein und geschieden. Ein getreues Herze hält, 
gibt sich allezeit zufrieden, steht auf, wenn es niederfällt. Mir 
ist wohl . . . 

6. Nichts ist süßer's, als zwei Treue, wenn sie eines worden 
sein. Dies ist's, daß ich mich erfreue, und sie gibt ihr Ja auch 
drein. Mir ist WOhl . . . 1639. Paul Fleming, 1609—1640. 



258 



Zuerst im „Speierschen Gesangbuch", Köln 1599. 



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- ( Es ist ein Reis ent - sprungen aus ei-ner Wur-zel 
\ wie uns die AI - ten sun-gen, von Jes-se kam die 



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und hat ein Blüm- lein bracht 1 mit -ten im 



kal - ten Win - ter, wohl zu der hal - ben Nacht. 

2. *) Das Blümlein war so kleine und doch von Duft so süß, mit 
seinem milden Scheine verklärt's die Finsternis; und blüht nun 
immerdar, tröstet die Menschenkinder, holdselig, wunderbar. 

3. Ein Stern mit hellen Gleisen hat es der Welt verkünd't, den 
Kindlein und den Weisen, wie man dies Blümlein find't; nun ist 
uns nicht mehr bang, seit aus der dunklen Erde solch leuchtend 

Reis entsprang" Altes katholisches Kirchenlied aus dem 16. Jahrhundert, 
v 6 " umgedichtet von Richard Dehmel, geb. 1863. 



*) Mit freundlicher Genehmigung des Dichters. 



232 



ERNSTE WEISEN 



259 



Ein schön's Mayenlied 44 zuerst gedruckt 1638. 




1. Es ist ein Schnitter, heißt der Tod, hat G'walt vom 




gro - gen Gott. Heut wetzt er das Mes - ser, es 



schneidt schon viel bes-ser, bald wird er drein schneiden 



wir 




müssen's nur lei- den. Huf dich, schön's Blü - me-lein I 



ro 2 m Z?n heU ?? C K l l g ' ün und frisch dasteht > wird morgen weg- 
gemah : Die edel Narzissel, die englische Schlüssel, die schon' 

Rot Rosen wAife i m k u . n ,^ e ? a j 1 " da unter die Sichel hinfällt: 
Kot Kosen, weißLilgen, beid wird er austilgen; ihr Kaiserkronen 
man wird euch nicht schonen. Hüf dich, schön's ^ BlümeTein! ' 
rtiP Jfc hlmm r e , lfarbe Ehrenpreis, die Tulipanen gelb und weift 
Erd.n w« e w- 0 J°S ken ' die g0ldenen Flo * ken - sinkt alles iS 

5 Ihr ^nh^ d I draU H Wer I den? Hüt ' dich ' schön ' s Blümelein! 
5. Ihr hübsch Lavendel, Rosmareien, ihr vielfarbigen Röselein 

ihr stolzen Schwertlilien, ihr krausen Basilien, ihr zarten Violen' 

6 Trl eU r h u a ^ h0l t n - Hüt ' dich > schöns Blümelelr.1 ' 
ö. Irutz, Tod! komm her, ich fürcht* dich nitl Trutzl komm 

Zt " T S n hni,U Wenn er mich verletzet - 80 "wert" ich ve™ 
schAn'« ri- W . es , erwarten in himmlischen' Garten, freu' dien, 

SChöns Blumeleml SchnitterHed Re g en sbur(r 1637 gedichtet 



260 



1803. Fr. H. Himmel, 1765—1814. 




1. Es kann ja nicht im-mer so blei 



ben hier 



ERNSTE WEISEN \ 233 



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-$p — p_4— »-j! — J — j-. 

un - ter dem wechseln - den 


Mc 
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nd; es 1 


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)lüht ei - ne 



Zeit und ver-wel-ket, was mit uns die Er -de be- 

g |l rif"£> i j ^r-n^-rmm 

wohnt, was mit uns die Er -de be- wohnt. 

2. Wir sitzen so traulich beisammen und haben uns alle so lieb, 
erheitern einander das Leben; ach, wenn es doch immer so blieb! 

3. Drum weil es nicht immer so bleibet, so haltet die Freund- 
schaft recht fest; wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet das 
Schicksal nach Ost und nach West. 

4. Und kommen wir wieder zusammen auf wechselnder Lebens- 
bahn, so knöpfen ans fröhliche Ende den fröhlichen Anfang wir an. 

1802. A. v. Kotzebue, 1761-1819. 



261 




Fr. Reichardt, 1752—1814. 




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1. Es re - den und träu-men die Menschen viel von 



fr' y h f iW rJ i r'E-c 

bes - se-ren künf-ti-gen Ta- gen; nach ei - nem 



















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glück-li-chen, gol-de-nen Ziel sieht man sie ren-nen und 



fr^ ^4^fJ1C c Jr ■ B ^ 

ja-gen. Die Welt wird alt undwirdwiederjung; doch der 



234 



ERNSTE WEISEN 



Mensch hofft im - mer Ver - bes - se - 



rung\ 



f ^'i-^ le H ° ffn " n £ führ ^ ih " ins Leben ein, sie umflattert den 
fröhlichen Knaben; den Jüngling begeistert ihr Zauberschein, 
sie wird mit dem Greis nicht begraben; denn beschließt er 
am Grabe den müden Lauf, noch am Grabe pflanzt er die 
Hoffnung auf. 

3. Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, erzeugt im Ge- 
hirne des Toren; im Herzen kündet es laut sich an: zu was 
«essenn sind wir geboren; und was die innere Stimme spricht, 
das tauscht die hoffende Seele nicht. Friedr. Schiller, 1759-1805 




al - les war hübsch und gut, und al - les, 





ERNSTE WEISEN 


235 






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al - les, und al - les war hübsch und gut. 



2. Hab' einsam auch mich gehärmet in bangem, düsterem 
Mut, |: und habe wieder gesungen, und alles war wieder gut. :| 

3. Und manches, was ich erfahren, verkocht* ich in stiller 
Wut, |: und kam' ich mißfr- wieder zu singen, war alles auch 
wieder gut. :| 

4. Sollst nicht uns lange klagen, was alles dir wehe tut, 
|: nur frisch, nur frisch gesungen! Und alles wird wieder gut! :| 

1829. A. v. Chamisso, 1781—1638. 



263 

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Ludwig Spohr, 1784—1859. 



1. Wie ein stol-zer Ad- ler schwingt sich auf das 



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Lied, daß es froh die See - le auf zum Hirn - mel 



ff 1 * * ' 1 I M M i 1 =^ 



zieht, weckt in uns -rer Brust ho- he, heiP-ge Lust, 



* 



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weckt in uns - rer Brust ho - he, heiP-ge Lust. 

2. Was der tiefsten Seele je Erquickung beut, alles Große, 
Edle, Treu* und Einigkeit, |: Lieb' und Tatendrang wecket der 
Gesang. :| 

3. Alles Zarte, Schöne, was die Brust bewegt, alles göttlich 
Hohe, das zum Himmel trägt, |: alles das erblüht freudig aus 

dem Lied. : Heinrich Schütz. 



236 1 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



264 



IX. PLATTDEUTSCHE LIEDER. 
D e 



Volksweise. 



1. As 

At 



Buo - la - la eers bo - on 



m 



wöo, da 
A 



l.D 2.D ^ A 

■uMijjJiJ 



wöo hei noch so lütt; as 
D 



lütt. Sin Mo -der 



nöhm em 
D 



woll up 



pen Arm 
fis 



legg em in 
e 



de 



Weeg - so warm : „Deck mi 

As 




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tou", se ggt hei ; „deck mi tou", seggt 
TD Ii 2.D 



hei;„deckmi tou",seggtBuo-la-la; deck mi la. 

2. As Buola na Schoul henköhm, dä wöo hei noch so dumm. 
Hei wuß rein nicks wovon woans, verlöt sick up sin Nahbern 
gans: „Segg mi tou", seggt he! usw. 

3. As Buola ranwussen wöo, en stätschen Keerl hei wöo. 
Sin Här de wöon em kort afschoan; sin Kräg'n de güng em 
bitt öber de Oan: „Steit mi gout u , seggt hei usw. 

4. As Buolala dodbläb'n wöo, leeg hei in'n swarden Sarg. 
Sin öllern stun'n üm sin Graft un wischen sick de Tränen äff: 
„Ween man nich", seggt hei usw. 

5. As Buolala in'n Himmel köhm, bi Petrus klopp hei an. 
„Ach Petrus, leTwe Petrus min, ick woll nu geern in'n Himmel 
sin! Mäk mi up", seggt hei usw. 

6. As Buolala in'n Himmel wöo, de Herrgott sä to em: „Na 
Buolala, wie gefallt dat di hier bäben in denn Himmel bi mi?" 
„Ach, dat geit", seggt hei USW. Aus Niedersachsen. 



ZI 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



237 



265 



Gegend von Aachen. 

G E 7 



W _ . ~ . . . • i_t!_t_ j : c: i M«; 



L Danz. danz Quie-sei-che, dann schenk' ich dich en Ei! Neäh, 
A D At D 

-fv- pv- 




säd dat leiv-ste Quie-sel-che, ich danz noch nit för zwei! 

2. Danz, danz Quieselche, dann schenk' ich dich en Peäd. 
Neäh, säd dat leevste Quieselche, dat Peäd es mich nüß weäd. 

3. Danz, danz Quieselche, dann schenk 1 ich dich en Kouh. 
Neäh, säd dat leevste Quieselche, log mich dornet en Rouh. 

4. Danz, danz Quieselche, dann schenk» ich dich en Hus. 
Neäh, säd dat leevste Quieselche, do mach* ich mich nüß druß. 

5. Danz, danz Quieselche, dann schenk' ich dich en Mann. 
Jo. säd dat leevste Quieselche, dann danz' ich wat ich kann. 

9 Tanzlied. 



266 



Aus Hamburg. 
D A 




1. Dat weer en - mal en lüt-je Bur-deern, de 
h A D h , iis 





harr twe Jungs so leev. De een de weer en 
G D e A 7 



J 1 J J J l rr J ' s 



Schip-per-rip-per, rip-per, rip-per, rip - per; de 
D Ar l 



r-JTra i 



an - ner weer den Amt - mann sin Söhn. 



238 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



2. Se däht ähr Moder wull fragen, weck'n se nehmen schull: 
„Lat du den Schipper-ripper .... fahren und nimm den Amt- 
mann sien Söhn! 4 * 

3. As dat de Schipper hett vernohmen, swor he ähi heilig 
to: „Di schall de Düter-rüter .... rüwel haln in dine Hoch- 
tiedsnacht!" 

4. De Düwel, de kehm an to rieden up een sneeswartet 
Peerd; he flog mit ähr in de Stut-teruf .... herüm und denn 
to'n Schosteen herut. 

5. Da baben op'n Barge, da steiht en Appelbohm, da hett 
he se terret-lerret .... terreten mel sine swarten Klaun. 

Plattdeutsche Ballade. 



267 

$ 



Aus Hamburg. 



2 



^ * 



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1: Jan Hin - nerk wähnt up de Lam-mer - Lam-mer- 
Q e h 



^ ^ 



i 



straat, up de Lam-mei - Lam-mer-straat; he kann 
e D Q a D 



:EL-C-LT--r- 



mä-ken, wat he will; he kann mä - ken, wat he 
G 



a 

rf* ° " i i *" — r - ° ri j j t 



m 



will; swieg man jum-mer, jum-mer still; swieg man 
D G 



m 



jum-mer, jum-mer still! Un da maak he sick en 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



239 



G 



D 



G 



Gei - ge 



ken, Gei 
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ken per-dautz! Vi 
a 



go- 



C C r C 



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lin, 
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Vi - go - lin, sä dat Gei - ge - ken; Vi - go- 
D* G 



3* 



lin, Vi 



* 



go - lin, sä dat 
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Gei - ge 



■ ken. 
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Un 



Vi - go - vi - go- lin un Vi - go - vi - go - lin un sin 



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Deern de heet Ka-trin, un sin Deern de 
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G e c_ D? 



heet Ka- 
G 

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trin, un sin Deern de heet Ka - trin. 

2. Un darbi wähnt he noch jümmers up de Lammer-Lammer- 
straat; he kann mäken, wat he will; swieg man jümmer, jümmer 
still! Und da maak he sick en Hollandsmann, Hollandsmann 
perdautz! „Chotts-vadori! Chotts-vadori! 14 sä de Hollandsmann. 
„Vigolin, Vigolin 44 , sä dat Geigeken. Un Vigo-vigolin und Vigo- 
vigolin un sin Deern de heet Katrin. 

3. Un darbi wannt .... jümmer still! Un dä maak he sick 
en Engelsmann, Engelsmann perdautz! „How d'you do, how 
d'you do M , sä de Engelsmann. „Chotts-vadori! Chotts-vadori!" 
sä de Hollandsmann. „Vigolin, Vigolin 44 , sä dat Geigeken. Un 
Vigo-vigolin .... 



240 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



4. Un darbi wahnt .... jürnmer still! Un dä maak he sick 
en Spanischmann .... „Caracho! Caracho!" sä de Spanisch- 
mann. w How d'you do . . . . „Chotts-vadori .... „Vigolin . 

5. Un darbi wähnt . jürnmer still! Un dä maak he sick 

Caraäo" ^ bÜn Kaiser "' sa Na P°lejon. 

6 Un darbi wähnt jürnmer still! Un dä maak he sick 

en Hanseat .... „Sla em dot! Sla em dot!" sä de Hanseat. 
„ick Dün Kaiser .... Ein Lied von der Wasserkante 



268 



Volksweise. 




1. Kennt ji 
D 



all dat 



ni - je Leid, ni 
fis 




ni - je Leid, wat dat gan - ze Dorp all wet, von 
A? D Ä G d 




Herrn Pa - stor sin Kou? Sing man tou, sing man 
h A? D G 




iiüi 



tou, von Herrn Pa - stor sin Kou-a - jou; sing man tou, 
A» D 




sing man tou, von Herrn Pa - stor sin Kou' 
£gj Ostern wehr se dick und prall, Pinggen leeg se dot in'n 

krägen 18 ^ Stöcken snäen > hätt ganze Dorp wat 
$ H! e Kteter, ganich idel, kreeg en nijen Tabaksbüdel. 
6 Un nÄ Fla ^ eIa , nd kreeg en nijen Glockenstrang. 
6. Un de ole Füerwehr kreeg en Pott vull Wagensmäer 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



1 241 



7. Un de ole Stadtkapell kreeg en nijet Trummelfell. 

8. Un de ole Engelsmiß kreeg en nijet Tähngebiß. 

9. Müllers Jan de Smidtgesell kreeg en nijet Schortenfell. 

10. Jochen Sleef de Tränksuldat kreeg en Pott vull Mulsalat. 

11. Navers Jung keek övern Tuhn, har int Muhl son Stück 
Kaldun. 

12. Mudder, wat smeckt de Wuddeln nett? Junge, dat deit 
dat Neanfett. 

13. Den Brägen, wo de Verstand insäten, geef man en ahn- 
wäten Minsch to fräten. 

14. Sleswig Holstein meerumslungen hannelt nu mit Ossen- 
tungen. 

- 15. De Meckelnborger let't nich slapen, de sett den Kopp in 
Lanneswapen. 

16. Den Weert wör jus de Galle rech, de Bittern smeck da- 
von nich siech. 

17. De Schulte freet am allermeerßen, sin Buk de woll em 
bolle bärgen. 

18. För den armen Doudengräwer bleef rein nix to grawen öwer. 

19. De Seele Steeg den Himmel to, denn't wehr ja von'n 
Pastorenkou. 

20. In'n Himmel geef dafn grot Hailoh, Pastor de danz mit 
sine Kouh. 

21. De Engels singt keen Hallelujah mehr, de singt dat nije 
Leed davör. 

22. Un noch vähl mehr Verse. in ganz Noorddütschiand. 



269 



A 

eis 



Volksweise. 



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1. Lütt An - na Su-san-na, stah up un bötFüerlOch 
D 

D fis A 



j J- j ji j ? 



nä, min leev Mo-der, dat Holt is to düer. Ru - di- 
E: A 



i , h c C f 



ral - la - la - la, ru - di - ral - la - la - la, och 



242 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 







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h — h— i 






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u — - — u — 


U- 1 






■ 



nä, min leev Mo - der, dat Holt is to düer. 

2. Denn schüer mi de Ketels und feg mi dat Hus, hüt abend 
kamt hier noch dree Junggesell'n in't Hus. 

3. Un wüllt se nich kamen, so wüllt wi jem hal'n mit Peer 
un mit Wagen, mit Isen beslahn. 

4. Un künnt se nich danzen, so wüllt wi't jem lehr'n; wir 
wüllt jem de Tüffeln in Bodder umkehr'n. Aus Bremen. 

Volksweise. 



270 



i 



1. Lütt Mat-ten, dei Has', de! makt sick en'n Spaß, hei 



wier bi't Stu-die-ren, dat Dan-zen tau lieh - ren, un 



m 



danzt ganz al - lein up de! ach - ter - sten Bein. 

2. Kern Reinke, dei Voß, un dacht: dat's 'ne Kostl Un seggt: 
„Lütte Matten, so flink up dei Padden? Un danzt hier allein up 
deT achtersten Bein? 

3. Kumm, lat uns tausam, ick kann as dei Dam. Dei Kreih, 
de! speit Fidel, denn geiht dat kandidel, denn geiht dat mal 
fein up dei achtersten Bein! tt 

4. Lütt Matten gew Pot, dei Voß bet em dod un set't sick 
in'n Schatten, verspiest den lütfn Matten. Del Kreih, dei kreg 
ein von de! achterste n Bein. Klaus Groin, 1819—1899. 

271 



D 
fis 



G 



Aus Köln. 



ft Och, Mod'r, ich well en Ding han. „Wat för en 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



243 



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Ding,ming Het-zens-kind? M En Ding! En Ding! 

fis _ G 



w Wells de dann e Popp -chen han?" Nä, Mo - der, 
D A? D 



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nä! Ehr sitt kein go - de Mo - der; ehr 
eis D e 



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kfmnt dat Ding nit ro - de, wat dat Kind för'n 

D 



Ding well han! Ding - der - ling - ding - ding! 

2. Och, ModV, ich well ... „Wells de dann e Kleidchen 
han?" Nä... 

3. Och, ModV, ich well . . . „Wells de dann e Ringelchen 
han? M Nä... 

4. Och, ModV, ich well . . . „Wells de dann e — ne Mann 
han? Jo, Moder, jo! Ehr sitt en gode Moder; ehr künnt dat 
Ding wähl rode, wat dat Kind . . . Tanzlied. 



272 



Volksweise. 




1. Still, min Han-ne, hör mi to! Lütt - je Mü - se 



244 | PLATTDEUTSCHE LIEDER ~fT 



piept in't Stroh; lütt - je V 


a - gels slapt 

LC , J 


in'n Bom, 

^= 


i 


röhrt de Flünk un 


piept in'n 


Drom. 





2. Still, min Hanne, hör mi an! Buten geint de böse Mann; 
baben geint de stille Maan: „Kind, wer hett dat Schrigen dan?" 

3. Äwern Bom so still un blank, äwert Hus an'n Himmel lang, 
un wo he frame Kinder süht, kiek mal an, wo lacht he blid! 

4. Denn seggt he to den bösen Mann, se wüllfn beten wider 
gahn; denn gaht se beid, denn staht se beid äwert Moor un 
äwer de Heid. 

5. Still, min Hanne, slap mal rar! Morgen is he wedder dar, 
rein so gäl un rein so blank, äwern Bom an'n Himmel lang. 

6. All in't Gras de gälen Blom, Vageis piept in'n Appelbom; 
still, und mak de Ogen to! Lüttje Müse piept in't Stroh! 

Klaus Groth, 1819—1899. 



273 



Volksweise. 



1. „Tri - na, kumm mal vör de Dör, kumm mal'n 



bä-t'n rut! Ick will di wat Nees ver-telln, 



UZ C t~ E 



du, du büst min Brud,. 



ik will di wat 



«j 1 f, c 1 j i c c c j m 



Nees ver-telln, un du, du büst min Brud. 44 



PLATTDEUTSCHE LIEDER 



245 



2. „Nä, dat wi 'ck woll bliwen lat'n, iMudder paßt us up. All 
de Dom de sünd verslat'n, un keen Minsch kann rup." 

3. „Tööf, ick will de Leddern hal'n, de an den Haubön steit, 
de will ick an't Finster stell'n, wat na de Strat rut geit." 

4. Doch de Ohlsch de hett wat markt, se köhm ut de Stuv 
herut: „Töf, di schall de Düwel hal'n un Stina, dine Brud!" 

5. Hans de dach, de Düwel köhm, dat seeg ook meist so ut; 
he leet Strümp un Tütfein stahn un sprüng ut't Finster rut. 

6. So rönn he denn Hoff henlang un so ut'n Doorweg rut. 
Sin Büx bleef an de Heckpoort hang'n, un dat seeg putzig ut. 

Aus dem Hannoverschen. 



274 G Volksweise. 
am Liese singt: G h 

1. Wenn de Pott a-ber nu en Lock hätt, le - be 

Dt 

Ii a D? G Heinerich singt: 

Hei-ne-rich, le-be Hei -ne- rieh? Stopp et to, lc - be, 

Dt 

Au C G a Dt G 

le - be Lie-se, le-be Lie - se, stopp et to! 

2. Ja, womit sali ick dat denn tostopp'n, lebe Heinerich, lebe 
Heinerich? Mit Stroh, lebe, lebe Liese, lebe Liese, mit Stroh. 

3. Wenn dat Stroh aber nu to lang is . . .? Hau't af . . . 

4. Ja, womit sali ick dat denn afhaun . . . ? Mit'n Biel . . . 

5. Wenn dat Biel aber nu to stump is . . .? Mäk et scharp . . . 

6. Ja, womit sali ick dat denn scharpmäk'n . . .? Up'n Steen . . . 

7. Wenn de Steen aber nu to drög is . . .? Mäk'n natt . . . 

8. Ja, womit sali ick em denn nattmäk'n . ..? Mit Wäd'r . . . 

9. Ja, wo in sali ick denn dat WädV häl'n . . .? In'n Pott . . . 
10. Wenn de Pott aber nu en Loch hätt . . .? Stopp et to . . . 

Und so weiter! Wenn es Heinerich aber schließlich zuviel wird, singt er: 

Hort Mul, lebe, lebe Liese, lebe Liese, hol't MuH 

Aus dem Nordwesten. 



246 1 ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT j * 



276 

i 



X. ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT. 

Studentenweise. 



m 



j f Als die Rö-mer frech ge - wor- den, sim se-rim sim 
' \ zo-gen sie nach Deutschlands Norden, sim se-rim sim 



sim 
sim 



sim 
sim 



sim, \ ( vor - ne mit Trom-pe - ten-schall, 
sim, i \ ritt der Gen' - ral - feld -mar-scha!', 



tä - te-rä-tä-tä-tä, \ „ ~ . ,. 
tä - te-rä-tä-tä-tä, / Herr 0 uin ' t| - |,us Va-rus,wau,wau,wau, 



m 



wau, wau, wau, Herr Quin-ti - lius Va - rus,schnedde-räng- 




täng,schnedderäng-täng,schnedderäng-täng-täng - te-räng. 



2. Doch im Teutoburger Walde, huh, wie pfiff der Wind so 
kalte! Raben flogen durch die Luft, und es war ein Moderduft 
wie von Blut und Leichen. 

3. Plötzlich aus des Waldes Duster brachen krampfhaft die 
Cherusker; mit Gott für König und Vaterland stürmten sie von 
Wut entbrannt gegen die Legionen. 

4. Weh, das war ein großes Morden, sie erschlugen die 
Kohorten; nur die röm'sche Reiterei rettete sich noch ins Frei', 
denn sie war zu Pferde. 

5. O! Quintiii, armer Feldherr, dachtest du, daß so die Welt 
wär? Er geriet in einen Sumpf, verlor zwei Stiefel und einen 
Strumpf und blieb elend stecken. 



* 1 ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 1 247 

6. Da sprach er voll Ärgernussen zum Centurio Titiussen: 
„Kam'rad, zeuch dein Schwert hervor und von hinten mich durch- 
bohr, da doch alles futsch ist! 4 * 

7. In dem armen röm'schen Heere diente auch als Volontaire 
Scaevola, ein Rechtskandidat, den man schnöd' gefangen hat wie 
die andern alle. 

8. Diesem ist es schlimm ergangen; eh, dag man ihn auf- 
gehangen, stach man ihn durch Zung' und Herz, nagelte ihn 
hinterwärts auf sein corpus juris. 

9. Als die Waldschlacht war zu Ende, rieb Fürst Hermann 
sich die Hände, und um seinen Sieg zu weihn, lud er die 
Cherusker ein zu 'nem großen Frühstück. 

10. Hui, da gab's westfäl'schen Schinken, Bier, soviel man 
wollte trinken. Selbst im Zechen blieb er Held; doch auch seine 
Frau Thusneld' trank als wie ein Hausknecht. 

11. Nur in Rom war man nicht heiter, sondern kaufte Trauer- 
kleider. Qrade als beim Mittagmahl Augustus saß im Kaiser- 
saal, kam die Trauerbotschaft. 

12. Erst blieb ihm vor jähem Schrecken ein Stück Pfau im 
Halse stecken; dann geriet er außer sich und schrie: „Varus, 
Fluch auf dich, redde legiones*)!" 

13. Sein deutscher Sklave, Schmidt geheißen, dacht: „Ihn soll 
das Mäusle beißen, wenn er sie je wiederkriegt; denn wer ein- 
mal tot da liegt, wird nicht mehr lebendig." 

14. Wem ist dieses Lied gelungen? Ein Studente hat's ge- 
sungen. In Westfalen trank er viel; drum aus Nationalgefühl hat 
er's angefertigt. 1847. Joseph Viktor v. Scheffel, 1826—1886. 

*) Gib mir meine Legionen wieder! 



276 


D 


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1778. Bei Nicolai, 

n 


feiner Almanach. 












f 1 


























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1 • — 1 



1. Als ich ein Jung - ge - sei - le war, nahm 



Aß fis D A D 

ich ein stein - alt Weib. Ich hatt' sie kaum drei 



Volkslieder 



10 



248 ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



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fis h G h D 



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Ta-ge, Ti-Ta-Ta - ge, da hat's mich schon ge- 
D A? D 



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3 — : 



reut, 



da hat's mich schon ge - reut. 



2. Da ging ich auf den Kirchhof hin und bat den lieben Tod: 
„Ach, lieber Tod von Basel, hoP mir meine Alte fort!" 

3. Und als ich wieder nach Hause kam, mein' Alte war schon 
tot; ich spannt' die Ross' vor'n Wagen und fuhr meine Alte fort! 

4. Und als ich auf den Kirchhof kam, das Grab war schon ge- 
macht. „Ihr Träger tragt fein sachte, daß die Alte nicht erwacht!" 

5. „Scharrt zu, scharrt zu, scharrt immer zu das alte böse Weib! 
Sie hat ihr Lebetage geplagt mein' jungen Leib." 

6. Und als ich wieder nach Hause kam, war'n Tisch und Bett 
zu weit. Ich warte kaum drei Tage und nahm ein junges Weib. 

7. Das junge Weiberl, das ich nahm, das schlug mich nach 
drei Tag'. „Ach, lieber Tod von Basel, hätt' ich mein' alte Plag'!" 

Schweizer Volkslied. 



277 

H i t x t 



Vor 1840. 



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Be - sen-bin-ders Toch-ter und Ka - chel-machers 
hat - ten sich ver - spro-chen, sie wollt'n ein -an -der 



Sohn, die han. Da kam die Mut-ter ge - sprun-genund 
Drei-mal um den O-fen'rum und 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



249 



im*!! 


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rief wohl ü - ber - laut: Vik - to - ri - a, Vik- 
drei-mal um und um! Stoßt mir nur kei - ne 



to - ri - a, mei-ne Toch-ter ist 'ne Braut! Hat 
Kacheln ein und stoßt mir nur nichts um! 



ei-ner ei-nen Stall voll Heu, so wird die Kuh nicht 
ein'r einhübschesSchwester-lein,so kriegt er bald 'nen 



2. 



ma-ger;hat Schwager. Drei-mal um den O-fen'rumund 



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C'J i r * 



drei - mal um und um! Stoßt mir nur kei - ne 



Ka- cheln ein und stoßt mir nur nichts um! 

Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. 



278 



Einer. 



Alte Volksweise aus dem 16. Jahrhundert. 



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U Das Magd - lein will ein'n Frei - er hab'n, und 



250 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



Alle. 



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sollt' sie'n aus der Er - de grab'n für fünf - zehn 



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Pfen - ni - ge, für fünf - zehn Pfen - ni - ge. 

2. Sie grub wohl ein und grub wohl aus und grub nur einen 
Schreiber heraus für . . . 

3. Der Schreiber hat des Gelds so viel; er kauft dem Mädchen, 
was sie will für . . . 

4. Er kauft ihr wohl einen Gürtel schmal, der strotzt von Gold 
wohl überall für . . . 

5. Er kauft ihr einen breiten Hut, der war' wohl für die Sonne 
gut, für . . . 

6. Wohl für die Sonn', wohl für den Wind: „Bleib du bei mir, 
mein schönes Kind, für . . . 

7. Bleibst du bei mir, bleib' ich bei dir; all meine Güter 
schenk' ich dir, sind fünfzehn Pfennige.* 4 

8. „Behalt dein Gut, laß mir mein' Mut; kein andre leicht dich 
nehmen tut für . . . 

9. „Dein guten Mut, den mag ich nicht, hat traun von treuer 
Liebe nicht für . . . 

10. „Dein Herz ist wie ein Taubenhaus, fliegt einer ein, der 
andre aus für . . . Altes Volkslied aus dem 15. Jahrhundert, 

schon 1537 in den 65 Liedern, Straßburg. 



279 






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Fränkische Volksweise. 




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( Der Kuckuck fliegt ü-ber mein Schätzla sein Haus, kuk- 
\ Fein's Mä-del, das schaute zum Fen-ster her- aus, kuk- 



ff 'l ili'.lltll, |, l| j=Mtefrfrl 

kuck, kuckuck ! Ei, Schätzla, bist drin-na? Komm zu mir her- 



* | ALLERHAND HE ITERES, SCHERZ UND SPOTT 



251 




aus! Der KuckucS*, der Kuckuck, der Kuckuck ist draus! 

2. Sie: Ich steh' nit auf, ich laß dich nit 'rein, kuckuck, 
kuckuck! Ich steh' nit auf, ich laß dich nit rein, kuckuck, 
kuckuck! Du möcht'st rrair der rechte Kuckuck nit sein, der 
Kuckuck, der Kuckuck, d«r Kuckuck nit sein! 

3. Er: Der rechte Kuckuck, der bin ich ja schon, kuckuck, 
kuckuck! Der rechte Ku-ckuck, der bin ich ja schon, kuckuck, 
kuckuck! Ich bin ja des Kuckucks sein einziger Sohn, sein 
lös'ter, sein bravster, sein einziger Sohn! 

4. Sie: Bist du es, des Kuckucks sein einziger Sohn, kuckuck, 
kuckuck! so geh' hinters Türla, zieh' aus deine Schuh'! kuckuck, 
kuckuck! Schleich sachtig herein und komm selber herein, der 
Kuckuck, der Kuckuck, der Kuckuck ist mein! Fränkisches Volkslied. 

Aus Hessen. 



280 



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« ( Der Kuk-kuck ist ein klu-gerMann, vi - de - vi - de- 
*\ Er schaff-te sich zehn Wei-ber an, vi - de - vi - de- 



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witt bum, bum! Die er-ste Frau, die fegt das Haus, 



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vi -de -vi - de -witt, juch-hei-ras- sa! Die zwei-te trägt den 



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Dreck hin - aus, vi - de - vi - de - witt, bum, bum! Lau- 



1. | 2. 



P P P 



to - ri - a, lau - to - ri - a, vi-de-vi-de-witt, juch-hei-rassa ! hei ! 



252 1 ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



2. Die dritte kocht den Haferbrei, die vierte trägt die Bulter 
herbei, der fünften schmeckt es gar zu gut, die sechste kriegt 
den Zuckerhut. 

3. Die siebente macht das Bette warm, die achte schläft in 
Kuckucks Arm, die neunte deckt das Bettchen zu, die zehnte 
Wünscht ihm gute Ruh\ Hessisches Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. 



281 



Georg Semper, geb. 1880.*) 
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1. Der Mönch, der Mönch von Deidesheim, tral-le-ral-le- 
G A? D A D A D 

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ra, tra-la la la, der hat ein ro-tes Nä-se-lein, tra- 
A? h fis A? D A D 




la la la, tra-la la la, o - ho, o-ho! 

2. Warum war denn sein Näslein rot? trallerallera, trala la 
la. Weil er dem Wein die Lippen bot, trala la la, trala la la 
oho, oho! 

3. Der Mönch, der Mönch von Deidesheim, trallerallera, trala 
la la, der hat ein rundes Bäuchelein, trala la la, trala la la, 
oho, oho! 

4. Warum war denn sein Bäuchlein so? trallerallera, trala 
la la. Er war des Essens gar so froh, trala la la, trala la la, 
oho, oho! 

5. Der Mönch, der Mönch von Deidesheim, trallerallera, trala 
la la, der hat ein süßes Schätzelein, trala la la, trala la la, 
oho, oho! 

6. Warum war er so sündhaft gar? trallerallera, trala la la. 
Weil er von Fleisch und Blute war, trala la la, trala la la, 
0h0 > 0h0! Georg Semper. 

ir ,* } Mit freundlicher Genehmigung des Dichterkomponisten den Semperliedern 
Verlag Hofmeister, entnommen. 



❖ | ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT [ 253 



282 



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Vorsänger. 



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Volksweise. 

Chor. 



35 



1. Die Binschgau- er woll - ten wall - fahr - ten gehn; die 

Vorsänger. 



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Binschgau- er woll- ten wall-fahr-ten gehn; sie tä-ten ger-ne 



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sin-gen und kunn-ten's nit gar schön; sie tä-ten ger-ne 



h — fr 



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sin - gen und kunn-ten's nit gar schön, zscha - hi, zscha- 



ho, zscha - hi - ha - hi - ha - ho! Die Binsch-gau - er 

Vorsänger. 



sind schon al - le wie-der do; jetzt schau fein, daß ein 

Chor. Vorsänger. Chor. Vorsänger. 



^ Chor. Vorsänger. Chor. Vorsänger. 



je - der, je - der, je - der, je - der, je - der, 

Chor. 



fi i c l or J' l J^'cl frf J i j. 



je- der sein Rän-ze - le hot, sein Rän - ze - le hot. 



254 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



2. Die Binschgauer zogen weit vom Heimatland, sie schauten 
viel Stadtein und wurden rings bekannt. 

3. Die Binschgauer hatten lange Freud* und Not, bis hoch 
des Domes Zinne erglänzt im Abendrot. 

4. Die Binschgauer gangen um den Dom herum, die Foahne- 
stang' is broche, jetzt gäng'ns mit dem Trum. 

5. Die Binschgauer gangen in den Dom hinein, die HeiPgen 
toaten schloafe, sie kunnten's nit daschrein. 

6. O heiliger Sankt Kastulus und unsa liebe Frau, ös werd's 
uns doch bald kenna, mir san ja von Pinzgau. 

7. Grüeg di God, Salvata, du guldana Mon, schaug ins fei 
gnädi und güetla heint on, olli Jahr kern ma, dös woagt ja 
a so. 

8. Tua unsan Fürschten s'Heazn damohn, dag er ins mit 
Steian mecht vaschon, orme Hascha samma, dös woagt jo a so. 

9. Und wonst ins heua mit Schauarn tuest plagn, tah ma 
da de Heilinga übern Altor schlag'n, grobe Lümmeln samma, 
dös woagt jo a so. 

10. O heiliga Sankt Leonhard, lag 's Vieh ins net vareck'n, 
sonst tan ma da glei gor nix mehr in'n Opfastock neinsteck'n, 
schlechte Kerln samma, dös woagt jo a so. 

11. Schick ins Kölba, schick ins Rinda, aba dazue net gor 
z'viel Kinda, a Stubn voll is gnua, dös woagt jo a so. 

12. O heiliga Sankt Florian, du Wasserkübelmo, verschone 
unsre Häuser, khent andre dafür o, dös Foia dös füercht ma, 
dös woagt jo a so. 

13. O, du heiliger Sankt Bonifaz! Verschone unser Haar, 
schaff andern eine Glatz! Tiroler Volkslied, 1807. 



283 Mel. Die Binschgauer wollten wallfahrten gehn. Altere Weise. 





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• 0 Zeiten, o Sitten! 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



255 



wollt' ihn gar ver-schluk-ken, wer weiß, wie das ge- 



schah! Juch- hei - ras - sas - sa! 0 tem - po - tem - po- 




ra! Ge- lo - bet seist du je- der- zeit, Frau Mu- si - ka! 



2. Da nahm der Musikante seine alte Geig'n und tat mit 
seinem Bogen gar fein darüber streich'n: Allegro, dolce,* 
presto, wer weiß, wie das geschah! Juchheirassassa usw. 

3. Und wie der Musikante den ersten Strich getan, da fing 
der Krokodile zu tanzen an: Menuett, Galopp und Walzer, wer 
weiß, wie das geschah! Juchheirassassa usw. 

4. Er tanzte wohl im Sande im Kreise herum und tanzte 
sieben alte Pyramiden um; denn die sind lange wacklicht, wer 
weiß, wie das geschah! Juchheirassassa usw. 

5. Und als die Pyramiden das Teufelsvieh erschlagen, — da 
ging er in ein Wirtshaus und sorgt für seinen Mag'n: Tokayer- 
wein, Burgunderwein, wer weiß, wie das geschah! Juchhei- 
rassassa usw. 

6. Eine Musikantenkehle, die ist als wie ein Loch, und hat 
er noch nicht aufgehört, so trinkt er heute noch. Und wir, wir 
trinken mit ihm, wer weiß, wie das geschah! Juchheirassassa usw. 

1840. Emanuel Geibel, 1815-1884. 

* sprich: doltsche! 



284 



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Volksweise. 



1. Ein Vo - gel woll - te Hoch - zeit 



chen 



256 ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



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in dem grü - nen Wald, juch-he! Fi - di-ral-la- 
D . . G D? G 



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la, fi - di - ral - la - la, fi - di - ral - la - la - Ia - la! 



2. Die Drossel war der Bräutigam, die Amsel war die Braut. 

3. Der Sperber, der Sperber, das war der Brautwerber. 

4. Die Lerche, die Lerche, die führt die Braut zur Kerche. 

5. Der Stiegelitz, der Stiegelitz, der bracht' der Braut den 
Hochzeitssitz. 

6. Der Sperling, der Sperling, der gab der Braut den Fingerring. 

7. Der Auerhahn, der Auerhahn, derselbig war der Herr Kaplan. 

8. Die Meise, die Meise, die sang das Kyrieleise. 

9. Die Ente, die Ente, die war der Superindente. 

10. Der Wendehals, der Wendehals, den mußt man laden 
mehremals. 

11. Der schwarze Rab', das war der Koch, das sieht man 
an dem Kleide noch. 

12. Der Grünspecht, der Grünspecht, das war des Küchen- 
meisters Knecht. 

13. Die Elster, die ist schwarz und weiß, die bracht' der 
Braut die Hochzeitsspeis'. 

14. Die Finken, die Finken, die gaben der Braut zu trinken. 

15. Der Storch mit seinem Schnabel, der brachte Messer und 
Gabel. 

16. Der Wiedehopf, der Wiedehopf, der brachte gleich den 
Suppentopf. 

17. Das Rebhuhn, das Rebhuhn, wollt' zu der Hochzeit gar- 
nichts tun. 

18. Die Gänse und die Anten, das waren die Musikanten. 

19. Frau Nachtigall, Frau Nachtigall, die sang mit ihrem 
schönsten Schall. 

20. Die Greife, die Greife, die spielten auf der Pfeife. 

21. Der Seidenschwanz, der Seidenschwanz, der sang das 
Lied vom Jungfernkranz. 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



257 



22. Der Kucku, der Kucku, der spielt' die Laut' und sang- dazu. 

23. Der Geier, der Geier, der spielte auf der Leier. 

24. Der Pfau, mit seinem bunten Schwanz, tat mit der Braut 
den ersten Tanz. 

25. Der Papagei, der Papagei, der machte drob ein groß 
Geschrei. 

26. Der Fasan, der Fasan, der fing dann auch bald Händel an. 

27. Die Puten, die Puten, die machten breite Schnuten. 

28. Brautmutter war die Eule, nahm Abschied mit Geheule. 

29. Frau Kratzefug, Frau Kratzefug gab allen einen Ab- 
schiedskuß. 

30. Der Uhu, der Uhu, der macht die Fensterläden zu. 

31. Der Emmcrling, der Emmerling, der ist des Bräut'gams 
Kämmerling. 

32. Die Fledermaus, die Fledermaus, die zieht der Braut die 
Strümpfe aus. 

33. Die Taube, die Taube, die bracht' der Braut die Haube. 

34. Der Hahn, der krähet gute Nacht, jetzt wird die Kammer 
zugemacht. 

35. Die Meise, die Meise bestellt die Hochzeitsreise. 
Fliegende Blätter „von einer Vogelhochzeit" schon im 16. Jahrhundert. 



285 




Aus Schwaben. 

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1. Ei, was bin i für e lu-sti-ger Bu! I 
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kann ja so zwit - schger - le tan - zel Ei, was 



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hab' i für e Schüh - le an! Ei, was hab' i für e 



258 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



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Schnalle dran ! Mei Schnal-le, mei Schuh, mei Schnalle, mei Schuh ! 

Bei einzuschieben und schnell zu singen. 



1 



(Anfang für Str. 6.) 



(Anfang für Str. 5.) 



h fr > N N 



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Hüt-le, mei Köpf-le, mei 
(Anfang für Str. 4.) 



Rös-le, mei Röck-le, mei 

(Anfang für Str. 3.) 



1 4 4- 



Täsch - le, mei West - le, mei Band - le, mei 

(Anfang für Str. 2.) 



A (Anfang für Str. 2.) 



Hös - le, mei Zwick - le, mei Strumpf - le, mei 

2. Ei, was hab* i für Strümpfle an; ei, was hab' i für Zwickle 
dran! Mei Zwickle, mei Strümpfle, . . . 

3. Ei, was hab* i für Hösle an; ei, was hab* i für Bändle 
dranl Mei Bändle, mei Hösle, mei Zwickle, mei Strümpfle . . . 

4. Ei, was hab' i für e Westle an; ei, was hab' i für e 
Täschle dran! Mei Täschle, mei Westle . . . 

5. Ei, was hab' i für e Röckle an; ei, was hab' i für e Rösle 
dran! Mei Rösle, mei Röckle . . . 

6. Ei, was hab* i für e Köpfle auf; ei, was hab* i für e Hütle 
drauf! Mei Hütle, mei Köpfle, mei Rösle, mei Röckle . . . 

Altes Volkslied. 



286 



Joh. Friedr. Reichardt, 1752—1814. 
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A u D A D fis Ei 

jr i jin^uj : J'i J' Je 



1. Es ist ein Schuß ge-fal-len; mein, sagt, wer schoß da 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



259 



D 

Au A DA D a Av D 



drauß? Es war der jun-ge Ja -ger, der schoß im Hinterhaus. 

2. Die Spatzen in dem Garten, die machen viel Verdruß; 
zwei Spatzen und ein Schneider, die fielen von dem Schuß. 

3. Die Spatzen von den Schroten, der Schneider von dem 
Schreck, die Spatzen in die Schoten, der Schneider in den 

Dreck. 1810. Goethe, 1749—1832. 



287 



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Norddeutsche Volksweise. 
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- mann, 1 

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han, 1 

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hei! Die Frau, die wollt* zur Kir - mes gehn; der 





Mann, der wollt* auch 


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ihr gehn. Tra - di - de- 




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ra de - ral - la - la! Hei, hop - sas - sa! 



260 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



2. Die Frau, die sagt: „Hier sollst du bleiben", hei, juchhei! 
„drei Spulen Garn sollst du spinnen!" Hei juchhei! Und als 
die Frau nach Hause kam, saß der Mann am Feuer und spann. 
Tradidera, derallala! Hei, hopsassa! 

3. „Sag' Mann, was hast du gesponnen?" „„Drei Spulen 
Garn hab' ich gesponnen!"" Die Frau, die nahm den Rockels- 
kopf und schlug den Mann wohl um den Kopf. 

4. Der Mann, der lief zur Tür hinaus und lief in seines 
Nachbarn Haus. „Frau Nachbarin, was will ich euch sagen? — 
Meine Frau hat mich geschlagen!" 

5. Die Nachbarin sagt: „Das ist dir recht, was bist du 
für ein Weiberknecht! Was bist du für ein Tropf von einem 
Mann, der seine Frau nicht regieren kann!" 

Volkslied aus Schleswig-Holstein. 



288 



Chor. 



1793. H. G. Naegeli, 1773—1836. 






Sole 

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blüht! 


Man 


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schafft so gern sich 


Sorg' und Müh', sucht 










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Dor - nen auf und fin-det sie und läßt das Veilchen 

D. C. 



un - be- merkt, das uns am We - ge blü - het. 

1793. Martin Usteri, 1763—1827. 
Anmerkung: Von diesem mehrstrophigen Liede ist nur noch Strophe 1 als 
Rundgesang gebräuchlich. Von Strophe 2 an werden die Worte: „Man schafft 
so gern sich Sorg' und Müh', sucht Dornen auf und findet sie" durch einen 
launigen Reim ersetzt. 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



261 



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Volksweise. 



1. Gu - ten Mor-gen, Spielmann, wo bleibst du so 
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lang? Da drun 
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ten, da 
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ben, da 



tanz - ten die Schwaben mit der klei - nen Kil - le- 

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D fis g A D 



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kei - a,* mit der gro - ßen Kum-kum.** 2 — 4. Da 

2. Da kamen die Weiber mit Sichel und Scheiben und 
wollten den Schwaben das Tanzen vertreiben mit der . . . 

3. Da laufen die Schwaben und fallen in Graben, da 
sprechen die Schwaben: Liegt ein Spielmann begraben mit der . . . 

4. Da laufen die Schwaben, die Weiber nachtraben bis über 
die Grenze mit Sichel und Sense. „Guten Morgen, Spielleut', 
nun schneidet das Korn." Wunderhorn 1808. 

* Killekeia=GigeIgaie=Geige. ** Kumkum=Trommel. 



290 

I 



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Volksweise. 



( Hab' mein' Wa-gen voll ge - la - den, voll mit 
( Als wir in die Stadt 'nein ka - men, hub'n sie 
D 



al - ten Weib-sen. ) n . . , lf 
an zu kei - fen. / Drum lad lch a " mein 



262 | ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT | * 




auf mein Wa-gen. 



Hü! Schimmel, hü! 



2. Hab' mein' Wagen voll geladen, voll mit Männern alten. 
Als wir in die Stadt 'nein kamen, murrten sie und schalten. 
Drum lad' ich . . . 

3. Hab' mein' Wagen voll geladen, voll mit jungen Mädchen. 
Als wir zu dem Tor 'nein kamen, sangen sie durchs Städtchen. 
Drum lad' ich all mein Lebetage nur junge Mädchen auf mein' 
Wage'. Hü! Schimmel, hü! — Niederländisch, 17. Jahrhundert 



Volksweise. 




l. „Han-sel, dein Gre-te - lein ist ein faul's Schlamper-lein 
d G? C Hans: G? 




wird nichts beschaf - fen." „Mut-ter, was den-ket 
d G 7 C d Q 7 C 



ihr? 




Grad so ge-fal-let's mir, kann ich lang schla -fen ! u 
2. „Hansel, dein Gretelein hinkt ja auf einem Bein, lag dich 
doch bitten!" „Mutter, das macht nichts aus; bleibt sie mir brav 
im Haus, brauch's nicht zu hüten." 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT | 263 



3. „Hansel, dein Gretelein wird bald halb blind schon sein, 
wie soll's da gehen?" „Mutter, das ist erst recht; bei Leib nicht 
haben möcht\ daß alles tat sehen. 44 

4. „Hansel, dein Gretelein hat ja kein Hellerlein, kommst 
gleich in Sorgen." „Mutter, und hat's kein Geld, ist's auch nit 
groß gefehlt, können's ja borgen. 44 

5. „Hansel, dein Gretelein soll eine Furi sein, prügeln und 
kratzen." „Mutter, das frischt die Lieb, dreimal für jeden Hieb 
werd' sie abschmatzen." 

6. „O, du dumm's Hanselein, so nimm dein Gretelein, hab' dir 
ein Schelle!" Hansel nahm 's Gretelein, hupft in den Himmel 
nein, plumpt in die Hölle. 1650 aufgezeichnet. 



292 Alte Studentenweise. 

1. Ich bin der Dok-tor Ei-sen-bart, val - le - ral - le- 

ifc-f jy.iv j j ji j^j-ri 

ri juch-hei! Ku-rier' die Leut' nach mei - ner Art: 
val - le - ral - le - ri juch-hei! Kann ma-chen, daß die 

i fr 1, : e r i c e c -c-C-c i J 

Blinden gehn, val - le - ral - le - ri juch-hei-ras-sa, und 

t c+ir-g-^ i s g g g r- c i r ^ n 

daß die Lahmen wieder sehn, val-le-ral - le-ri juch-hei! 

2. Zu Potsdam trepanierte ich den Koch des großen Friede- 
rich: ich schlug ihn mit dem Beil vorn Kopf, gestorben ist der 
arme Tropf. 



264 1 ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



3. Zu Ulm kuriert' ich einen Mann, daß ihm das Blut vom 
Beine rann: er wollte gern gekuhpockt sein, ich impft's ihm mit 
dem Bratspieß ein. 

4. Zu Wimpfen accouchierte ich ein Kind zur Welt gar meister- 
lich. Dem Kind zerbrach ich sanft 's Genick, die alte Tante 
starb zum Glück. 

5. Des Küsters Sohn in Dudeldum, dem gab ich zehn Pfund 
Opium: drauf schlief er Jahre, Tag und Nacht und ist bis ietzt 
nicht aufgewacht. 

6. Sodann dem Hauptmann von der Lust nahm ich drei 
Bomben aus der Brust. Die Schmerzen waren ihm zu groß- wohl 
ihm, er ist die Juden los! 

7. Es hatt' ein Mann in Langensalz 'nen zentnerschweren 
Kropf am Hals; den schnürt' ich mit dem Hemmseil zu, probatum 
est, er hat jetzt Ruh'. 

8. Zu Prag da nahm ich einem Weib zehn Fuder Steine aus 
dem Leib; der letzte war ihr Leichenstein, sie wird wohl ietzt 
kurieret sein. 

9. Jüngst kam ein reicher Handelsmann auf einem mag'ren 
Klepper an. Er war ein Schacherjud' aus Metz, ich gab ihm 
Schinken für die Krätz'. 

10. Vor Hunger war ein alter Filz geplagt von Schmerzen in 
der Milz: ich hab' ihn Extrapost geschickt, wo teure Zeit ihn 
nicht mehr drückt. 

11. Heut früh nahm ich ihn in die Kur, just drei Minuten vor 
zwölf Uhr, und als die Glocke Mittag schlug, er nicht mehr nach 
dem Essen frug. 

12. Ein alter Bau'r mich zu sich rief, der seit zwölf Jahren 
nicht mehr schlief; ich hab' in gleich zur Ruh' gebracht, er ist 
bis jetzt noch nicht erwacht. 

13. In Wien kuriert' ich einen Mann, der hatte einen hohlen 
Zahn; ich schoß ihn raus mit dem Pistol; ach Gott, wie ist dem 
Mann so wohl! 

14. Mein allergrößtes Meisterstück, das macht' ich einst zu 
Osnabrück: podagrisch war ein alter Knab', ich schnitt ihm beide 
Beine ab. 

15. Wem ich einmal die Ader schlug, hat für sein Lebenlang 
genug Das Blut ich aus dem Leibe treib', damit nichts mehr 
drin übrig bleib . 

16. Sehr wohlfeil ist auch meine Kur, denn jeder braucht sie 
einmal nur. Was mancher nicht im Jahr vermag, kuriere ich 
an einem Tag. 



* | ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT j 265* 



17. Vertraut sich mir ein Patient, so mach er erst sein Testa- 
ment: Ich schicke niemand aus der Welt, bevor er nicht sein 
Haus bestellt. 

18. Das ist die Art, wie ich kurier*; sie ist probat, ich bürg-' 
dafür. Dag jedes Mittel Wirkung- tut, schwör' ich bei meinem 
Doktorhut. Spottlied auf Dr. Joh. Andr. Eisenbart, 1661—1727. 

1745 schon bekannt. 



Vor 1840. Elsässische Volksweise, 
t 



293 

* 



1—6. Schwä-fel-helz-le, Schwäfel-helz-le, Schwä-fel-helz- le 



I 



E l * 5 V 



müäß mä ha, daß ma al - lä Au - ge - blick ä 



Fier-lä ma-chä kä. l.Wenn die Frau bi finsch-trer Nacht 



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^ ß ß m f ß \m 



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eb - be vo sim Schlof er - wacht, will sie Licht und 



ff p c c Jj c ^^=g=g=^ 



Lam - pe fin - de, um die-sel-be a - zu-zün-de, 



müäf3 sie Schwä-fel ha. 1—6. Tra - la - la, tra - la 

jte-C l E B I (! p r M 



la la la, tra - la - la la la, tra - la- 



266 | ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 1 » 



C C C g-4 



P J 1 ! J > II 



la la la, tra - la - la la la, tra-la - la! 

2. Unser Hans, der arme Tropf, stoßt sich fascht ä Loch im 
? P ~i o™. n Ü y ieder azurenne, will er jetzt ä Lichtle brenne un 
müaß Schwafel ha. Tralala usw. 

3 Wenn die Kiäli bi der Nacht etwas stärker mumu macht, 
müafe das Katel gr^ch ufstehä, um dem Kiäli nozusä un müäft 
Schwafel ha. Tralala usw. u 

4. Wenn der Fuchs der Winter spirt un der Owä länger wird, 
will der Handelsmann nit schlofä un der Kinstler no was schoffä 
müaß ma Schwäfel ha. Tralala usw. 

5. Mine Schwäfel sin gewiß besser als die in Poris. In «ranz 
Brisgau un in Badä un in jedem Krämerladä müäß ma Schwäfel 
ha. Tralala usw. 

6. Wiwer, sinn nur nit so stolz! Kauffä vo mim Schwäfelholz! 
Wenn er wünn a Sippla kochä, miän er doch gwiß Fier a mochä 
un mian Schwäfel ha. Tralala usw. 

Aus Weckerlin, Chansons populaires de l'Alsace. 




I / s P in u n > spinn, mei - ne lie - be Toch - ter, ich 
( „Ach ja, mei - ne lie - be Mut - ter, auch 




kauf dir 'n Paar Schuh». 
Schnal-len da - - zu. 1-3. Ich kann ja nicht 




spin - nen, es schmerzt mich mein Fin - ger und 





* ALLERHAND HFITERES SCHERZ UND SPOTT 1 267 




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P — J — Ed 












1 K O 1 




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tut und tut und tut mir so weh! 



2. Spinn, spinn, meine liebe Tochter, ich kauf dir 'n Paar 
Strumpf. „Ach ja, meine liebe Mutter, schön Zwicklen darin." 

3. Spinn, spinn, meine liebe Tochter, ich kauf dir ein Kleid. 
„Ach ja, meine liebe Mutter, nicht zu eng und nicht zu weit." 

4. Spinn, spinn, meine liebe Tochter, ich kauf dir ein 'n Mann. 
„Ach ja, meine liebe Mutter, der steht mir wohl an. Nun kann 
ich schon spinnen, es schmerzt mich kein Finger und tut und 
tut und tut ja nicht weh!" Des Knaben Wunderhorn 1808. 



295 Volksweise. 

An G D7 

1. Su - se, lie - be Su - se, was ra - schelt im 



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Stroh? D 


as sind die klei-nen 
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Gäns-lein, die 


ha-ben kein' 
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Schuh'. Dei 


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r Schu - ster hat Le - der, kein* 
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Lei - 

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sten da- 
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zu; drum kann er den Gäns-lein auch ma-chen kein' Schuh*. 



2. Kindchen, liebes Kindchen, schlag 's Kickelchen tot; es legt 
mir keine Eier und frißt mir mein Brot! Da rupfen wir alle die 
Federn im aus und machen dem Kindlein sein Bettchen daraus. 



268 | ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT * 


3 Ria nnnpin i<?t Haq pini 

O. JU/lclj pvjp^Id, lol VJ CIO CHI 

Dreier zu Zucker und Brot? 
leg"' mich aufs Stroh, da sticht 
kein Floh. 


^ in Uli vv ci oi/iiciiKi nur einen 
Verkauf ich mein Bettchen und 
mich kein* Feder und beißt mich 
Altes plattdeutsches Kinderlied. 





296 



Um 



Volksweise. 
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A eis 



fei 



Uf - *m Ber - ge, da geht der Wind, da 
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wiegt die Ma - ri - a ihr Kind mit 



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ih - rer schloh-en - gel - wei - ßen Hand. Sie 
H 7 fis 
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hat da - zu kein Wie - gen - band. 

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E 7 A . . h E 7 A 



| „Ach, Jo - seph, lie - ber Jo - seph meinll w< 
\ Ach, hilf mir wie-gen mein Kin - de-lein!"/" 



kann ich dir denn dein Knäblein wieg'n. Ich kann ja kaum 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



269 



ilHiÜ 



fis D 



eis 
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sel-ber die Fin-ger bieg'n." Schum, schei, schum, schei! 

Aus Schlesien. 



297 



Mel: „Die Vöglein in dem Walde". 





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- o - la, Baß und Gei - gen, die 


müs-sen 



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al - le Schwei -gen vor dem Trom-pe - ten- 



s- — * 



schall, vor dem Schall, ja, vor dem Schall, vor dem 



■c j> i p r r . 



Schall, ja, vor dem Schall, vor dem Trom-pe- ten- 



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r — 5 — p — y — z r 



tun - ke, tun - ke, tun - ke, ju - vi - val - la - le- 




+ -±22 1 b k v w v v v p 



ra, 



tun - ke, tun - ke, tun - ke, ju - vi- 



* 



Hl 



val -la - le - ra! vor dem Trom- pe -ten -schall! 



270 



ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT 



2. Die Stimme unsers Küsters ist nur ein leis's Geflüster vor 
dem Trompetenschall, vor dem Schall usw. 

3. Die Vöglein in dem Walde, die schweigen alsobalde vor 
dem Trompetenschall, vor dem Schall usw. 

4. Leb wohl, mein kleines Städtchen, leb wohl, schwarzbraunes 
Mädchen, leb wohl und denk an mich! |: Lebe wohl und denk an 
mich! :| Leb wohl und denk an — tunke, tunke usw. Leb wohl 
und denk an mich ! Studentenlied, 1525 in Heidelberg gesungen. 



298 



Volksweise. 



1. Wenn die Nach - ti - gal - len schla-gen, ei, 



rm u J J t 



soll es nicht be - ha - gen: tjo, tjo, tjo, tjo, 



tü, tü, tü, zier, zier, zier, zier, zier! tjo, tjo, tjo, tjo, tü, 



s j n ; J r ; , r ja } 



- ha"- gen! 

2. Doch die Frösch' in ihren Lachen, hört nur, was für Lärm 
sie machen: quak . . . quak, hört nur, war für Lärm sie machen! 

3. Mancher Bursch fängt an zu singen, und er meint, es müsse 
klingen: tjo, tjo . . . tjo, tü, und er meint, es müsse klingen. 

4. Doch es klingt wie Froschgequake und wie aus dem Dudel- 
sacke: quak, quak. .. quak, und wie aus dem Dudelsacke. 

Schlesisches Volkslied. 



Mel.: „Wo soll ich mich hinwenden" 
f- 



299 



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Wie soll ich mich er - näh 



ren, ich 
ren, mein 



* | ALLERHAND HEITERES, SCHERZ UND SPOTT \ 271 



tum-bes Brü-der- lein?\ 41o ... 
Gut ist viel zu klein./ Als lch ein We-sen 



han, so muß ich bald da - von. Was ich soll 



fs"« j r l fiV^ j j i j.i l 



heut ver - zeh - ren, das hab' ich fern ver - tan. 



2. Ich bin zu früh geboren, ja, wo ich heut hinkumm, mein 
Glück kommt mir erst morgen. Hätt' ich das Kaisertum, darzu 
den Zoll am Rhein, und war* Venedig mein, so war' es all ver- 
loren, es müßt verschlemmet sein! 

3. Steck an den Schweinebraten, dazu der Hühner jung! Ein 
Fraß ist uns geraten, dazu ein kühler Trunk. Steckt an den 
kühlen Wein und schenket tapfer ein! Ein Fraß ist uns geraten, 
der muß verschlemmet sein! 

4. Ich will mein Gut verprassen mit schlemmen früh und spat! 
Und will ein Sorgen lassen, dem es zu Herzen gaht. Ich nehm' 
ein Ebenbild bei manchem Tierlein wild, das springt auf grüner 
Heide; Gott behüt ihm sein Gefild! Nach den Bergkreyen 1535. 



300 Mel.: „Ob ich gleich kein Schatz mehr hab'". 

G D 

1. Zwi - sehen Berg und tie - f em , tie - fem Tal 

iff j J ^ r I r pj V % r r 

sa - ßen einst zwei Ha - sen, fra - ßen ab das 



grü - ne, grü-ne Gras, fra - ßen ab das grü - ne, 
G 

£ — ODO 




grü - ne Gras bis auf den Ra 



sen. 



rnfn/ i- 2 ^fressen, fressen waren, setzten sie sich 
nieder bis daß der Jager, Jäger kam und schoß sie nieder. 

3. Als sie sich nun aufgesammelt hatten und sich besannen, 
daß sie noch am Leben, Leben waren, liefen sie von dannen. 

Volkslied 1820, entstanden aus dem Schluft von 
„Ob ich gleich kein Schatz mehr hat/". 



LIEDERVERZEICHNIS 



273 



LIEDER VERZEICHNIS. 

Nr. Seite 

1 Ach, du klarblauer Himmel 1 

2 Ach Gott, wie weh tut Scheiden 2 

3 Ach, wie ist's möglich dann 2 

15Q Ade, ihr Brüder mein 135 

4 Ade, zur guten Nacht 3 

93 Alles neu macht der Mai 78 

94 Alle Vögel sind schon da 79 

275 Als die Römer frech geworden 246 

276 Als ich ein Junggeselle war 247 

172 Als wir jüngst in Regensburg waren 147 

95 Am Brunnen vor dem Tore 79 

173 Am Sonntag, am Sonntag, da igt der Meister Bohne . 148 
160 An den Rhein 136 

96 An der Saale 80 

5 Ännchen von Tharau 4 

264 As Buolala 236 

174 A Schlosser hat an G'sellen g'hot 149 

97 Auf einem Baum ein Kuckuck 81 

175 Auf, Matrosen, die Anker gelichtet 149 

6 Aus, aus, aus ist's mit mir 5 

98 Aus ihrem Schlaf erwachet 82 

7 Bald gras' ich am Neckar 6 

277 Besenbinders Tochter 248 

99 Bin ein fahrender Gesell 83 

176 Bin i net a lustiger Fuhrmannsbu 150 

8 Bis tu des Goldschmieds Töchterlein 6 

100 Blaue Luft 84 

202 Brüder, freut euch in der Runde 176 

253 Brüder, reicht die Hand 227 

219 Burschen, heraus 192 

9 Da droben auf jenem Berge, da steh' ich tausendmal . 7 
10 Da droben auf jenem Berge, da steht ein hohes Haus . 8 

265 Danz, danz, Quieselche 237 



274 



LIEDERVERZEICHNIS 



Nr - Seite 

11 Das Lieben bringt groß* Freud' : 8 

278 Das Mägdlein will ein'n Freier hab'n ........ 249 

12 Das Meer erglänzte [ [ g 

177 Das Reisen ist ein dummes Ding . . 152 

178 Das Schiff streicht durch die Wellen 153 

179 Da streiten sich die Leut' herum 154 

101 Das Wandern ist des Müllers Lust . ! . . 85 

266 Dat weer enmal en lütje Burdeern 237 

102 Der Frühling naht mit Brausen ' 86 

279 Der Kuckuck fliegt über * 250 

280 Der Kuckuck ist ein kluger Mann .... 251 

103 Der Mai ist gekommen \ 87 

254 Der Mensch hat nichts so eigen 228 

281 Der Mönch, der Mönch von Deidesheim . . . 252 

104 Der Mond ist aufgegangen ' 88 

105 Der Winter ist ein rechter Mann . . . 88 

106 Der Winter ist vergangen . 89 

107 Des Sonntags in der Morgenstund' 90 

1 Die bange Nacht ist nun herum . . 192 

Die Binschgauer wollten 253 

Die Blümlein alle schlafen 91 

Die Gedanken sind frei [ ] ' 193 

255 Die Himmel rühmen 228 

180 Die Leineweber haben 154 

109 Die liebe Maienzeit 01 

110 Die linden Lüfte 09 

203 Die Reise nach Jütland 177 

236 Die Rosen blühen im Tale . . ?n« 

111 Die Sonn' erwacht qI 

112 Die Tale dampfen ' '04 

13 Dort in den Weiden [ ] 20 

113 Dort unten in der Mühle [ [ 95 

114 Drauß ist alles so prächtig 96 

14 Drei Laub auf einer Linden 11 

15 Drei Lilien 
181 
161 
115 
256 

16 

116 

117 Eh noch der Lenz beginnt 



220 
282 
108 
221 



12 



Droben im Oberland 155 

Drunten im Unterland 136 

Durch Feld und Buchenhallen 9 6 

Durch Nacht zum Licht ' ' ' 229 

Durchs Wiesental gang i . . . . 13 

Eben sank die Sonne nieder .... 07 



98 



* I LIEDERVERZEICHNIS | 275 

Nr - Seite 

257 Ein getreues Herze wissen 230 

118 Ein Heller und ein Batzen 68 

182 Ein Jäger aus Kurpfalz 156 

283 Ein lust'ger Musikante 254 

222 Ein Ruf ist erklungen 194 

17 Ein Schäfermädchen weidete 14 

204 Ein Schifflein sah ich fahren 178 

119 Ein Sträußchen am Hute 99 

284 Ein Vogel wollte Hochzeit machen 255 

285 Ei, was bin i für e lustiger Bu . . * 257 

183 Es bläst ein Jäger 157 

184 Es blies ein Jäger 158 

185 Es, es, es und es 159 

18 Es fiel ein Reif 14 

237 Es freit ein wilder Wassermann 209 

205 Es geht bei gedämpfter Trommel Klang 179 

19 Es gingen drei Gesellen 15 

238 Es gingen drei Jäger 209 

186 Es hatt' ein Bauer drei Töchter 160 

258 Es ist ein Reis entsprungen 231 

20 Es ist ein Schnee gefallen 16 

259 Es ist ein Schnitter, heißt der Tod 232 

286 Es ist ein Schuß gefallen 258 

187 Es kamen drei Schneider 161 

120 Es kamen grüne Vögelein 100 

260 Es kann ja nicht immer so bleiben 232 

121 Es klingt ein lieblich Läuten 101 

223 Es lebe, was auf Erden 195 

239 Es leuchten drei Sterne 210 

240 Es liegt ein Schloß in Österreich 211 

122 Es murmeln die Wellen 101 

261 Es reden und träumen die Menschen 233 

21 Es ritten drei Reiter 16 

22 Es soll sich der Mensch 17 

23 Es steht ein Baum im Odenwald 18 

241 Es steht ein* Lind* in jenem Tal 212 

242 Es trieb ein Schäfer die Herde aus 214 

243 Es war ein König in Thüle 215 

287 Es war ein kleiner Wundermann 259 

24 Es war ein Knabe gezogen 18 

244 Es war einmal ein Mädchen 216 

188 Es war'n einmal neun Schneider 162 



276 I LIEDERVERZRICHMIS 



o/ic t-« . Seite 

245 Es waren zwei Königskinder 01 7 

25 Es welken alle Blätter . , , \L 

189 Es wollt' ein Schneider wandern . . . \ iaq 
206 Es wollte sich einschleichen .' Jon 

123 Es ziehn nach fernen Landen .... ' 102 

246 Es zogen drei Burschen . 218 

26 Feinsliebchen, du sollst 20 

124 Feldeinwärts flog ein Vögelein .... * im 

27 Frau Minne ..... 2, 

224 Freiheit, die ich meine \ . iqi 

225 Frei und unerschütterlich in* 

288 Freut euch des Lebens [ 260 

289 Guten Morgen, Spielmann %1 

247 Gut Ritter ritt wohl durch 21Q 

190 Grüß euch Gott, ihr Nagelschmied' 16 4 

28 Hab' geliebt dich 22 

290 Hab' mein' Wagen voll geladen . . 

262 Hab' oft im Kreise der Lieben . . oV d 

291 Hansel, dein Gretelein oto 

125 Heil'ge Nacht \ \ \ fgj 

126 Herzlich tut mich erfreuen ' 105 

162 Heut noch sind wir hier 1T7 

127 Hier in des Abends in* 

226 Hinaus in die Ferne JgS 

163 Hoch vom Dachstein an \ \ 130 

29 Horch, was kommt von draußen ...... . . ' * 23 

267 Jan Hinnerk wähnt up de Lammerstraat .... 238 

292 Ich bin der Doktor Eisenbart ' ' 263 

248 Ich bin der wohlbekannte Sänger . . 221 

128 Ich bin ein lust'ger Wandersmann i 0 6 

191 Ich bin vom Berg der Hirtenknab' .... ' ' 165 

129 Ich ging durch einen grasgrünen Wald ... ' ' 107 

30 Ich ging wohl bei der Nacht ' ' 23 

31 Ich hab' die Nacht geträumet • . 24 

32 Ich habe mein Feinsliebchen 25 

207 Ich hatt' einen Kameraden 181 

33 Ich hört' ein Sichlein rauschen 26 

130 Ich sag's, so traurig ,0« 

192 Ich schieß den Hirsch 

34 Ich schnitt' es gern in alle Rinden .' ] 26 



* I LIEDERVERZEICHNIS [ 277 

Nr. Seite 

35 Ich weiß nicht, was soll es bedeuten 27 

36 Je höher der Kirchturm 28 

37 Jetzt gang- i ans Brünnele 29 

38 Ihren Schäfer zu erwarten 30 

131 Im Krug zum grünen Kranze 109 

164 Im schönsten Wiesengrunde 139 

132 Im Wald, im frischen, grünen Wald 110 

193 Im Wald und auf der Heide 167 

133 In dem goldnen Strahl 111 

39 In einem kühlen Grunde 31 

249 Jung Siegfried 222 

134 Keinen Tropfen im Becher 112 

40 Kein Feuer, keine Kohle 32 

165 Kennst du das Land 139 

268 Kennt ji all dat nije Leid 240 

41 Komm, Feinsliebchen 32 

135 Komm, lieber Mai, und mache 113 

42 Kommt a Vogel geflogen 33 

136 Leise zieht durch mein Gemüt 113 

208 Lippe-Detmold 182 

194 Lustiger Matrosensang 168 

137 Lustig ist das Zigeunerleben 114 

195 Lustig ist 's Matrosenleb'n 169 

269 Lütt Anna Susanna 241 

270 Lütt Matten, dei Has* 242 

209 Mädchen meiner Seelen 183 

43 Mädele, ruck ruck ruck 34 

44 Maidle, laß dir was verzähle 35 

250 Marlbruck zog aus zum Kriege 223 

45 Mei Dirndel is harb uf mi 36 

46 Mei Mutter mag mi net 37 

196 Mein Handwerk fällt mir schwer 170 

166 Mein Herz ist im Hochland 140 

47 Mein Mädel hat einen Rosenmund 38 

48 Mein Schatz, der ist auf die Wanderschaft 38 

49 Mein Schatz, der will wandern 39 

50 Mein Schatzerl is hübsch 40 

138 Mein Vater war ein Wandersmann 115 

51 Mir ist ein schön's braun Maidelein 41 

52 Mir ist so dunkel 42 

197 Mit dem Pfeil, dem Bogen 171 



278 LIEDERVERZEICHNIS 



Nr. Seite 

167 Morgen marschieren wir 141 

53 Morgen müssen wir verreisen 44 

54 Morgen muß ich fort 44 

210 Morgenrot, Morgenrot . . . 184 

55 Morgen will mein Schatz abreisen 45 

56 Muß i denn, muß i denn 47 

57 Nach Ostland will ich fahren 48 

139 Nachtigall, Nachtigall 116 

227 Nicht betteln, nicht bitten 198 

58 Noch ist die blühende, goldene Zeit 48 

168 Nun ade, du mein lieb Heimatland 142 

59 Nun ade, mein herzlieb Schätzelein 49 

60 Nun leb' wohl, du kleine Gasse 50 

169 Nun zu guterletzt 143 

271 Och, Mod'r, ich well en Ding han 242 

61 0 sah' ich auf der Heide dort 51 

140 O Sonnenschein, o Sonnenschein 117 

211 O Straßburg, o Straßburg 185 

141 O Täler weit, o Höhen 119 

62 0 Tannenbaum 51 

142 0, wie ist es kalt geworden 120 

143 O, wie lustig läßt sich's jetzt 120 

63 Rosestock, Holderblüh 52 

144 Rühret die Trommeln 121 

64 Sag' mir das Wort 53 

65 Sah ein Knab' ein Röslein stehn 54 

212 Schatz, mein Schatz, reise nicht so weit 185 

145 Schon die Abendglocken 122 

198 Schon glänzt das Mondenlicht 171 

66 Schön ist die Jugend 55 

293 Schwäfelhelzle 265 

67 Schwesterlein! Schwesterlein! 55 

68 Seht ihr drei Rosse 56 

69 Seht nur den Burschen 57 

146 Seht, wie die Sonne dort sinket 123 

199 Seid nur lustig und fröhlich 172 

228 Singe, wem Gesang gegeben 198 

70 So grün, wie ist die Heiden 58 

71 So leb denn wohl 58 

147 So scheiden wir 124 



* | LIEDERVERZEICHNIS " 1 279 



Nr. Seite 

148 So sei gegrüßt viel tausendmal 125 

72 Soviel Stern' am Himmel 59 

294 Spinn, spinn, meine liebe Tochter 266 

213 Steh' ich in finstrer Mitternacht 186 

73 Sterben ist ein' schwere BufV 60 

272 Still, min Hanne 243 

295 Suse, liebe Suse 267 

229 Tram, träm, träridiri 200 

74 Treu und herzinniglich 61 

273 Trina, kumm mal vör de Dör 244 

230 Turner, auf zum Streite 201 

149 Über allen Oipfeln ist Ruh' 125 

75 Uf 'em Bergli bin i g'sesse 61 

296 Ufm Berge, da geht der Wind 267 

76 Und die Würzburger Glöckli 62 

231 Und hört ihr das Brausen 202 

77 Und in dem Schneegebirge 63 

78 Und schau' ich hin 64 

150 Und sollt' der Eulen ganzes Heer 126 

79 Verstohlen geht der Mond auf 65 

297 Viola, Baß und Geigen 269 

80 Von allen den Mädchen 66 

81 Von meinem Bergli .67 

82 Wach auf, mein's Herzens Schöne 68 

200 Was aber fangt ihr Meister an 174 

232 Was glänzt dort vom Walde 203 

83 Was hab' ich denn meinem Feinsliebchen 69 

201 Was raschelt in dem Grase dort? 175 

214 Weißt du noch die schönen Maientage 187 

151 Wem Gott will rechte Gunst 127 

274 Wenn de Pott aber nu en Lock hätf 245 

152 Wenn der Frühling auf die Berge 127 

153 Wenn des Frühlings Zauberfinger 129 

298 Wenn die Nachtigallen schlagen 270 

170 Wenn ich den Wandrer frage 144 

84 Wenn ich ein Vöglein war' 70 

215 Wenn's die Soldaten 188 

154 Wenn 's Mailüfterl weht 130 

155 Wenn wir marschieren 131 

156 Wer hat dich, du schöner Wald 131 



280 1 LIEDERVERZEICHNIS ""]""*" 

Nr - Seite 

233 Wer ist ein freier Mann? 204 

251 Wer reitet so spät 224 

252 Wer singet im Walde ..." 226 

263 Wie ein stolzer Adler , 235 

85 Wie kommt's, daß du so traurig bist .70 

157 Wie lieblich schallt 132 

86 Wir sind die drei Waldprinzessen 71 

87 Wir winden dir den Jungfernkranz 72 

88 Wißt ihr, wo ich gerne weil' 73 

89 Wo a kleins Hüttie steht 74 

158 Wohlauf, die Luft geht frisch 133 

234 Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd . 205 

171 Wohlauf, noch getrunken 145 

299 Wo soll ich mich hinkehren 270 

216 Zehntausend Mann I89 

90 Z'nachst bin i halt gange 75 

91 Zu Lauterbach . 76 

235 Zu Mantua in Banden . . • i 206 

92 Zum Tanze da geht ein Mädel 77 

217 Zu Straßburg auf der langen Brück» 190 

218 Zu Straßburg auf der Schanz, 191 

300 Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal .271 




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